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Panorama „Gülle-Euro“ soll Fleisch verteuern
Mehr Welt Panorama „Gülle-Euro“ soll Fleisch verteuern
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09:00 10.02.2016
Weniger Fleisch zu essen nützt auch dem Klimaschutz. Quelle: dpa
Hannover

Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) hat am Dienstag Forderungen von Umweltschützern begrüßt, Verbraucher sollten ihren Fleischkonsum um die Hälfte reduzieren. Weniger Fleisch zu essen nütze dem Klimaschutz und der Gesundheit, sagte Tanja Dräger de Teran von der Umweltschutzorganisation WWF. Sie forderte die Bundesregierung auf, sich des Themas anzunehmen: „Um die Produktion von Billigfleisch zu reduzieren, sollte die Regierung eine Abgabe für Landwirte auf Stickstoffüberschüsse prüfen, einen sogenannten Gülle-Euro.“

„Die Überdüngung der Felder belastet unsere Böden, das Wasser und das Klima“, sagte Landwirtschaftsminister Christian Meyer der HAZ. „Gerade auch in Anbetracht der Nitratbelastung des Grundwassers muss die Düngermenge maßgeblich reduziert werden.“ Unstrittig sei auch, dass konventionell erzeugtes Fleisch in Deutschland zu billig sei – „sowohl was die Erlöse für die Erzeuger angeht als auch die Verbraucherpreise“.

Zu viel Gülle auf den Feldern führt auch aus WWF-Sicht zur Übersättigung der Böden mit Nährstoffen und verschlechtert die Wasserqualität. In Niedersachsen produzieren die Landwirte nach Angaben des Agrarministeriums etwa 60 Millionen Tonnen Gülle, Mist und Gärreste aus Biogasanlagen im Jahr. Damit erzeugen Niedersachsens Betriebe mehr natürlichen Dünger, als sie auf ihrem eigenen Land aufbringen dürfen. Das ist vor allem im Westen des Landes ein Problem, wo intensive Tierhaltung betrieben wird. Mehr als die Hälfte der Grundwasseraufkommen in Niedersachsen weisen Nitratwerte auf, die oberhalb der EU-Empfehlung liegen.

Der WWF macht den hohen Fleischkonsum der Deutschen dafür verantwortlich. In Deutschland übersteige der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch mit 88,3  Kilogramm jährlich den weltweiten Durchschnittsverzehr um das Doppelte – und den Indiens sogar um das 20-fache. Die Viehhaltung sei global für mehr Treibhausgase verantwortlich als alle Autos, Lkw und Flugzeuge zusammen.

Niedersachsens Bauern lehnen den „Gülle-Euro“ ab. „Er ist wirkungslos und darum eine unnötige Abgabe“, sagte Landvolk-Präsident Werner Hilse der HAZ. „Was der Verbraucher will, kann ihm nicht die Landwirtschaft vorschreiben und auch nicht die Politik.“ Hilse hält auch den Vergleich zwischen Landwirtschaft und Verkehr für unsinnig: „Auf Autos und Flugzeuge kann der Mensch verzichten, auf Essen und Trinken nicht.“ Außerdem: „Ein Drittel der Rinder in Niedersachsen wird auf natürlichem Grünland gehalten, das es sonst nicht gäbe.“

Meyer sagte hingegen, zusätzliche marktwirtschaftliche Anreize – zum Beispiel durch eine Verteuerung des Düngers – seien vom Grundsatz her sinnvoll. In den Niederlanden etwa müssten Tierhalter Abnehmern ihrer überschüssigen Gülle eine Abgabe zahlen.

Auch in Niedersachsen gebe es bereits eine „Gülle-Gebühr“: Sie beträgt derzeit 4 Cent pro Tonne, die ein Landwirt nicht auf eigene Felder aufträgt.

Von Karl Doeleke und Torsten Holtz

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