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Panorama Das sympathische Großmaul
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06:38 23.06.2017
Er umarmte die Welt – die Welt umarmte ihn nicht immer zurück: Gunter Gabriel auf seinem Hausboot im Harburger Hafen. Quelle: Foto: dpa
Hannover

Diese Stimme bleibt im Gedächtnis: tief, brummig, ein bisschen kratzig. Als würde von jedem Wort ein kleines bisschen hängen bleiben auf dem Weg nach draußen. Wie Gummiabrieb, den ein Autoreifen auf der Straße hinterlässt.

Doch diese Stimme spricht nicht mehr, diese Stimme singt nicht mehr. Ihr Besitzer, Country- und Schlager-Legende Gunter Gabriel ist am Donnerstag in einem hannoverschen Krankenhaus gestorben. Am 10. Juni hatte er sich – am Abend vor seinem 75. Geburtstag – bei einem Sturz einen dreifachen Bruch des ersten Halswirbels zugezogen. Davon erholte er sich trotz drei Operationen nicht. Das Herz eines großen Musikers habe aufgehört zu schlagen, teilte seine Agentur am gestrigen Nachmittag mit.

Schlagerstar Gunter Gabriel ist nur wenige Tage nach seinem 75. Geburtstag verstorben.

Gabriel, das war doch der, der irgendwie jede Lebenskrise meisterte. Selbst „ein Kerl, ein ganzer Mann“, mit „Händen aus Eisen“. Wie der traurige Fernfahrer im 30-Tonner-Diesel, den er mit diesen Worten in seinem ersten eigenen Hit Anfang der Siebzigerjahre besang. „Du kannst tausendmal umfallen“, sagte Gabriel mal nach einem Konzert vor wenigen Jahren an der Hotelbar im Kreis seiner Freunde. „Aber du musst immer einmal mehr wieder aufstehen.“

Und nach diesem Motto lebte der gebürtige Westfale, der in Hannover seine Jugend und junge Erwachsenenzeit verbrachte. Irgendwie unkaputtbar, gleichzeitig emotional zerrissen, nachdem er bereits als Vierjähriger die geliebte Mutter verloren hatte und die Beziehung zu seinem prügelnden Vater so kompliziert war, dass er seinen Geburtsnamen Caspelherr in späteren Jahren kaum noch aussprechen wollte.

Ehefrauen? Viele! „Und trotzdem würde ich sofort wieder heiraten“

Gabriel, der großmäulige Anwalt der kleinen Leute. Er sang über sie, über das Leben, wie es zuvor noch niemand getan hatte – und verkaufte damit in seiner Hochphase in den Siebzigern Millionen von Platten. Ein typischer Gabriel-Schüttelreim, der so vielen Menschen in ihren Schrebergärten, am Stammtisch in der Kneipe oder bei der Arbeit auf dem Bau aus der Seele sprach: „Papa trinkt Bier, Mama ist krank, und kein Pfennig auf der Bank. Papa trinkt Bier, die Kassen sind leer, der Schornstein raucht nicht mehr.“

Damals ist er ein Megastar, Dauergast in der „ZDF-Hitparade“. Und fällt umso tiefer, als in den Achtzigern die Hits ausbleiben. Irgendwann haust er in der Nähe von Hildesheim in einem Wohnmobil. Die Schulden werden immer höher, der Alkoholmissbrauch immer heftiger. Ehefrauen? Viele! „Und trotzdem würde ich sofort wieder heiraten“, sagt er mal in einem ruhigen Moment an der Theke. In einem dieser Momente, in denen der unstete, unruhige Gabriel dem Gegenüber seine volle Aufmerksamkeit schenkt. Als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt, in diesem Augenblick. Ein Menschenfänger halt, den – wegen seiner Großmäuligkeit – nicht alle mochten.

Doch auch als er ganz unten ist, wird Gabriel von Country-Superstar Johnny Cash bei dessen Deutschland-Gastspielen zum Duett auf die Bühne gebeten. Denn Cash bezeichnete Gabriel als Freund – Gabriel selbst, das betonte er immer besonders deutlich, hätte sich das andersrum niemals getraut. Idole bezeichnet man nicht als Freund.

„500 mal 1000, und ich bin meine Schulden los“

Und Cash, eine ähnlich geschundene Seele, ist es auch, der Anteil an Gabriels Comeback hat. Kurz vor dem Tod des US-Country-Stars nimmt der gefallene deutsche Country-Star ein Album in dessen Studio in Hendersonville (Tennessee) auf, mit deutschen Versionen von Cashs großen Hits. Später spielt Gabriel Cashs Leben sogar im Theater nach und ist mächtig stolz darauf.

Großes Aufsehen erregt er 2007, da lebt er bereits auf seinem irgendwie ebenso zur Legende gewordenen Hausboot im Harburger Hafen, als er in einer Talkshow die Handynummer seines Managers in die Kamera hält und erzählt, jeder könne ihn für 1000 Euro buchen. Motto: „500 mal 1000, und ich bin meine Schulden los.“ Die Folge: 2000 Anrufe am ersten Wochenende, Hunderte Konzerte bei Geburtstagen oder goldenen Hochzeiten.

Ja, Gunter Gabriel war ein Großmaul. „Wäre ich der Vater, der Freund oder der Lover von Amy Winehouse gewesen, wäre sie jetzt nicht tot“, sagt er in seiner unnachahmlichen Art kurz nach dem Tod der ebenso zerrissenen Sängerin. Aber vielleicht war er das sympathischste Großmaul, das in Deutschland berühmt wurde.

Von Sebastian Harfst/RND

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