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Panorama Lady Gaga ist die schönste Kuh
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00:16 28.02.2016
Bitte recht freundlich: Kuh Heartbreak im Fotostudio auf der Rindermesse. Quelle: Julian Stratenschulte
Verden

Stefan Widmer kommt aus dem Lob gar nicht mehr heraus. „So müssen junge Kühe aussehen“, erklärt der Schweizer seinem Publikum. Tiefer Bauch, ein offener Rippenbogen, viel Weiblichkeit, „eine Spitzenklasse habe ich hier vorgefunden“, schwärmt der Preisrichter.Den Ausschlag gibt am Ende die bessere Zitzenplatzierung: Hauchdünn gewinnt Nummer 86, eine rotfleckige Kuh namens Aphrodite, den Vorentscheid in ihrer Altersgruppe. Applaus brandet in der Halle auf. Rund 3000 Besucher sind zur Rindermesse Masterrind in Verden gekommen, deren Höhepunkt immer der Kuh-Schönheitswettbewerb „Schau der Besten“ ist. In diesem Jahr allerdings findet das Treffen vor einem sorgenvollen Hintergrund statt. Die niedrigen Milchpreise machen den Kuhhaltern zu schaffen - und nicht jeder, der gestern seine Kuh vorführte, wird im nächsten Jahr noch dabei sein.

„Die Krise begleitet die Landwirte jetzt schon ein halbes Jahr“, sagt Hartmut Zingel, Geschäftsführer bei Masterrind. 26 Cent gibt es derzeit für einen Liter Milch, Mitte 2014 waren es noch 39. Um kostendeckend zu wirtschaften, brauchen die Landwirte 30 Cent. Gerade erst haben die Erzeuger einen vergeblichen Appell an das Deutsche Milchkontor gerichtet, die Preise zu erhöhen. „Es geht jetzt darum, den Gürtel enger zu schnallen und durchzuhalten - oder sich umzuorientieren und etwas anderes zu machen“, sagt Zingel. Die „Schau der Besten“ sei dadurch aber nicht zu einer Trauerfeier geworden, betont Zingel. „Die Stimmung ist besser als die Lage.“ 170 Tiere treten in diesem Jahr an. Und der Schönheitswettbewerb sei nun mal eine Passion der Halter.

Auch für Maren Schwarze. Die Familie der 21-Jährigen hat einen Betrieb mit 220 Kühen in Barnstedt bei Verden. Seit Wochen haben sie sich mit ihrer Kandidatin Heartbreak auf diesen Wettbewerb vorbereitet. Heartbreak ist wie alle Kandidatinnen der „Schau der Besten“ keine Spezialzüchtung, sondern normale Milchkuh, die normalerweise mit ihren Kolleginnen im Stall steht. Vor drei Monaten wurde Heartbreak in einen Extrastall gebracht. Sie bekam vor allem Heu zu fressen, wurde mit Shampoo gewaschen, die Hufe wurden geputzt, und schließlich wurde sie geschoren. Wenn die Kühe bei der Misswahl antreten, haben sie nur ein millimeterkurzes Fell - so werden Haut, Muskeln, Knochen noch besser sichtbar.

Für den Feinschliff sind dann Luke Harris und seine Kollegen zuständig. Der junge Ire wuselt im Vorraum der Arena zwischen den Kühen hin und her. Er spricht kein Deutsch, aber er muss sich auch nicht verständigen, jeder Handgriff sitzt auch so. Er putzt Kot­flecken vom Schwanz und sprüht Euter und Hüftknochen mit einem Glanzmittel ein. „Ich sorge dafür, dass sie sauber sind und glänzen, wenn sie in die Arena gehen“, sagt er auf Englisch. Er lebt von diesem Job: Das ganze Jahr über zieht er durch Europa und macht Tiere vor Show-Wettbewerben schön.

In die Arena geführt werden die Tiere meist von Betreuern, die nervösen Besitzer warten am Rand. Aufgeregt sind aber auch die Kühe, wenn das Licht ausgeht und sie zu Vangelis-Chören vom Band in einen Scheinwerferkegel geführt werden. Kandidatin 81 will sich nicht an die vorgezeichneten Wege halten und schiebt ihren Betreuer beiseite, auf Kandidatin 57 muss der Betreuer unentwegt einreden, um sie zu beruhigen, Kandidatin 49 erleichtert sich ausgerechnet mitten im Scheinwerfer-Spot auf den Sandboden der Halle. Das stört hier allerdings niemanden, nicht mal die Preisrichter, die in Anzügen und Krawatten zwischen den Kühen stehen.

Fotosession für die Kuh

Ist die Kuh durch den Wettbewerb durch, folgt der nächste Termin: In einer weiteren Halle hat ein Fotograf sein Studio aufgebaut. Eine Fototapete mit Hügellandschaft sorgt für den passenden Hintergrund. 115 Euro kostet die Aufnahme - und die Warteschlange ist lang. Die Bilder sind nicht nur Andenken, erklärt einer der Anwesenden, sondern auch Bewerbungsfotos für Käufer. Der wirtschaftliche Aspekt sei allerdings früher wichtiger gewesen, sagt Zingel. „Das spielt nicht mehr so eine Rolle.“

„Ja, das ist schon Stress für die Tiere“, räumt Maren Schwarze ein. Für ihre Kuh Heartbreak allerdings lohnte sich die Anstrengung: Bei den Färsen, den jungen Kühen, die erst einmal gekalbt haben, wird sie Klassensiegerin - dafür bekommen Schwarzes 1000 Euro. Und die Kuh? „Die kommt in den Stall, wird gefüttert und gemolken. Dann ist sie zufrieden“, sagt Schwarze und lacht: „Wir züchten doch keine Diva.“ Gesamtsiegerin in den Kuhwettbewerben wird Heartbreak aber nicht: Die schönste Kuh heißt wie im Vorjahr Lady Gaga.

Für Maren Schwarze ist die „Schau der Besten“ vor allem eine große Feier. „Es ist schön, mit den Kollegen zusammenzukommen.“ Dass nicht alle Landwirte die Krise überstehen werden, glaubt sie auch. Zur nächsten „Schau der Besten“ werden aber auch die wiederkommen, die aussteigen. Um die ehemaligen Kollegen wiederzusehen - und mit fachmännischem Blick die schönsten Kühe im Land zu begutachten.

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