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Panorama „Han Solo ist der Alte – nur noch besser“
Mehr Welt Panorama „Han Solo ist der Alte – nur noch besser“
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08:03 08.12.2015
Was wünscht sich Harrison Ford zu Weihnachten? "Zeit, um mehr zu reisen", sagt der Hollywoodstar im Interview. Quelle: EPA/PAUL BUCK
Los Angeles

Er wirkt geistesabwesend, fast ein bisschen mürrisch. Aber davon darf man sich bei Harrison Ford nicht täuschen lassen. Der Mann hat Humor. Als wir uns zum Interview treffen, werden Details zu "Star Wars – Das Erwachen der Macht" kurz vor der Premiere wie ein Staatsgeheimnis gehütet. "Hi Harrison, ich habe den Film noch nicht gesehen", sage ich. Er lächelt leise. "Soll ich Ihnen meinen Part vorspielen?", fragt er.

Mr. Ford, mal im Ernst. Warum haben Sie sich entschieden, nach 32 Jahren noch mal die Rolle von Han Solo zu übernehmen? Geld brauchen Sie ja nicht.
Das sagen Sie. Ich sehe das anders. Ich habe es aus dem einzigen Grund getan, warum ich Rollen annehme: Weil ich sie wollte. Ich fand das Drehbuch gut, die Figuren sind bestens ausgearbeitet und ich verstehe mich sehr gut mit dem Regisseur.

Und Sie haben sofort zugesagt?
Klar. Ich war arbeitslos und hatte nichts im Terminkalender. Warum hätte ich zögern sollen?

Weil Sie von George Lucas einst gefordert haben, dass er Han Solo um die Ecke bringt!
Dieses Statement habe ich vor einem Vierteljahrhundert gemacht. Ich fand einfach, dass es glaubwürdiger gewesen wäre, wenn Han Solo nicht überlebt hätte. Ich wollte mich opfern. Als großer Ansporn für die Jedi-Ritter, gegen das Imperium ins Feld zu ziehen.

Was ist mit dem Kostüm von damals – haben Sie es aufgehoben?
Ja. Es hängt ganz hinten im Schrank. Als ich es rausgeholt habe, dachte ich: "Wow, das sieht ja richtig gut aus."

Wie hat es sich angefühlt, zurück an einem "Star Wars"-Set zu sein?
Ich war so glücklich, als ich ankam und meinen Namen an der Garderobentür sah. Es war einfach toll, wieder mit Carrie (Fisher) und Mark (Hamill) vereint zu sein. Ich hatte die Möglichkeit eingeplant, dass sich das ganze Projekt als blödsinnig entpuppt. Doch das hat es nicht. Es hat unheimlich Spaß gemacht.

Hat sich Han Solo verändert, oder ist er noch derselbe zynische Träumer wie in jungen Jahren?
Er hat dieselben Charakterzüge wie früher, aber es sind im Laufe der Jahre noch ein paar andere dazugekommen. Er ist mit der Erfahrung im Leben reifer geworden. So wie ich auch. Han Solo ist der Alte – nur noch besser im Alter.

Fühlen Sie den Erfolgsdruck, der mit einem so großen Film verbunden ist.
Druck? Ach ja  ... (gähnt).

Ist Ihr Sohn Liam eigentlich ein "Star Wars"-Fan?
Nein, nicht wirklich. Er ist 14, steht aber mehr auf Detektivfilme wie Hercule Poirot oder Sherlock Holmes. Science-Fiction ist nicht sein Ding. Ich werde ihn und meine älteren Kinder aber trotzdem mit zur Premiere nehmen, weil es ein echt guter Film ist, den sie genießen werden.

Weihnachten steht vor der Tür …
... erinnern Sie mich nicht daran. Ich habe durch die PR-Tournee für "Star Wars" noch keine Zeit gehabt, Geschenke zu kaufen.

Wie wird im Hause Flockhart-Ford Weihnachten gefeiert?
Mit einem großen Familienfest. Alle Kids kommen mit ihren Familien. Es ist eine wundervolle Zeit, weil wir alle zusammen sind.

Was wünschen Sie sich eigentlich?
Eine große Kiste mit Extrazeit im Leben.

Wofür?
Zeit, um mehr zu reisen. Gleichzeitig würde ich gerne mehr Zeit zu Hause verbringen und auf meiner Ranch in Wyoming. Und dann möchte ich noch öfter Flugzeuge fliegen. Vor allem solche, die ich bislang noch nicht geflogen bin.

Sie fliegen also nach Ihrem schweren Unfall immer noch?
Was heißt fliegen, ich bevorzuge Abstürze (lacht). Natürlich fliege ich immer noch. Ich bin vielleicht dumm, aber der Absturz hat nichts an meiner Leidenschaft geändert. Ich habe mich nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sofort wieder in meinen Hubschrauber gesetzt. Ich hatte sogar noch mein rechtes Bein in Gips, aber die Zehen guckten heraus. So konnte ich die Pedale bedienen.

In "Star Wars" kämpfen Sie um fremde Planeten in weit entfernten Solarsystemen. Privat setzten Sie sich für unsere Erde und den Schutz der Umwelt ein. Wer ist der größte Bösewicht, der das Überleben unseres Planeten bedroht?
Wir alle sind schuldig. Es liegt an uns allen, das zu schützen, was die Natur uns zum Nulltarif liefert: frische Luft, sauberes Wasser, Wälder und Wiesen, Fische im Meer, Tiere. Viele verstehen einfach nicht den Wert der Natur, die uns auf der Erde überleben lässt. Daher müssen wir uns endlich zusammentun und im Kampf gegen den Klimawandel an einem Strang ziehen.

Wie schlimm steht es um unsere Welt?
Wenn ich morgens die Zeitung aufschlage und über die Gewalt und Ungerechtigkeiten lese, dann habe ich echt Angst. Wir müssen es einfach schaffen, die richtigen Politiker zu finden, die uns vereinen und uns nicht weiter mit perfiden Populismus entzweien. Mit Ideologie kann man keine Probleme lösen, wir brauchen Pragmatismus.

Mit Indiana Jones und Han Solo haben Sie gleich zwei der berühmtesten Helden der Filmgeschichte gespielt. Was haben die beiden gemeinsam?
Sie sehen beide sehr gut aus (grinst). Sie haben beide einen rebellischen Zug, sind zynisch, neigen zur Ironie und passen nicht in die Norm. Sehr sympathisch.

Da wir schon bei Selbstbetrachtung sind. Sie kommen immer so gelassen daher. Werden Sie eigentlich nie wütend?
Nie.

Wirklich nie?
So gut wie nie. Es bringt doch nichts.

Interview: Dierk Sindermann

Zur Person

Die Rolle des draufgängerischen Weltraumpiloten Han Solo hat Harrison Ford quasi über Nacht berühmt gemacht. 1977 nahm durch "Krieg der Sterne" die Schauspielerkarriere des 1942 in Chicago geborenen Ford endlich Fahrt auf. 1981 folgte seine zweite Paraderolle: In "Jäger des verlorenen Schatzes" spielte er erstmals den Archäologen Indiana Jones und schaffte es damit endgültig in die erste Liga in Hollywood.

Bis heute gilt Ford als kommerziell erfolgreichster Schauspieler, den die Traumfabrik je hervorgebracht hat. Privat gestaltet sich sein Leben eher wechselhaft. Der fünffache Vater ist in dritter Ehe mit Kollegin Calista Flockhart verheiratet. Selbst sie schafft es nicht, den 73-Jährigen von seinem Hobby, dem Fliegen, abzuhalten – obwohl er im März seine Cessna notlanden musste und dabei ernsthaft verletzt wurde, setzt er sich immer wieder ins Cockpit.

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