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Panorama Wurde "Kurti" als Jungtier angefüttert?
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00:15 01.05.2016
Wolf Kurti auf einem Feld: Wölfe in Niedersachsen stellen Landwirte, Umweltschützer und die Landesregierung vor große Herausforderungen. Quelle: Knorr
Hannover

Stefan Wenzel wägt seine Worte vorsichtig ab. „Es war keine leichte Entscheidung“, sagt der niedersächsische Umweltminister. Der Artenschutz sei streng, „aber wir müssen eine Gefahr für die Sicherheit der Menschen ausschließen“. Am Mittwochabend erteilte der Grünen-Politiker nach langen Beratungen die Anweisung, Problemwolf MT6, auch Kurti genannt, zur Strecke zu bringen. Um kurz nach 20 Uhr, irgendwo bei Bad Fallingbostel, wurde Kurti dann mit einem einzelnen Schuss aus einer Polizeiwaffe getötet. Es war der erste staatlich angeordnete Abschuss eines Wolfes in Deutschland seitdem die Tiere wieder eingewandert sind.

Die Tötung des Tieres sorgte am Donnerstag bundesweit für Aufsehen, vor allem in den sozialen Netzwerken. Auf Twitter war #Kurti den ganzen Tag über ein Trend, weil viele Menschen unter diesem Schlagwort Beiträge schrieben. Fast alle verurteilten den Abschuss. „Das wirkliche Problemtier auf dieser Erde ist der Mensch!!!“, meint etwa @lni67.     

„Über diese Maßnahme kann sich niemand freuen“, sagte Wenzel, warb aber für Verständnis: „Ich habe immer gesagt, dass die Sicherheit des Menschen im Mittelpunkt steht.“ Und man habe im Sinne des Artenschutzes zunächst alle milderen Maßnahmen ausprobiert.

Tatsächlich ist MT6 schon vor über einem Jahr das erste Mal aufgefallen. Um seine Bewegungen besser überwachen zu können, bekam er im Sommer 2015 ein Sendehalsband. Im März 2016 wurde sogar ein Experte aus Schweden eingeflogen, der dem Wolf wieder Respekt einflößen sollte. Das schien zunächst auch erfolgreich zu sein, sagte Wenzel, doch zuletzt häuften sich wieder die Meldungen von direkten Begegnungen des Wolfes mit Menschen – bis MT6 am vergangenen Wochenende sogar einen Hund angriff. Danach fiel die Entscheidung, den Wolf einzufangen oder zu töten. Weil eine Betäubung nicht möglich war und sich auch kein Gehege fand, das den Wolf aufnehmen wollte, entschieden Umweltministerium und Wolfsexperten schließlich, das Tier zu töten.

„Aus unserer Sicht war die Entscheidung des Umweltministeriums richtig“, sagte Florian Rölfing, Sprecher der Landesjägerschaft. Es wäre Tierquälerei gewesen, den Wolf einzusperren. Die Naturschutzverbände Nabu, IFAW und WWF nannten die Tötung des Wolfes aus dem gleichen Grund „nachvollziehbar“. Die Umweltverbände kritisieren allerdings, dass nicht geklärt werden konnte, wodurch das auffällige Verhalten von MT6 ausgelöst wurde.

Tatsächlich ist MT6 nicht der einzige Problemwolf in seinem Rudel. Bereits vor einem Jahr erregte in Norddeutschland und den Niederlanden der sogenannte Wanderwolf Aufmerksamkeit, weil er sich immer wieder Menschen näherte und durch Siedlungen stromerte. Ein weiterer Munsteraner Wolf zog bis nach Schleswig-Holstein, wo er in eine Schafherde einbrach und keine Scheu vor dem Schäfer zeigte. Das Bemerkenswerte: MT6, der Wanderwolf und der schleswig-holsteinische Wolf sind Geschwister – sie stammen aus demselben Wurf.

Wenzel vermutet, dass MT6 in seiner Jugend angefüttert und so an den Menschen gewöhnt wurde. Sein Appell: Keinen Müll und Essensreste im Wald liegen lassen, das sei die beste Maßnahme, um weitere Problemwölfe zu vermeiden. „Ich hoffe, dass das ein Einzelfall bleibt. Ausschließen kann ich es aber nicht“, so Wenzel.     

Kommentar: Wenzels Eiertanz

Lange hat sich das Umweltministerium schwergetan im Umgang mit dem Problemwolf MT6: Sorgen wurden kleingeredet, Handeln immer wider vertagt. Am Ende hatte das Tier sogar schon einen niedlichen Namen. Bei nicht wenigen Kritikern machte sich der Eindruck breit, dass sich das grün gelenkte Ministerium vor allem bemühte, den Wolf gegen die bösen Vorwürfe der Menschen zu verteidigen, anstatt ihn endlich als Problem anzuerkennen.

Diese Kritik am grünen Minister dürfte nach seinem Schussbefehl vom Mittwoch zwar leiser werden, aber das Ministerium sollte für die nächsten Problemfälle seine Lehren daraus ziehen: Einen (Eier-)Tanz mit dem Wolf braucht es kein zweites Mal. Problemwölfe werden immer eine kleine Minderheit sein – aber hier muss das Land handeln. Und notfalls schießen.     

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