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00:15 19.04.2016
Elizabeth II. wird ihren 90. Geburtstag vergleichsweise unspektakulär auf Schloss Windsor verbringen. Quelle: afp
London

Kaum ein Jahr ohne Feiern für die britische Königin: Nach ihrem diamantenen Thronjubiläum 2012 und dem Thronrekord im vergangenen Jahr begeht Elizabeth II. am nächsten Donnerstag ihren 90. Geburtstag. Kein anderer britischer Monarch vor ihr hat dieses Alter erreicht. Elizabeth II. wird ihren Ehrentag vergleichsweise unspektakulär auf Schloss Windsor verbringen. Am Vormittag eröffnet sie einen neuen königlichen Rundweg durch die Kleinstadt. Der Abend aber bleibt ihr und ihrer Familie vorbehalten. Die große Party folgt wie immer im Juni. Der königliche Immobilienfonds Royal Collection Trust kündigte bereits ein Geburtstagsgeschenk an: Er wird bis 2018 umgerechnet rund 46 Millionen Euro in die Restaurierung von Windsor Castle und dem schottischen Holyroodhouse investieren.

Schloss Windsor

Quelle: dpa

Zu Windsor pflegen die Queen und ihr Mann Prinz Philip seit Langem eine enge Bindung – nicht nur, weil Elizabeth’ Familie 1917 ihren Namen von Sachsen-Coburg und Gotha in den des Ortes ändern ließ. Beide verbringen zunehmend Zeit hier vor den Toren der hektischen Hauptstadt London. Dabei ist Windsor traditionell lediglich der Wochenendsitz des Königshauses. Elizabeth II. lernte das Schloss bereits in ihrer Kindheit ausgiebig kennen. Während des Zweiten Weltkrieges zog sie mit ihren Eltern und ihrer Schwester Margaret aus Sicherheitsgründen nach Windsor. 1992 zerstörte ein Großbrand zahlreiche Räume. Die enge Bindung des Königshauses zu Windsor unterstreicht ein alter Brauch: Wie am Londoner Buckingham Palace gibt es auch hier eine Palastwache, die regelmäßig den Wachwechsel zelebriert.

Mayfair

Geboren wurde Elizabeth am 21. April 1926 im Haus ihres Großvaters mütterlicherseits, in der Bruton Street 17 im Londoner Stadtteil Mayfair. Aufgewachsen ist sie etwa 500 Meter entfernt im Haus Nummer 145 der noblen Straße Piccadilly, nicht in einem der Paläste. Das hatte einen simplen Grund: Ihr Vater Prinz Albert war nicht der erste Thronfolger, entsprechend gering fiel das öffentliche Interesse an ihm aus. Erst als sein kinderloser Bruder Edward VIII. 1936 nach nur elf Monaten auf den Thron verzichtete, um die zweimal geschiedene Wallis Simpson heiraten zu können, zog Albert als König Georg VI. in den Buckingham Palace. Aus der kleinen Elizabeth wurde so über Nacht die Thronfolgerin des Vereinigten Königreichs. Beide Kindheitsgebäude der Königin gibt es heute nicht mehr, sie wurden im Krieg zerstört. Am Piccadilly 145 steht längst das Intercontinental-Hotel, in der Bruton Street ein Bürokomplex.

Buckingham Palace

Quelle: afp

Der Londoner Buckingham Palace ist durch zahlreiche öffentliche Auftritte einer der bekanntesten Orte der Windsors. Dabei ist der Palast einer der jüngsten im königlichen Immobilienportfolio. Erst mit der Thronbesteigung Queen Victorias 1837 wurde er offizieller Sitz des britischen Monarchen. König Georg III. erwarb Buckingham House, wie es zunächst hieß, 1761 eigentlich als private Residenz. Für Elizabeth II. ist der Palast vor allem Amtssitz. Hier finden Empfänge statt, hier verleiht sie Orden und hier trifft sie einmal wöchentlich mit dem Premierminister zusammen. Und ausgerechnet hier gelang einem Briten ein Einbruch. Der arbeitslose Michael Fagan konnte am 9. Juli 1982 wegen einer Reihe von Sicherheitspannen über eine Regenrinne bis in das Schlafzimmer der Königin vordringen. Dort sprach er rund zehn Minuten mit ihr, bis ein Zimmermädchen die Polizei rief. Fagan wurde zwar angeklagt, aber nicht verurteilt.

Sandringham House

Quelle: afp

Das Privatanwesen von Elizabeth II. befindet sich in der Grafschaft Norfolk, etwa 180 Kilometer nordöstlich von London. Es ist so etwas wie das Rückzugsgebiet der Familie. Hier verbringt sie Weihnachten und den Jahreswechsel, hierhin zieht es Elizabeth in jedem Jahr zum Todestag ihres Vaters, dem 6. Februar. Georg VI. wurde nicht nur in Sandringham geboren; er starb auch hier. Zusammen mit Schloss Balmoral ist Sandringham königlicher Privatbesitz, während die anderen Schlösser offiziell dem Crown Estate gehören. Prinzessin Diana wurde in Park House geboren, unweit von Sandringham.

Balmoral Castle

Quelle: dpa

Der Sommersitz der Königin wurde vor allem 1997 bekannt: Als nach dem Unfalltod Dianas eine ganze Nation trauerte und das Eingangstor von Buckingham Palace in ein Blumenmeer verwandelte, verweilte die Königin beharrlich schweigend in Balmoral. Erst der Druck der Regierung soll sie zu einer Fernsehansprache und zur vorzeitigen Rückkehr nach London bewogen haben. Ein Zögern, das ihr lange nachgetragen wurde. In jedem Jahr verbringt die königliche Familie den Sommer hier in den schottischen Highlands westlich von Aberdeen. Queen Victoria erwarb das Anwesen und ließ es kontinuierlich zum heutigen Schloss ausbauen.

Holyrood Palace

Der offizielle Sitz der Königin in Schottland ist zugleich ihr am wenigsten genutzter. Lediglich eine Woche im Jahr verbringt sie am Ende der Royal Mile in der schottischen Hauptstadt Edinburgh. Während dieser Zeit stehen eine Vielzahl offizieller Empfänge und Veranstaltungen an. 2010 empfing die Queen Papst Benedikt in Holyrood – aus einem diplomatischen Grund: In Schottland ist die Queen anders als in England nicht gleichzeitig Oberhaupt der anglikanischen Kirche. Der Vatikan erkennt die kirchliche Position des britischen Monarchen bis heute nicht offiziell an. Auch in Nordirland hat die Queen einen Sitz, den sie jedoch nur selten besucht: Hillsborough Castle, wo 1985 das anglo-irische Abkommen unterzeichnet wurde – ein erster Versuch, Frieden in der Unruheprovinz zu erreichen.

Von Michael Pohl

Ein Cheers auf die Monarchin

Ein Gottesdienst in der St.-Pauls-Kathedrale in London läutet am 10. Juni die offiziellen Feierlichkeiten zum Geburtstag der Queen ein. Am 11. Juni folgt die Geburtstagsparade „Trooping the Colour“, ebenfalls in London.

Eine Reihe von Straßenpartys soll am 12. Juni alle Briten in die Feierlichkeiten einbeziehen. Die größte wird in London stattfinden: Zum „Patron’s Lunch“ in der Mall, der Verbindung von Buckingham Palace und Trafalgar Square, werden 10 000 Tickets versteigert.

Viele weitere Aktionen folgen, etwa Veranstaltungen auf der früheren königlichen Jacht „Royal Britannia“ in Edinburgh, die Chelsea Flower Show in London und das Pferderennen in Windsor. Am wichtigsten aber dürfte für viele Briten sein: Die Regierung hat für den 10. und 11. Juni die Pub-Öffnungszeiten verlängert: Kneipen schließen dann statt um 23 Uhr erst um 1 Uhr.

mp

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