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Panorama Spannungen zwischen Nord- und Südkorea wachsen wieder
Mehr Welt Panorama Spannungen zwischen Nord- und Südkorea wachsen wieder
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09:22 23.07.2010
Misstrauen: Ein nordkoreanischer Soldat beobachtet US-Außenministerin Hillary Clinton und Verteidigungsminister Robert Gates in der UN-Sicherheitszone.

Das „Affenhaus“ bleibt heute leer. Hinter den Fenstern der grauen Baracke sieht man zugezogene Spitzengardinen, die Türen sind mit einem Kettenschloss abgesperrt. „Manchmal schleichen sich die Nordkoreaner dort hinein und reißen dann plötzlich die Vorhänge auf, um uns einen Vogel zu zeigen“, erklärt Sean Howard. „Aber wir ignorieren sie, denn das hier ist kein Ort für Albereien: Jede Provokation kann zu einer militärischen Auseinandersetzung führen.“

Howard trägt einen hellen Tarnanzug mit Springerstiefeln, eine Pistole am Gürtel und Abzeichen, die ihn als „Private First Class“ ausweisen. Eine tiefschwarze Sonnenbrille macht jeden direkten Blickkontakt unmöglich. „Wir wollen mit unseren Feinden kein Augenstechen betreiben“, sagt der Soldat, der im Irak diente, bevor die US-Armee ihn ins „Korean Theatre“ schickte. So wird die Grenze zwischen Nord- und Südkorea im US-Militärjargon genannt. 28.500 US-Soldaten sind auf der Halbinsel stationiert, doch an vorderster Front steht nur ein kleines Bataillon, das den Frieden in der „Gemeinsamen Sicherheitszone der Vereinten Nationen“ gewährleisten soll: Sechs Militärbaracken aus Fertigteilen, genau auf dem Grenzstreifen errichtet, sollen im Ernstfall als Ort für Krisengespräche dienen.

„Die Gebäude wurden 1953 errichtet, um den Waffenstillstand des Koreakriegs auszuhandeln“, erklärt Howard. „Sie sind bis heute mit ,t‘ für ,temporär‘ gekennzeichnet. Man ging davon aus, dass dem Ende der Kampfhandlungen bald ein Friedensvertrag folgen würde.“ Jetzt geht der Konflikt in sein siebtes Jahrzehnt.

Die kleine Sicherheitszone, gut einen halben Quadratkilometer groß, ist der einzige Ort entlang der 250 Kilometer langen Grenze, an dem sich Soldaten beider Seiten unmittelbar gegenüberstehen. Die Koreaner nennen ihn bis heute Panmunjom – so hieß das Dorf, das hier zwischen die Fronten geriet. Wo früher Bauern Reis und Gemüse anpflanzten und ins 50 Kilometer südlich gelegene Seoul verkauften, spielt sich heute in Miniatur der Konflikt ab, dessen teils grausame, teils bizarre Episoden seit 60 Jahren das Leben der insgesamt 75 Millionen Koreaner bestimmen.

„Auf den ersten Blick mag es einem hier friedlich erscheinen“, sagt Lieutenant Colonel John Rhodes, der Kommandeur des Sicherheitsbataillons, beim Rundgang über Camp Bonifas, das Lager der 500 amerikanischen und südkoreanischen Bewacher von Panmunjom. Es gibt einen Laden, ein Internetcafé, eine Kirche, Baseball- und Basketballplätze und einen Ein-Loch-Golfplatz, den Rhodes nicht ohne Stolz die „gefährlichste Golfanlage der Welt“ nennt. „Man darf sich nicht täuschen lassen: Die Nordkoreaner sind unberechenbar und können jederzeit etwas sehr Dummes tun.“

Unter etwas „sehr Dummes“ läuft für Rhodes auch der Abschuss des südkoreanischen Kriegsschiffs „Cheonan“ Ende März, bei dem 46 südkoreanische Soldaten starben. „Es war der schwerste Zwischenfall seit Ende des Koreakriegs“, betont Rhodes. „Das ist eben typisch für Nordkorea: Jahrelang passiert nichts, aber dann schlagen sie zu – und unser Job ist es, darauf vorbereitet zu sein.“ Genau das ist die Botschaft seines obersten Dienstherrn, US-Präsident Barack Obama.

Anfang der Woche war US-Außenminister Hillary Clinton demonstrativ in Panmunjom zu Besuch. Am Sonntag nun starten Amerikaner und Südkoreaner ein großes Seemanöver und zeigen den Nordkoreanern ihre Macht auf. Völlig schnörkellos heißt es bei der US-Regierung, man wolle ein „starkes Signal“ an den Diktator Kim Jong-il schicken. Überbringer der Botschaft ist der atomar angetriebene Flugzeugträger „George Washington“, dessen Kampftruppe am Mittwoch im Hafen Busan eintraf. Drei Zerstörer sowie Versorgungsschiffe komplettieren das Aufgebot.

Für Nordkorea ist das Ganze eine Provokation: „Solche Übungen bedeuten eine große Gefahr nicht nur für den Frieden und die Sicherheit der koreanischen Halbinsel, sondern für Frieden und Sicherheit der Welt“, sagte Ri Tong-il, Sprecher der nordkoreanischen Delegation beim Asean-Regionalforum, der wichtigsten Sicherheitskonferenz für den Asien-Pazifik-Raum. Am heutigen Freitag will Hillary Clinton auf diesem Forum die amerikanische Sicht der Dinge vortragen.

Schon im Mai hat der „Cheonan“-Zwischenfall zu einer Eiszeit geführt – und zum endgültigen Ende der „Sonnenscheinpolitik“, in die koreanische Bürger auf beiden Seiten zehn Jahre lang ihre Hoffnung auf eine Annäherung setzten. Ende Mai hat Seoul fast alle Handelsverbindungen mit dem Norden gekappt. Pjöngjang hat im Gegenzug umgehend neue Atomexperimente durchgeführt, wie südkoreanische Wissenschaftler aus Luftproben von der Grenze schließen. Zugleich droht es mit einem „totalen Krieg“. Man kennt solche Ausfälle. Doch die Sorge wächst, dass das marode Regime Kims in einem letzten Aufbäumen zu allem fähig ist. Auch zur Provokation eines neuen Krieges.

Doch obwohl politisch scharf geschossen wird, herrscht im Waffenstillstandsdorf Panmunjom weiterhin eiserne Ruhe. „Es gibt keine Zeichen für eine Mobilmachung des Nordens“, sagt Rhodes. Ein striktes Protokoll regelt den Alltag. Ein Teil der Soldaten bewacht die UN-Baracken, andere sichern die Feldarbeit der rund 120 Bauern im nahe gelegenen „Friedensdorf“, denen in einem Akt symbolischer Normalitätsvortäuschung erlaubt ist, innerhalb der vier Kilometer breiten demilitarisierten Zone zu leben. Viel zu sehen gibt es nicht, doch je weniger Vorkommnisse es gibt, umso größere Bedeutung wird jedem einzelnen zugemessen. Für ihren eigenen Schutz tragen die Soldaten leichte Handfeuerwaffen – mehr ist nach UN-Bedingungen nicht erlaubt.

„Ein großer Teil unserer Aufgabe besteht einfach darin, für den Ernstfall parat zu sein“, sagt Rhodes. Einmal am Tag wird überprüft, ob das Krisentelefon zu den Nordkoreanern intakt ist. In normalen Zeiten hebt die andere Seite den Hörer ab und legt gleich wieder auf, ohne dass ein Wort gesprochen wird. In schlechten lassen die Nordkoreaner es jedoch einfach klingeln, woraufhin sich der UN-Kommandeur mit einem Übersetzer und einem Megafon an die Grenzlinie stellt und den nordkoreanischen Wachposten zuruft, dass sie bitte ans Telefon gehen sollen. „Manchmal geht das tagelang so“, erklärt Rhodes. Über den momentanen Kommunikationsstatus will er nichts sagen.

Obwohl Nordkoreas Volksarmee mit 1,2 Millionen Soldaten fast doppelt so groß ist wie die Streitkräfte auf der anderen Seite, wäre sie der technischen Übermacht des Südens im Kriegsfall wohl kaum gewachsen. Dennoch: Da ein Drittel der Südkoreaner innerhalb der Reichweite von nordkoreanischen Kurzstreckenraketen lebt, stellt der rückständige Norden für den entwickelten Süden eine reale Bedrohung dar. „Kim Jong-il könnte den Süden nie besiegen, aber er könnte große Zerstörung anrichten“, sagt der 78-jährige Friedensaktivist und Koreakriegsveteran Kim Sang-hun. „Die junge Generation kann sich heute zwar nicht mehr vorstellen, dass es noch einmal einen Krieg geben könnte, aber für die Älteren unter uns ist er immer noch präsent.“

1945 beschlossen die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs in Potsdam die Teilung der Halbinsel: Nördlich des 38. Breitengrades übernahmen die Sowjets die Kontrolle, südlich davon die Amerikaner. Am 25. Juni 1950 startete die von Moskau installierte nordkoreanische Regierung einen Überraschungsangriff. Drei Jahre und drei Millionen Tote später standen beide Seiten wieder dort, wo sie angefangen hatten: am 38. Breitengrad. Am 27. Juli 1953 unterzeichneten beide Seiten in Panmunjom einen Waffenstillstandsvertrag. Dass die innerkoreanische Grenze seitdem die am schärfsten bewachte und undurchlässigste der Welt ist, legte die Grundlage für die unterschiedliche Entwicklung der beiden Koreas: Während der Norden heute das isolierteste und eines der ärmsten Länder der Welt ist, mauserte sich Südkorea zu einer wohlhabenden Industrienation.

In Washington sieht man Korea heute als Beweis dafür, dass die Welt Amerikas militärisches Engagement braucht. Wenn den Amerikanern im Nahen Osten vorgeworfen wird, mehr Stabilität zu zerstören als zu schaffen, so verweisen sie auf Ostasien, wo sie seit 57 Jahren ein Wiederaufflammen des Koreakriegs verhindern. „Es geht um viel mehr als um die koreanische Halbinsel“, sagt Rhodes beim Mittagessen in der Kantine. „Wenn es hier zu einem Zusammenstoß kommt, beeinträchtigt das die Stabilität in der ganzen Region. China, Russland, Japan – alle mischen in diesem Konflikt mit.“

Ein Ende ist in der gegenwärtigen politischen Lage nicht in Sicht. Für einen Abzug der US-Truppen gibt es keine Pläne, auch wenn das Kommando im Kriegsfall ab 2012 der koreanische Generalstab führen soll. „Wir sind auf Bleiben eingestellt“, sagt Rhodes.

Bernhard Bartsch

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