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Panorama Sexualisiertes Mobbing: Sechstklässler „stängeln“ Fünftklässler – jahrelang
Mehr Welt Panorama Sexualisiertes Mobbing: Sechstklässler „stängeln“ Fünftklässler – jahrelang
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12:44 11.03.2019
Eine Schlägerei auf dem Schulhof (Symbolfoto) Quelle: Oliver Berg/dpa
Crivitz

In Mecklenburg-Vorpommern ist ein Fall von sexualisiertem Mobbing bekannt geworden. An der Regionalschule Crivitz im Kreis Ludwigslust-Parchim sollen daran 30 Schüler beteiligt gewesen sein. Die Schulleitung erstattete schon im vergangenen Oktober Anzeige bei der Polizei. Der Vorwurf: Nötigung. Über vier Jahre lang praktizierten Schüler demnach ein Ritual, dass sie „Stängeln“ nannten. Vier bis fünf Jungen der sechsten Klasse ergriffen dabei jeweils einen Fünftklässler, hoben ihn hoch und rieben den Schritt des Kindes an einem Baumstamm.

Die Mehrzahl der Opfer wurde im folgenden Schuljahr selbst zu Tätern. Auf diese Weise setzte sich das Ritual der Sechstklässler gegenüber Fünftklässlern fort, berichtet die „Ostsee Zeitung“. Am Ende waren die Schüler der fünften bis achten Klasse betroffen. Insgesamt 30 Kinder im Alter von 10 bis 13 Jahren konnten nach schulinterner Recherche namentlich benannt werden. Warum dieser Vorfall so lange unentdeckt blieb, ist nicht bekannt.

„Kinder sind für ihre Taten verantwortlich“

Die Polizei in Crivitz bestätigt, dass sie die Staatsanwaltschaft Ludwigslust eingeschaltet habe. Wegen des Alters der Jungen sei jedoch kein Strafverfahren eingeleitet worden.

Die Rostocker Rechtsanwältin Gesa Stückmann ist Expertin für Mobbing. Sie sagt: „Strafrechtlich werden Jugendliche erst ab 14 Jahren verfolgt. Aber auch Kinder sind für ihre Taten verantwortlich. Zivilrechtlich abgemahnt werden können bereits Zehnjährige.“

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Der Crivitzer Fall sei durch die direkte Konfrontation auf dem Schulhof geprägt, so Stückmann. Dies sei zwar ein extremes Beispiel, doch körperliche Übergriffe habe es unter Kindern schon immer gegeben. „Wenn Schüler zusätzlich noch das Internet einsetzen, wird es besonders dramatisch.“ Beim Cybermobbing kommen Dienste wie Whatsapp, Instagram, Snapchat oder Facebook zum Einsatz. Dadurch könne es nicht nur die vermeintlichen Außenseiter oder Schwächeren, sondern jeden Schüler treffen.

„Schockierende Dimensionen“ durch Cybermobbing

Anders als bei Gewalt und Zudringlichkeiten in der Pause, höre das Mobbing mit digitalen Hilfsmitteln nie auf. „Das nimmt schockierende Dimensionen an. 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche sind die Opfer schlimmsten Beleidigungen und Drohungen ausgesetzt, so dass schon Kinder aus Verzweiflung an Selbstmord denken“, erläutert Gesa Stückmann.

Zudem würden Lügen und Hetze durch Sprachnachrichten, gefälschte Nutzerprofile sowie echte und gefälschte Fotos und Videos verbreitet werden. Die Anwältin kenne aus ihrer Präventionsarbeit hunderte solcher Beispiele.

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Habt ihr Suizidgedanken? Dann wendet euch bitte an folgende Rufnummer:

0800/111 0 333 (für Kinder und Jugendliche)

Von Juliane Schultz/RND