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Panorama Mit einem Rumms – Uni-Hochaus gesprengt
Mehr Welt Panorama Mit einem Rumms – Uni-Hochaus gesprengt
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13:49 02.02.2014
Der AfE-Turm – das höchste Hochhaus, das je in Europa gesprengt wurde. Quelle: dpa
Frankfurt/Main

Nach dem Countdown halten die rund 30 000 Schaulustigen vor dem Frankfurter Uni-Turm einen Augenblick den Atem an, manche lachen: Dann erst kracht der graue Stahlbetonkoloss mit zwei tiefdumpfen, böllerähnlichen Schlägen in sich zusammen - innerhalb weniger Sekunden. Eine dichte Wolke orange-gräulichen Staubs steigt auf, verzieht sich aber binnen Minuten und gibt hinter den Absperrungen den Blick auf einen riesigen Haufen Bauschutt frei.

Das 116 Meter hohe Gebäude ist Geschichte - nie zuvor war ein höheres Haus in Europa gesprengt worden. „Es ist alles gut gelaufen», sagt Polizei-Einsatzleiter Felix Pascheck. Und: «Das hat ja einen ganz schönen Schlag getan. Das war schon spektakulär.“

„So was habe ich noch nie erlebt. Ich bin froh, dass ich nicht näher dran war“, sagt Ralf Schmidt aus Wiesbaden. Er steht mit Freunden, darunter einigen Kinder, gut 250 Meter von dem gesprengten Turm entfernt. „Wir bauen den Turm wieder auf“, freut sich der sechsjährige Simon. Denn Schmidt hat den Einsturz gefilmt und lässt den Film zum Vergnügen der Kinder immer wieder rückwärts laufen.

„Das war schon sehr aufregend und interessant“, sagt Philipp Stiefel aus Hofheim. Er hat in dem Turm studiert und ist sich sicher, die gelben Innenwände noch mal kurz gesehen zu haben, bevor alles einstürzte. Seine Begleiterin Mone Rückert aus Frankfurt ist «richtig froh, dass das scheußliche Ding endlich weg ist. Ich finde der hat Jahre zu lang gestanden». Wie Stiefel hat sie in dem Turm studiert. „Ich bin drei- oder viermal im Aufzug steckengeblieben.“

Ganz anderer Ansicht ist der Lektor Tilman Krömmelbein. Er verkauft Postkarten des Turms - in nostalgischen Gelbtönen - für einen Euro. „Der Turm war das Symbol einer kritischen Kultur.» Darin seien freie Geister ausgebildet worden. Im neuen Campus Westend würden die Studierenden dagegen nur noch «für die Wirtschaft bereitgemacht“.

Eine feine Staubschicht hat sich nach der Detonation auf die denkmalgeschützten Gebäude und die Grünanlage rund um den alten, sogenannten AfE-Turm gelegt. Größere Schäden hat es trotz der Nähe vieler Häuser, des U-Bahn-Tunnels und einer Gasleitung nicht gegeben.

„Es hat alles bestens geklappt“, sagt der Chef der städtischen ABG Holding, Frank Junker, sichtlich erleichtert. „Mir sind 55 000 Tonnen Last vom Hals gefallen“, sagt er unter Anspielung auf das Gewicht des Hauses. Die ABG, die auf dem Gelände zwei Büro-Türme bauen will, hatte die Sprengung in Auftrag gegeben. Eigentlich sollte das Hochhaus nach und nach abgetragen werden, doch gleich zu Beginn der Arbeiten hagelte es Beschwerden der Anwohner über den Lärm.

Am Sonntag der Sprengung warten dann trotz des feucht-kühlen Wetters schon in der Morgendämmerung einige Hundert Neugierige an den Absperrungen. Viele haben Thermoskannen, Leitern, Klappstühle, Decken und Ferngläser dabei. Patrick Hildesheim (24) lebt auf Rügen und hat das Spektakel als Anlass genutzt, seinen älteren Bruder David in Frankfurt zu besuchen. „Das ist ja einmalig in Europa. Dafür steht man schon mal an einem Sonntag um 6.30 Uhr auf“, sagt der Ältere. Die Brüder sind genau über die Einzelheiten der Sprengung informiert und verfolgen die Vorbereitungen seit 7.30 Uhr.

Noch früher sind André Schewcow und seine Kollegin aufgestanden. Die beiden sind mit dem Auto aus Wuppertal gekommen, aus beruflichem Interesse. Schewcow darf auch sprengen. Ihn fasziniert, dass der massive Kern des Gebäudes wie ein Zollstock zusammenklappen soll. Er ist aber zuversichtlich. Sprengmeister Eduard Reisch sei in der Szene in Deutschland sehr bekannt. „Er ist ein sehr guter.“ Und so wie geplant läuft es dann auch.

dpa

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