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Panorama Das Aufräumen nach dem Sturm
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20:47 13.07.2010
Rund 15 Bäume riss der Sturm im Tierpark Nordhorn nieder. Der Zoo wird frühestens am Wochenende wieder eröffnen. Quelle: dpa

Auch am Tag nach dem Orkan im Nordwesten Niedersachsens schwingt noch tiefe Betroffenheit in Ina Brockmanns Stimme mit, wenn sie über die Verwüstungen spricht, die der Sturm am Montagnachmittag im Tierpark Nordhorn hinterlassen hat. Eine 47 Jahre alte Frau starb in unmittelbarer Nähe, als eine große Pappel umknickte und auf ein Haus stürzte. In kürzester Zeit seien rund 15 Bäume im Tierparkgelände umgestürzt, sagt die Sprecherin des Tierparks.

„Zu dem Zeitpunkt hielten sich mehrere große Behindertengruppen im Tierpark auf“, erzählt Brockmann. Die Tierpfleger hätten geistesgegenwärtig reagiert, die Besucher schnell in die Gebäude auf dem Gelände geführt und die Tiere, darunter Leoparden und Schimpansen, in die Ställe gesperrt. Zwei Gänsegeier sind in den Wirren davongeflogen, einer von ihnen kehrte am Dienstag wieder zurück. Unter einer Baumkrone bargen die Pfleger ein totes Schaf. „Es grenzt schon an ein Wunder, dass nicht Schlimmeres passiert ist“, sagt Brockmann.

Mit mehreren Hubsteigern machten sich die Mitarbeiter am Dienstag an die Aufräumarbeiten, in den nächsten Tagen sollen Reparaturen an Zäunen und Gehegen folgen. Brockmann rechnet frühestens fürs Wochenende mit der Wiedereröffnung des Zoos.

Der Orkan, der vom Emsland über Leer und Aurich bis nach Wittmund fegte, hinterließ einen Schaden in Millionenhöhe. „Wir wissen gar nicht so recht, wie wir die Schadenshöhe erfassen sollen“, sagt Dirk Fey, Polizeisprecher in Leer. Seit 20 Jahren lebt der Beamte in der ostfriesischen Stadt, „noch nie habe ich so einen Sturm erlebt – schon gar nicht im Sommer.“ Schlagartig verfinsterte sich der Himmel, Bäume wurden umgerissen, Gartengegenstände durch die Luft gewirbelt, und sogar ein Blockhaus und eine Garage hat der starke Wind versetzt. Polizei und Feuerwehr hatten die Aufräumarbeiten Dienstagnachmittag größtenteils erledigt, „aber die Bürger haben noch viel Arbeit in ihren Gärten vor sich“, sagt Fey.

Mit Aufräumarbeiten deutlich größeren Maßstabs hatten es am Dienstag Mitarbeiter der Wasserschutzpolizei und der Werft Ferus Smit zu tun. Noch am Abend versuchten sie am Hafen von Leer, den auf einen Schiffsneubau gestürzten Kran zu bergen. Der Schiffsneubau hatte sich während des Sturms losgerissen, trieb führerlos im Hafenbereich und stieß gegen den Kran. Die zuständige Wasserschutzpolizei Emden schließt menschliches Versagen bei der Vertäuung des Schiffneubaus aus.

Nahezu abgeschlossen waren Dienstagabend dagegen die Aufräumarbeiten auf dem Campingplatz „Helgoland Düne“, wo der Sturm rund 50 Zelte zerstört hatte. Elf Verletzte wurden auf der Insel versorgt, zwei schwerer Verletzte mussten auf das Festland ausgeflogen werden. „Rund 50 Gäste haben ihren Urlaub vorzeitig abgebrochen, die übrigen Gäste wurden in Turnhallen oder Hotels untergebracht“, teilte Helgolands Tourismusdirektor Klaus Furtmeier mit.

Auch die Bahn hatte am Dienstag noch mit den Folgen des Sturms zu kämpfen: Die Strecke Leer-Dörpen war wegen eines beschädigten Oberleitungsmastes voll gesperrt. IC-Züge von Norddeich ins Ruhrgebiet mussten über Emden, Bremen und Osnabrück umgeleitet werden.

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