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Panorama "Papa, kommen bald die Einbrecher wieder?"
Mehr Welt Panorama "Papa, kommen bald die Einbrecher wieder?"
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00:16 19.05.2017
Von Gabriele Schulte
„Jeder hat das im Nacken“: Gelangt ein angebliches Video aus einem Stall ins Netz, belastet das oft die gesamte Familie.   Quelle: Friso Gentsch/dpa
Hannover

Niedersachsens Landwirte rüsten ihre Höfe zunehmend mit Alarmanlagen, Überwachungskameras und anderer Sicherheitstechnik aus. Denn viele, die nicht zuletzt zu Werbezwecken gern das Prinzip des „offenen Hofes“ pflegen würden, fürchten nächtliche Übergriffe von Tierrechtsaktivisten - „ein Dilemma, in dem die Tierhalter stecken“, heißt es beim Landvolkverband.

Es trifft gerade die Engagierten

Einem Schweinehalter westlich von Osnabrück erging es so: Ein großes Fenster gewährt Passanten Einblick in seinen Maststall. Doch einer Gruppe vegan lebender Aktivisten reichte das nicht. Sie schlichen sich nachts auf den Hof, filmten vermeintliche Tierrechtsverstöße und stellten - nach Ansicht des Bauern manipulierte - düstere Videos ins Internet. Vor allem bei Frau und Kindern, sagt der 38-Jährige, habe die Aktion von 2015 tiefe Spuren hinterlassen: „Erst vor Kurzem hat meine fünf Jahre alte Tochter mit Tränen in den Augen gefragt: Papa, kommen bald die Einbrecher wieder?“

Hilfe für Betroffene

Torsten Staack in Damme (Kreis Vechta) berät Familien, denen Ähnliches widerfahren ist. Es seien gerade die besonders Engagierten, sagt der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter - junge Landwirte, die sich das Tierwohl auf die Fahnen geschrieben hätten, an Sonderprogrammen teilnehmen und engmaschig kontrolliert würden. „Die trifft es sehr hart, wenn Videos, die aus ihren Ställen stammen sollen, aus dem Internet nicht mehr wegzukriegen sind“, berichtet Staack. Nachdem sie von der „selbst ernannten Tierschutzpolizei“ derart eingeschüchtert wurden, trauten sie sich nicht, öffentlich erkennbar davon zu erzählen, sagt er. Stattdessen investierten immer mehr Landwirte in teure Überwachungskameras oder „stille Alarmanlagen“ - Stallschlösser, die Einbruchsversuche direkt ans Smartphone melden. Einzelne Betroffene nähmen zudem therapeutische Hilfe in Anspruch.

Drohungen im Internet

Auch eine Landwirtin, die östlich von Osnabrück Schweine hält, möchte ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Sie hatte in einem NDR-Fernsehbeitrag und in eigenen Stallvideos im Internet gezeigt, wie viel Platz und Stroh sie den Ferkeln gewährt. Prompt hätten Tierrechtler im Netz mit Drohungen reagiert, sagte die junge Frau am Dienstag der HAZ: „Man müsse mal nachsehen, ob wirklich alles so schön ist.“ Die Angst betreffe alle Berufskollegen, meint sie: „Jeder hat das mittlerweile im Nacken.“

Auf der anderen Seite schätzen die meisten Verbraucher die Videos, die manchmal auch auf echte Missstände in Ställen hinweisen. Das hat gerade eine Pilot-Umfrage der Uni Göttingen ergeben. „Es gibt den großen Wunsch zu wissen, wie es in den Ställen aussieht“, sagt Professor Achim Spiller vom Institut für Agrarökonomie, der für Freitag eine Diskussion zu dem Thema organisiert hat. Niemand könne sich wünschen, dass sich Niedersachsens Höfe demnächst mit Zäunen, Wachleuten und Wachhunden abschotten müssen.

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