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Panorama Wie ein Soldat zum Butler wird
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00:17 16.12.2016
„Ich habe aktives Dienen gelernt“: David Betker war erst bei der Bundeswehr und will jetzt Butler werden. Quelle: dpa
Stade

Acht Wochen dauert die Schulung. Alles, was ein Butler für den Dienst bei hohen - vor allem vermögenden - Herrschaften braucht, steht auf dem über 640 Stunden umfassenden Curriculum von Ausbilder Jörg Schmidt, der das Metier selbst kennt. Schmidt fing als Hotelpage an, stieg zum Concierge auf und arbeitete in zahlreichen wohlhabenden Privathaushalten - zuletzt für die Familie eines Prinzen. Die Butlerausbildung hat ihren Preis: In den 13.450 Euro sind aber Unterkunft, Verpflegung, Reisen, Butlerkleidung und Dinnerabende enthalten.

TV-Klassiker prägten das Bild

Für David scheinen Cut und Beruf maßgeschneidert. Er war acht Jahre bei der Bundeswehr, auch in Kabul, Afghanistan. „Ich habe aktives Dienen gelernt“, sagt er. Was tun nach der Dienstzeit, fragte sich der Oberstabsgefreite aus Gummersbach. Dann fiel ihm ein Zeitungsartikel über die Butler-Ausbildung in England in die Hände. Die Entscheidung war getroffen. Er meldete sich bei Edumondi an.

Job als Hausmeister

Wie viele Butler es in Deutschland gibt – darüber könne nur gerätselt werden, sagt Edumondi-Geschäftsführer Jörg Schmidt. „Das ist auch schwierig zu ermitteln, da es viele Menschen in Arbeit gibt, die gar nicht als Butler aufgeführt sind“, sagt er. Diese seien dann zum Beispiel als Hausmeister beschäftigt, chauffierten die Kinder wohlhabender Familien, erledigten die Einkäufe oder kümmerten sich um den Garten.

Die meisten professionellen Butler-Schulen Europas gebe es in England, sagt Schmidt. Dort werde die exklusive Ausbildung an drei Standorten angeboten. In Deutschland sei neben ihm noch höchstens ein Kollege in Süddeutschland aktiv. Schmidt überlegt nun, einen deutschen Dachverband zu gründen, der für die Berufsgruppe einsteht.

Vor allem durch Fernseh-Klassiker wie „Dinner for One“ mit Butler James („Cheerio, Miss Sophie!“) oder „Das Haus am Eaton Place“ mit dem Diener Angus Hudson entstanden die typischen Vorstellungen vom britisch-steifen Butler, der Wein nachschenkt und Silber poliert. Die Wirklichkeit sieht anders aus: „Heute ist der Butler ein Allrounder, ein persönlicher Assistent. Der Mann für fast alles“, sagt Schmidt.

Servietten gekonnt gefaltet

Für die Ausbildung hat sich die Schule im Restaurant Die Insel in Stade eingemietet. Dort ist auch David zeitweise in den Betriebsablauf integriert. Der Butler weiß, dass Tischdecken nicht nur zu festlichen Anlässen gebügelt werden, er faltet Servietten gekonnt als Pyramide oder Bischofsmütze, schafft ein gediegenes unaufdringliches Ambiente mit Kerzen und Tischdekoration. Die Stühle sind leicht nach rechts abgerückt, damit der Gast bequemer von links Platz nehmen kann. Besteck und Gläser - alles perfekt arrangiert.

Ob servieren, Koffer packen, Flugtickets kaufen oder kochen: Wer als Butler eine Anstellung im Privatdienst findet, sollte seinen Dienstherrn sehr gut kennen. „Manchmal besser als die Ehefrau. Man muss die Wünsche im Voraus erahnen“, sagt Schmidt. „Aber immer ist wichtig, dass man auf Augenhöhe bleibt. Es geht nicht um ein Anbiedern.“

Darf man auch Nein sagen als Butler? Etwa wenn der Wunsch zu extravagant wird? „Ich würde das Nein etwas anders ausdrücken“, sagt David. Seine Antwort: „Ich prüfe das gerne. Ich kümmere mich darum.“ Und: Freundlich lächeln.

„Diplomatie ist nie falsch“, weiß auch Ricardo. Er ist seit 18 Jahren der Butler im Luxus-Hotel Adlon in Berlin. „Außergewöhnliche Wünsche sehen wir aber als Herausforderungen.“ Ricardo Dürner trägt traditionell korrekt einen Cut und ein Namensschild, auf dem nur sein Vorname steht. „Wenn man mich sieht, erkennt man: Das muss der Butler sein.“ Sein Reich ist die Präsidentensuite, und die wird ihrem Namen oft gerecht. „Ich habe schon viele Präsidenten aus allen Ländern und Kontinenten betreut“, sagt der 47-Jährige.

Die Kommunikation mit den hohen Gästen läuft meist auf Englisch. Aber Ricardo spricht auch Spanisch. Vor Kurzem erst war US-Präsident Barack Obama im Adlon. Hat der Staatsgast den Butler-Dienst in Anspruch genommen? Man weiß es nicht. „Diskretion ist natürlich unerlässlich in solch einem Kreis und bei solchen Persönlichkeiten“, antwortet Ricardo. Diplomatisch eben.

Helmut Reuter

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