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Panorama London ist gerüstet für die Hochzeit des Jahrzehnts
Mehr Welt Panorama London ist gerüstet für die Hochzeit des Jahrzehnts
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23:30 28.04.2011
Von Christiane Eickmann
Royalisten campieren schon seit Tagen in London. Quelle: dpa

Eine kühles Lüftchen streicht durch Parliament Square. Für Freitag hat das Wetteramt Bewölkung über London vorausgesagt. Die Royalisten, die sich mit ihren Klappstühlen und Schlafsäcken an Westminister Abbey niederzulassen zu beginnen, mustern besorgt den Himmel über der Themse. Prinz William, Catherine Middleton und sich selbst hätten sie schon etwas Besseres gewünscht für den heutigen große Tag. Bei Hofe nimmt man die Aussicht auf Niederschlag aber erst einmal gelassen. Ein Sprecher des Königshauses findet, Regen werde das Ereignis einfach „noch eine Spur britischer“ machen, als es das schon sei.

Derweil werden letzte Vorbereitungen getroffen. Westminster Abbey ist seit Mittwochnachmittag für gewöhnliche Sterbliche geschlossen. An ihrer dicht verkabelten Umfriedung werden letzte Podeste gezimmert, Kamerapositionen bereit gestellt. Zwei Milliarden Menschen wollen angeblich weltweit das Schauspiel verfolgen. Ein paar Dutzend, die langjährigen Demonstranten vom „Friedenscamp“ am Parliament Square, haben sich durch ihre Hartnäckigkeit einen Platz in der vordersten Reihe gesichert. „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, kann man auf ihren Plakaten lesen. Gemeint sind nicht Kate und William, sondern die kriegführenden Regierungen dieser Welt.

Eigentlich hatte Tory-Bürgermeister Boris Johnson die Mahner ja samt ihren Anti-Kriegspostern und ihren Zelten und Tüten für den Hochzeitstag vom Platz verbannen wollen. Aber das ist ihm nicht gelungen. Westminsters „Schmuddelkinder“ sind noch immer da. Für Freitag haben einige von ihnen angekündigt, dass sie zu Ehren des Brautpaars ihre Protestschilder für 24 Stunden durch Hochzeitgratulationen ersetzen wollen. Ein riesiges Herz – „William liebt Kate“ – ist zum Beweis für guten Willen vor ein paar Tagen schon vorgeführt worden.

Am andern Ende der Route, vorm Buckingham Palace, sieht es aus wie in Wimbledon während der Tennistage. Eine dreistöckige, grün-weiss umschlossene Tribüne ist erstellt worden, um den Medien einen guten Blick aufs Schloss zu verschaffen. Krach hat es freilich schon um die Beleuchtung des Palasts in der Nacht zu Sonnabend gegeben. Die US-Fernsehanstalten können nicht glauben, dass die auf den Palast gerichteten Scheinwerfer um halb eins nachts abgeschaltet werden sollen. Um diese Zeit beginnen jenseits des Atlantik erst die Abendprogramme. Bei den Royals dagegen will man dann endlich Ruhe haben. „Im Palast leben Bedienstete, die schlafen wollen“, meint ein Palastsprecher.

Bereits am Donnerstagvormittag sind unterdessen die ersten der insgesamt 1900 geladenen Gäste in London eingetroffen, unter ihnen der König von Tonga und der Sultan von Brunei. Ausgeladen wurde der syrischen Botschafter in London. Zuvor war seine Teilnahme wegen der Gewalt der Regierung in Damaskus gegen Demonstranten in die Kritik geraten. Der britische Außenminister William Hague teilte am Donnerstag mit, dass Sami Khiyami in Abstimmung mit dem Buckingham Palast nicht bei der Zeremonie dabei sein solle.

Die eigentliche Party aber scheint ohnehin abseits der offiziellen Gästeliste – und auch außerhalb teurer Hotels – stattzufinden: Das Londoner Fremdenverkehrsamt wies gestern darauf hin, dass es noch Hotelzimmer in allen Kategorien gebe, obwohl man mit 600 000 Besuchern rechne. Offenbar ist das wilde Campen vor der Westminster Abbey das einzige wahre Abenteuer. Einige Fans vor der Kirche erklärten, sie hätten zwar ein Hotelzimmer gebucht, sich aber dann doch für die Frischluftvariante mit Zelt und Schlafsack entschieden. Unter ihnen sind Touristen aus aller Welt.

„Mister Bobby, können Sie uns bitte mit diesem Handy aufnehmen“, fragen freundliche kleine Japanerinnen zwei wachhabende Uniformierte an den Absperrgittern. Im Liegestuhl-Areal des Green Park klären deutsche und amerikanische Familien ihre Jüngsten über die Modalitäten der Monarchie auf.

An der Pall Mall, Londons Boulevard zum Buckingham Palace, wehen riesige Union Jacks blau-weiss-rot feierlich im Wind. Hier, entlang der Festzugsstrecke, wollen Imbisstuben in aller Frühe schon Schinken und Eier anbieten. Westminsters Pubs haben die dreifache Menge Bier eingelagert und werden ihre Türen 24 Stunden lang offen halten. Eine Eiscremeverkäuferin erinnert sich an geschäftige Tage nach dem Tod der Prinzessin Diana im Herbst 1997. Damals, meint Rose Dervis, habe sie „drei Tage und drei Nächte ununterbrochen“ Eis verkauft. Diesmal hofft sie zumindest 360 Liter loszuwerden.

Terroranschlag in Marokko: Bei dem Attentat in der marokkanischen Stadt Marrakesch kamen mindestens 14 Menschen ums Leben, etwa 20 wurden verletzt. Unter den Opfern sind Medienberichten zufolge auch ausländische Touristen.

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Eine königliche Hochzeit ist keine Fußball-WM: Öffentliches Prinzen-Gucken oder Brautkleid-Lästern gibt es daher in Deutschland längst nicht überall. Trotzdem: Wer sich nicht zu Hause vor dem Fernseher selbst zuprosten will, kann am Freitag die Gesellschaft anderer Monarchisten oder Hochzeitsfans suchen. Eine kleine Auswahl.

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Die Folgen der Atomkatastrophe von Fukushima werden nun auch bei Lebensmitteln in Japan deutlich messbar. Proben ergaben das Fisch und Spinat fünf- bis sechsmal höher mit Cäsium belastet seien, als es gesetzlich erlaubt ist.

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