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Panorama "Todespfleger" soll weitere 55 Menschen getötet haben
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20:35 21.02.2016
Niels H. hatte als Pfleger auf der Intensivstation in Delmenhorst gearbeitet. Quelle: dpa
Hannover

Vor einem Jahr wurde der sogenannte Todespfleger Niels H. wegen dreifachen Mordes und zweifachen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch mit dem Urteil war der Fall nicht abgeschlossen: Während des Prozesses kam ans Licht, dass der Mann für weit mehr als die im Prozess verhandelten Todesfälle verantwortlich war.

Im Sommer 2015 ging die Polizei schon von 30 Opfern des ehemaligen Krankenpflegers aus. Mittlerweile sei diese Zahl auf 55 Todesopfer gestiegen, bestätigte eine Sprecherin der Sonderkommission „Kardio“ der HAZ. Diese Zahl tauchte auch in der unlängst veröffentlichen niedersächsischen Kriminalstatistik auf. Und sie dürfte noch steigen, denn die Suche nach weiteren Opfern ist noch nicht zu Ende. Niels H. wird damit für eine der größten Mordserien der Nachkriegszeit in Deutschland verantwortlich gemacht. Auch international gibt es nur wenige Einzeltäter, deren Verbrechen eine solche Dimension erreicht haben.

Niels H. hatte als Pfleger auf der Intensivstation in Delmenhorst gearbeitet. Um Notfälle zu provozieren, hat er Patienten das Herzmedikament Gilurytmal gespritzt. Wenn dann bei den Opfern ein lebensbedrohliches Herzflimmern eintrat, eilte er herbei, um bei der Wiederbelebung zu glänzen. Doch nicht immer gewann der heute 39-Jährige den Kampf um das Leben des Patienten.

Er selber habe bei 50 Toten aufgehört zu zählen, soll Niels H. einem Mithäftling gestanden haben. Insgesamt hat die Soko „Kardio“ zusammen mit der Staatsanwaltschaft Oldenburg bislang 63 verstorbene Patienten exhumieren und untersuchen lassen. Dabei wurde der fragliche Wirkstoff Ajmalin bei 21 Leichen nachgewiesen, obwohl deren Krankenakte eine Behandlung damit nicht vorgesehen hatte, so eine Sprecherin der Soko. In zahlreichen weiteren Fällen wurden Unstimmigkeiten entdeckt. Weitere Exhumierungen seien von Staatsanwaltschaft und Polizei geplant - wann und wo die stattfinden sollen, wollten die Behörden nicht öffentlich machen.

Während des Prozesses war die Spekulation aufgekommen, Niels H. könne für den Tod von bis zu 200 Menschen verantwortlich sein, da sich während seiner Dienstjahre im Klinikum Delmenhorst die Todesrate auf der Intensivstation verdoppelt habe. Ob diese Sterbefälle aber tatsächlich alle auf ihn zurückgehen, muss jetzt geklärt werden. Nicht in jedem Fall ist das möglich: Einige der Verstorbenen sind eingeäschert worden.

Dass es zu einem weiteren Prozess kommt, ist unzweifelhaft, auch wenn der Täter mit keiner höheren Bestrafung rechnen muss. „Er ist bereits zu lebenslanger Haft mit Feststellung der besonderen Schwere der Tat verurteilt“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg. „Er kann keine härtere Strafe bekommen.

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