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Panorama Polizeiaufgebot muss Rocker und Kurden trennen
Mehr Welt Panorama Polizeiaufgebot muss Rocker und Kurden trennen
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00:17 12.02.2015
Von Karl Doeleke
Waffen wurden beschlagnahmt, nachdem die verfeindeten Lager selbst im Krankenhaus noch aufeinander losgegangen waren. Am Tag nach der Massenschlägerei ist die Polizei noch deutlich präsent im Stadtbild. Quelle: Archivbild
Walsorde

Die vielen Streifenwagen fallen im kleinen Heidestädtchen sofort auf. Am Bahnhof von Walsrode ist am Dienstagvormittag ein Transporter der Bereitschaftspolizei aus Oldenburg postiert, der da sonst nicht steht. Die Beamten haben das Fitnessstudio am Bahnhof im Auge, dessen Geschäftsführer Wolfgang Heer ist, einer der führenden Hells Angels in Niedersachsen. Wollen die Beamten das Sportzentrum Walsrode vor kurdischen Angreifern schützen? Oder wollen sie die Hells Angels im Auge behalten, um weitere Attacken der Rocker auf die Kurden zu unterbinden?

Wahrscheinlich beides. Die Polizei ist an diesem Dienstag in Alarmbereitschaft. Eine Gruppe Kurden und Rocker liegen im Streit. Seit der Nacht zu Sonntag hat es in Walsrode mehrere gewalttätige Auseinandersetzungen beider Lager gegeben, Waffen wurden beschlagnahmt. Ein Schuss aus einer Gaspistole, am Montagabend angeblich abgefeuert aus einem fahrenden Auto, hatte zuvor einen Kurden im Gesicht verletzt. 150 Polizeibeamte aus dem Heidekreis, aus Hannover, Rotenburg und Verden mussten zusammengerufen werden, um die aufgewiegelten Truppen zu trennen.

Die Polizei hat die Präsenz in der Stadt erheblich verschärft, Bewohner werden an Checkpoints kontrolliert. „Wir sind da gut aufgestellt“, sagt ein Polizeisprecher. Die Alarmstimmung gilt bis auf Weiteres. Walsrodes parteilose Bürgermeisterin Helma Spöring begrüßt das konsequente Auftreten der Beamten. „Wir müssen zeigen, wer der Herr im Hause ist“, sagt sie. „Das muss verfolgt werden – im Interesse der Bürger.“
Immer wieder fahren am Dienstag Streifenwagen durch die Straßen. Auch am Wiener Platz steht eines der blau-silbernen Fahrzeuge. Dort waren am Abend zuvor im Schein des Blaulichts Straßen gesperrt und Autos kontrolliert wurden, um aufgebrachte Kurden im Zaum zu halten. „Um 18 Uhr etwa ging das los. Die Polizei war die ganze Nacht da“, erzählt ein Nachbar. Die Beamten behalten auch am Dienstag den kurdischen Kulturverein am Platz im Blick.

In dieser Disko im Gewerbegebiet von Walsrode gerieten die Hells Angels und die Kurden das erste mal aneinander. Quelle: Doeleke

Wieder einmal ist Walsrode in den Schlagzeilen. Es wurde einmal „Kleinstadt der Engel“ genannt, weil die Hells Angels um Wolfgang Heer eine so große Rolle gespielt haben im öffentlichen Leben der Stadt. Das schien endgültig vorüber mit der Auflösung des Charters im vergangenen Jahr. Doch jetzt hat eine blutige Schlägerei in einer Disco im Industriegebiet den Fokus erneut auf die Heidestadt gerückt.

Eine Gruppe Kurden war am Sonntagmorgen gegen 4 Uhr mit Mitgliedern der Hells Angels aneinandergeraten, die in der Disco einen Geburtstag feierten. Barhocker flogen durch die Luft, ein Zeuge spricht von Blut und Glasscherben auf dem Boden. Etwa 50 Menschen sollen nach Polizeiangaben am Ende aufeinander eingedroschen haben. 15 Menschen mussten im Krankenhaus versorgt werden. Im Heidekreis-Klinikum und vor dem Krankenhaus ging der Streit weiter. Das umsichtige Verhalten der Mitarbeiter habe Schlimmeres verhindert, sagt Geschäftsführer Christof Kugler. Die Polizei sei schnell zur Stelle gewesen. Die Beamten mussten in der Notaufnahme Reizgas einsetzen, um die Kontrahenten voneinander zu trennen.
Angeblich war auf Seiten der Rocker jemand aus dem unmittelbaren Umfeld des einflussreichen Hells Angels Wolfgang Heer beteiligt. Mit den Hells Angels an sich habe der Streit aber nichts zu tun, sagt Heer am Dienstag. „Das war ein Streit unter jungen Männern, und der ist jetzt beendet“, verfügt der Altrocker.

Eine normale Disco-Schlägerei, die am Montagabend weiter eskaliert ist, weil auf beiden Seiten Hitzköpfe beteiligt waren? Oder geht es doch um Revierkämpfe, einen Streit im kriminellen Milieu, um kulturelle Konflikte? Nach vorläufiger Einschätzung der Polizei hat Heer recht. „Bisher deutet nichts auf Gebietsstreitigkeiten oder Ähnliches hin“, sagt ein Sprecher der Polizei im Heidekreis. Der Anlass für die Auseinandersetzung sei „ganz profan“ gewesen. Die Sonderermittlungsgruppe der Polizei wurde darum auch schon von „Ehre“ in „Bergstraße“ umbenannt. In der Bergstraße war der Streit beider Gruppen am Montag in die zweite Runde gegangen. Heer ist 69 Jahre alt, gilt als der Rockerkönig von Walsrode und hat ein Sportzentrum am Bahnhof.

 

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