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Panorama Schaffermahlzeit öffnet sich für Frauen
Mehr Welt Panorama Schaffermahlzeit öffnet sich für Frauen
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00:20 15.02.2015
Von Michael B. Berger
Mann trägt Schwarz: Bei der Schaffermahlzeit kommen die Gäste im Festsaal des Bremer Rathauses zusammen, der Erlös wird an eine Stiftung gespendet. Quelle: dpa (Archiv)
Bremen

Nun gut. Angela Merkel war da. Ihr Auftritt vor acht Jahren galt als Kultursprung. An einer Kanzlerin komme auch die Bremer Kaufmannschaft nicht vorbei. Und bei den Ehrengästen, so hieß es damals bei den Organisatoren der Schaffermahlzeit, könne man eine Ausnahme machen. Denn sonst blieb das „älteste Brudermahl der Welt“ frauenfrei. Da mochte der rot-grüne Bremer Senat noch so scharf protestieren. Nur Kapitäninnen waren zugelassen. Heute wird die letzte Männerbastion des Nordens geschleift. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und fünf weitere weibliche Teilnehmerinnen
werden den 300 Herren im Frack oder in Kapitänsuniform bei der Schaffermahlzeit zuprosten: „Backbord, Steuerbord, Mittschiffs.“

Den endgültigen Ruck hat auch die Tatsache befördert, dass sich die drei „Schaffer“ Tim Nesemann, Joachim Jürgens und Klaus Meier einig waren: Auch Frauen müssen dazugehören. Die drei Kaufleute finanzieren dieses Jahr die Mahlzeit, deren Spendenergebnis an das „Haus Seefahrt“ fließt, ein Sozialwerk für Seemannswitwen. Die altehrwürdige, im Jahr 1545 gegründete Stiftung „Haus Seefahrt“ bestimmt auch die Regeln. „In der Satzung stand gar nicht, dass nur Männer zugelassen sind, das hat sich über die Jahrzehnte so entwickelt“, sagt Schaffer Meier, im bürgerlichen Leben Entwickler von Windparks. Doch einfach nach dem Winde drehen wollten sich die Bremer Kaufleute und Kapitäne auch nicht, als alle Welt forderte, auch Frauen auf die Gästeliste zu setzen.

Die Bremer Schaffermahlzeit

Bei der traditionsreichen Bremer Schaffermahlzeit essen rund 300 Teilnehmer nach einem exakt festgelegten Zeitplan fünf Stunden lang traditionelle Seefahrtsspeisen und hören zwölf Reden. Organisiert und bezahlt wird das Essen im Rathaus von drei regelmäßig wechselnden Schaffern der 1545 gegründeten Stiftung Haus Seefahrt. Während des Essens werden Spenden für die Stiftung gesammelt, die Seeleute und ihre Familien unterstützt.
Die Festgesellschaft besteht aus Kapitänen, kaufmännischen Schaffern und Gästen. Sie werden nur ein einziges Mal eingeladen. Nachdem bisher Frauen nur bei wenigen Ausnahmen zugelassen waren, hat sich die Schaffermahlzeit jetzt geöffnet. Es gilt eine strenge Kleiderordnung: Frack oder Uniform für Männer, Uniform oder langes schwarzes Kleid für Frauen.

Mag sein, dass der Jahr für Jahr ertönende öffentliche Protest das Beharren auf der noch älteren Bremer Tradition sogar noch beförderte. Doch nun ist sie beendet. Und Schaffer Meier froh. Denn man hatte immer größere Mühe, hochkarätige Redner als Ehrengäste zu bekommen, weil selbst die Wirtschafts- keine geschlossene Männerwelt mehr darstellt. „In einigen Jahren wären vielleicht auch keine Dax-Vorstände mehr gekommen, weil der Ausschluss von Frauen sich nicht mit den Compliance-Regeln verträgt“, sagt Meier. „Compliance“ heißt übersetzt: Die Übereinstimmung mit gängigen gesellschaftlichen Regeln. Und da ist der Ausschluss von Frauen kein Alleinstellungsmerkmal, sondern ein Regelverstoß.

Bunte Frauen im Papageienkostüm werden die Schaffer heute allerdings nicht erleben, denn schwarzes Kleid oder schwarzer Hosenanzug sind vorgeschrieben. Angela Merkel erschien damals übrigens in einem Modell, das entfernt an eine Admiralsuniform erinnerte. Wie Miss Marple bei „Mörder Ahoi“. Ursula von der Leyen dürfte mit dem Hosenanzug keine Probleme haben – eher mit der seit Jahrhunderten gleichen Speisenfolge der angeblich „einfachen Mahlzeit“: Bremer Hühnersuppe, Stockfisch mit Senfsoße, Braunkohl mit Pinkel, Rauchfleisch und Maronen, Kalbsbraten und Rigaer Butt.

Von der Leyen, so heißt es im Verteidigungsministerium, hat sich über die Einladung sehr gefreut, zumal bereits ihr Vater Ernst Albrecht Ehrengast war und seine Jugend in Bremen verbrachte. Bremen müsse sich über eine mögliche Annexion durch Niedersachsen keine Sorgen machen, hatte Albrecht den Schaffern verkündet. Von der Leyen hat mit Annexionen anderer Art zu tun.

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