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Panorama Entsetzen nach Festnahme des Doppelmörders von Krailling
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16:57 02.04.2011
Zwei Mädchen sind in Krailling heimtückisch ermordet worden. Quelle: dpa

Die Jalousien und Vorhänge an dem rosafarbenen Haus im ruhigen Neubaugebiet von Peißenberg sind geschlossen, die Türen von der Polizei versiegelt. Hier wohnt der mutmaßliche Mörder der beiden im oberbayerischen Krailling getöteten Mädchen Sharon (11) und Chiara (8). Er ist ihr Onkel. Der 50-Jährige wurde am Freitagabend von der Polizei als dringend tatverdächtig festgenommen. Gestanden hat der Mann, der selbst Vater von vier Kindern sein soll, die Tat bisher nicht. Auch über das Motiv rätseln die Ermittler.

In Peißenberg hatte der Medienberichten zufolge als Postbote arbeitende Mann keinen besonders guten Ruf. Direkte Nachbarn bezeichnen ihn als keinen angenehmen Menschen, viele Kinder hätten Angst vor ihm gehabt. Auf der Straße vor dem Haus ist nicht viel los. Nur gelegentlich kommen Kinder vorbei. Drei junge Frauen in einem Kleinwagen sind extra gekommen, um das Haus zu sehen. Anwohner erzählen, der Mann habe nicht in Peißenberg gearbeitet, sondern in einem Nachbarort.

Das Grundstück sei seit längerer Zeit eine Baustelle, weil dem Bauherrn das Geld ausgegangen sei, erzählt der Mann, der im Haus gegenüber wohnt. Viele Freiwillige hätten der Familie beim Hausbau geholfen. Persönlich kennen der Nachbar und seine Frau den 50-Jährigen nicht. Das Ehepaar habe sehr zurückgezogen gelebt. Man kenne ihn nur vom Sehen. „Und wenn Du Glück hattest, hat er zurückgegrüßt.“ Nur die Kinder hätten häufig draußen zusammen gespielt.

Die Familie des 50-Jährigen soll in Geldnöten gesteckt haben. Einem der Kinder musste eine Leber transplantiert werden, die Frau soll an Krebs leiden. Mit der Mutter der getöteten Mädchen, seiner Schwägerin, soll der Mann nach Medieninformationen um Geld gestritten haben. Es sei dabei um Nachforderungen aus einem gemeinsamen Erbe gegangen. Die Polizei bestätigte diese Information bisher nicht.

Auch andere Nachbarn beschreiben den Mann und seine Frau als verschlossen und unfreundlich, man habe kaum Kontakt gehabt. Auch Gerüchte über Gewalt gegenüber seinen Kinder machen unter den Nachbarn die Runde. Man habe einen der Söhne einmal mit einem blauen Auge gesehen. Auch soll der Vater ein Kind die Treppe hinuntergestoßen haben.

In Krailling, dem Heimatort der getöteten Mädchen, macht sich am Samstag Erleichterung breit. „Die Stimmung war ziemlich düster nach dem schrecklichen Ereignis“, erzählt die Inhaberin eines Zeitungskiosks. „Die Leute hatten Angst, ihre Kinder nach draußen zu lassen. Vor allem, wer selbst Kinder hat, war verunsichert. Der Täter hätte ja von hier sein können.“ Eine Frau, die in der Nähe des Tatorts den Wochenendeinkauf erledigt, sagt: „Natürlich ist man erleichtert, wenn man weiß, wer es war. Ich habe selbst drei Kinder.“ Verstehen könne man diese schreckliche Tat nicht.

Was genau in der Nacht auf den 24. März im ersten Stock des Hauses in der Kraillinger Margaretenstraße geschehen ist, können die Ermittler auch zehn Tage nach dem Verbrechen nicht sagen. Ein Geständnis hat der 50-Jährige bislang nicht abgelegt. Er wurde jedoch zweimal von den Ermittlern vernommen und verstrickte sich dabei in Widersprüche darüber, wo er zur Tatzeit war.

Bei der Trauerfeier am Freitag in München war der Mann nach Angaben der Polizei nicht dabei. Seine Frau - sie soll die Patentante der getöteten Mädchen sein - hielt nach Informationen des „Münchner Merkur“ eine bewegende Rede. Anschließend wurden die Kinder in Gräfelfing bei München beigesetzt.

Vor dem Haus der ermordeten Kinder ringen die Menschen noch immer um Fassung. An einer Mauer: ein Meer aus Kuscheltieren, Blumen und Lichtern. Viele Eltern kommen mit ihren Kindern hierher, um eine Kerze anzuzünden oder einfach nur stumm dazustehen und die vielen Abschiedsbriefe zu lesen.

„Warum?“, fragt eine junge Mutter am Samstag in Krailling unter Tränen und zieht ihre Tochter an sich. Während sie die Kleine an sich drückt, schüttelt sie den Kopf und sagt: „Unfassbar. Und warum immer Kinder?“

dpa

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