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Panorama Umstrittene Orca-Show wird eingestellt
Mehr Welt Panorama Umstrittene Orca-Show wird eingestellt
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00:15 14.11.2015
Von Stefan Koch
Ein Leben in der Badewanne: Die Orcas sind berühmt für spektakuläre Showeinlagen. Es gab aber tödliche Zwischenfälle. Quelle: afp
Washington

Nach jahrelangen Protesten von Tierschützern lenkt die Showbranche ein: Das US-Unternehmen Seaworld will das Geschäft mit Schwertwalen auslaufen lassen. Die umstrittenen Vorführungen der etwa sieben Meter langen und tonnenschweren Orcas sollen 2017 im kalifornischen San Diego durch ein neues Programm ersetzt werden.

Umstrittenes Geschäftsmodell

"Wir hören auf unsere Gäste und entwickeln uns als Unternehmen weiter", sagt Joel Manby. Die artgerechte Haltung der Meeressäuger sei dem Betreiber der spektakulären Wasserbecken immer eine Herzensangelegenheit gewesen. In Zukunft setze Seaworld daher auf "informative Attraktionen" und auf eine natürlichere Umgebung.

Das sind freundliche Worte für ein umstrittenes und ehemals lukratives Geschäftsmodell. So stellen sich für den langjährigen Kongressabgeordneten Adam Schiff die Shows mit den sogenannten Killerwalen ganz anders dar. Die Gefangenschaft würde den prächtigen Walen kräftig zusetzen: "Die psychischen und physischen Schäden für die Tiere überwiegen die Vorzüge der Präsentation bei Weitem."

Tierschützern reicht das nicht

Der 55-jährige Politiker protestiert in der US-Hauptstadt schon seit Jahren gegen die Zwangshaltung der Schwertwale. In den kommenden Wochen will der streitbare Parlamentarier mit einer Reform des Tierschutzgesetzes das Geschäft mit Orcas vollständig unterbinden. Ob Schiff mit seiner Gesetzesinitiative Erfolg hat, ist noch offen. Aber bereits die Ankündigung dürfte die Entscheidungen bei Seaworld beschleunigt haben.

Wenig beeindruckt von dem neuen Kurs des Seaworld-Unternehmens zeigen sich allerdings die Aktivisten der Tierschutzorganisation Peta. "Die Korrektur geht nicht weit genug", sagt Jared Goodman der "Los Angeles Times": "Es reicht einfach nicht, einen Hund nicht mehr zu schlagen, aber ihn niemals aus seiner Hütte zu lassen." Wer will schon sein Leben in einer Badewanne verbringen?

Höhepunkt vieler Reisen

Fest steht: Mit den großen Orca-Shows geht in den USA eine besondere Ära der Tierpräsentationen zu Ende. Die Vorführungen in den großen Aquarien der insgesamt elf Freizeitparks hatten über Jahrzehnte hinweg unzählige Besucher angezogen. Ein Zwischenstopp bei Seaworld in San Diego oder in Orlando im Bundesstaat Florida zählte auch für viele europäische Touristen mit zu den Höhepunkten ihrer Amerika-Reisen.

Die mächtigen Tiere werden für die Show so gedrillt, dass sie gleichzeitig hoch springen und dann auf das Wasser knallend das Publikum nass spritzen. Auch gemeinsame Tauchmanöver gehören zum Programm, ebenso der Trainer-Ritt auf dem Rücken der Wale.

Mehrere tödliche Zwischenfälle

Der populäre Tierspielfilm "Free Willy – Ruf der Freiheit" führte zu Beginn der Neunzigerjahre zu einem ersten Bruch. Die wachsende Erkenntnis, dass Wale über eine hohe soziale Intelligenz verfügen, sorgte für ein Umdenken.

Aufsehen erregten auch mehrere tödliche Zwischenfälle: So war das Orca-Männchen Tilikum in drei Todesfälle verwickelt. 2010 zog das Tier etwa seine Trainerin Dawn Brancheau vor den Augen mehrerer Tausend Besucher ins Wasser und ertränkte sie.

Zahl der Besucher sinkt

Ein Jahr später gab Seaworld trotz vieler Proteste bekannt, den Walbullen wieder in die Shows zurückzuholen. Für scharfe Debatten und einen Rückgang der Besucherzahlen sorgte nicht zuletzt vor zwei Jahren der US-Dokumentarfilm "Blackfish", der Tilikums Schicksal beschreibt.

Manby, der erst Anfang des Jahres als Krisenmanager zu Seaworld wechselte und zuvor in der Autoindustrie tätig war, verschweigt denn auch nicht die wirtschaftlichen Zwänge: Angesichts des wachsenden Widerstandes könne Seaworld nur durch eine grundlegende Neuausrichtung das Vertrauen der Gäste zurückgewinnen.Die Besucherzahlen und die Einnahmen des Unternehmens waren zuletzt deutlich zurückgegangen, und zwar um 17 Prozent auf 3,8 Millionen Dollar im vergangenen Jahr.

Bis Ende 2016 wird die "One Ocean"-Vorführung noch zu sehen sein – danach soll es allerdings eine neue Show mit Orcas geben. Die neue Attraktion ab 2017 werde deutlicher auf das natürliche Verhalten der Tiere abgestimmt sein.

Im Norden hat sich eine neue Partei gebildet. "Freie Friesen" heißt sie. Sie fordert den ungehinderten Zugang zum Meer. Denn meist muss man erst sonst eine Kurtaxe zahlen. Deshalb haben sie auch Klage beim Oberverwaltungsgericht eingereicht.

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