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Panorama Besuch auf Lüneburgs spektakulärster Baustelle
Mehr Welt Panorama Besuch auf Lüneburgs spektakulärster Baustelle
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00:15 18.04.2016
Keine rechten Winkel: Die Grafik zeigt, wie das von Daniel Libeskind geplante neue Zentralgebäude der Leuphana Universität aussehen soll. Quelle: Leuphana Universität/dpa
Lüneburg

Lüneburg. Gleich zu Beginn der Baustellenbesichtigung richtet sich Daniel Libeskind an die Besucher. In einem zu einer „Info-Box“ umgebauten Büroraum läuft auf zwei Flachbildschirmen ein Film in Dauerschleife: Zu sehen ist der Stararchitekt, der erklärt, wie sich die Universität Lüneburg mit ihrem neuen Audimax vom autoritären System ihrer Vergangenheit emanzipieren kann. Im Hintergrund erklingt Klaviermusik.

Es geht hier um die spektakulärste und gleichzeitig umstrittenste Baustelle der Stadt Lüneburg, vielleicht sogar des Landes Niedersachsen: das neue Zentralgebäude der Leuphana Universität. „Es geht darum, wie das Gebäude kommuniziert“, sagt der New Yorker Architekt im Film und erklärt den Besuchern, wie sein Entwurf einen Gegenpart bilden soll zu der strengen Achsenführung des ehemaligen Kasernengeländes, das heute Universitätscampus ist. Der Neubau solle wegführen von der Konformität hin zur Persönlichkeit und Öffentlichkeit, sagt Libeskind weiter.

Carsten Munzlinger wählt andere Worte, wenn er die Philosophie des in Polen geborenen und mit seiner Familie erst nach Israel, später nach New York ausgewanderten Architekten erklärt. „Wir begeben uns hier in einen Bereich, der in der menschlichen Logik nicht funktioniert“, sagt der Zimmermeister aus der Nähe von Lüneburg, der jeden zweiten Sonntag einen Nebenjob hat: als Baustellenführer und Libeskind-Erklärer. „Es gibt keine Achsen, keine rechten Winkel, der Orientierungssinn wird durcheinandergerüttelt. Das Gebäude steht willkürlich da. Der Architekt will Verwirrung stiften.“

Ende des Jahres soll der Bau fertig sein

Fertiggestellt sein soll das neue Zentralgebäude der Leuphana Universität Ende 2016. Bei der Grundsteinlegung im Mai 2011 war noch Ostern 2014 als Termin genannt worden. Die Kosten sind ursprünglich mit 57,7 Millionen Euro von der Universität berechnet worden. Zurzeit sind 72,3 Millionen Euro genehmigt, der Projektplaner geht aktuell jedoch von 15 Prozent mehr aus, also etwa 83 Millionen Euro. Über die Finanzierung des Differenzbetrags gibt es weder von der Uni noch vom Land eine öffentliche Aussage. Führungen über die Baustelle finden alle zwei Wochen statt, buchbar sind sie über die Tourist-Information Lüneburg unter der Telefonnummer (08 00) 2 20 50 05. Weitere Infos gibt es hier.

Verwirrung hat es in den beinahe zehn Jahren seit den ersten Ideen für ein neues Zentralgebäude der kleinen Universität schon viel gegeben - allerdings weniger um den Entwurf als vielmehr um Fragen von Notwendigkeit, Finanzierung, Auftragsvergabe, Sponsoring und Fertigstellungstermin.

Doch all das hat beim Sonntagsausflug wenig Platz. Da geht es dann doch eher um die schiefen Wände aus Sichtbeton, die sich so glatt anfühlen wie Marmor, um die wahnwitzig vielen Kabel im Keller, um das von der TU Braunschweig entwickelte Belüftungskonzept, um die Fernwärme aus Methangas, um den interreligiösen Raum der Stille, das Audimax mit 1200 Plätzen und zusammenschiebbarer Tribüne, die Fassade aus rautenförmigen Platten aus Titanzink - und um die Fenster.

Alle zwei Wochen führt Zimmermeister Carsten Munzlinger (r.) Besucher über die Baustelle. Quelle: George

900 Quadratmeter Fensterfläche in Südwest-Ausrichtung besitzt der archeähnliche Komplex. „Das wird warm“, sagt der Zimmermeister. Doch weil das ganze Gebäude vor Technik nur so strotzt, gibt es zwar fürs Fensterputzen vermutlich noch keine kostengünstige Lösung, wohl aber eine Antwort auf die Frage nach zeitgenössischen Alternativen zu Lamellen und Markisen: Die Scheiben lassen sich per Lithium-Ionen energiesparsam verdunkeln.

Schon jetzt ahnt der Betrachter, dass dieses Haus in allen denkbaren Dimensionen weit über die Normalität in der 75 000-Einwohner-Stadt und 9000-Studenten-Universität hinausgeht. Und schon jetzt ist dieses Haus ein Symbol dafür, wofür der vor zehn Jahren als Deutschlands jüngster Hochschulpräsident angetretene Sascha Spoun steht: die umfassende Neuausrichtung der Lüneburger Universität.

Der Mord im Klosterwald von Loccum aus dem vergangenen September ist offenbar aufgeklärt. Ein nach Informationen der HAZ von der Polizei als gewalttätig eingeschätzter und bereits mehrfach wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung verurteilter Straftäter soll damals die 23 Jahre alte Judith T. getötet haben.

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