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Panorama Bayerischer „Bauernkrieg“ um Olympia 2018
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22:18 23.07.2010
Kein Platz für Olympia? Die Sprungschanze von Garmisch ist bereit, die Bürger sind es nicht. Quelle: dpa

München. Noch vor einigen Monaten glaubte Christian Ude, Münchens beliebter SPD-Oberbürgermeister, genau zu wissen, wie der Gegner arbeitet: Die „Kniffe der propagandistischen Darstellung“ würden angewendet, um die Bewerbung Münchens für die Olympischen Winterspiele zu sabotieren. Die Stimmung in der Bevölkerung allerdings sei „in Wahrheit beglückend“, es gebe große Unterstützung für das Projekt, dessen Kosten derzeit auf rund drei Milliarden Euro geschätzt werden.

Inzwischen aber weiß Ude, dass nicht alles eitel Sonnenschein ist bei den Planungen für Olympia 2018 im bayerischen Alpenland. Vielmehr rumpelt es bei der Bewerbung. Fest eingeplante Gemeinden wie der Passionsspielort Oberammergau steigen aus, Bauern wollen ihr Land nicht für die Sportstätten hergeben, und in Garmisch-Partenkirchen tobt eine bizarre Fehde zwischen dem CSU-abtrünnigen Bürgermeister und der christsozialen Gemeinderatsfraktion. Auch wird das ökologische Konzept für die Winterspiele kritisiert.

In knapp einem Jahr, voraussichtlich am 6. Juli 2011, entscheidet das Internationale Olympische Komitee (IOC), wer den Zuschlag erhält – München, das französische Annecy oder Pyeongchang in Südkorea. Die Bayern-Metropole sieht die Chance, als erste Stadt der Welt überhaupt nach den Sommer- auch die Winterspiele auszutragen. Immer wieder werden Erinnerungen an 1972 wachgerufen, an das daraus entstandene Olympiastadion und den Olympiapark, an die U-Bahn, die wegen der Spiele gebaut wurde. Jüngster Anlass für die 1972-Beschwörung war der Tod des Olympia-Architekten Günter Behnisch, den manche rühmen, er habe das „heitere neue München“ geschaffen.

Heiterkeit ist bei den 2018-Vorbereitungen indes nicht mehr zu erkennen. In dieser Woche hat Willy Bogner, Chef der Olympia-Bewerbungsgesellschaft und bekannter Bekleidungsunternehmer, indirekt mit Rücktritt gedroht, falls er nicht mehr Geld erhalte, um sich für die Münchener Spiele einzusetzen. Bogner hatte dem Aufsichtsrat der Gesellschaft geschrieben, ein höheres Budget und die Lösung gegenwärtiger finanzieller Engpässe seien für sein „weiteres Engagement als Geschäftsführer entscheidend“. Bisher standen ihm 30 Millionen Euro zur Verfügung, er wollte sieben Millionen mehr. Schließlich wurden ihm drei Millionen zugesichert.

Münchens Grundsatzproblem besteht darin, kein Wintersportort zu sein. Zwar wähnen sich die Münchener mitunter am Fuße der Alpen, tatsächlich jedoch sind die Berge eine Autostunde entfernt. Die Stadt ist flach wie ein Pfannkuchen, wer bei Minusgraden sportlich aktiv sein will, kann am ehesten zum Eisstockschießen an den Nymphenburger Kanal gehen.

Also bezog man die oberbayerischen Alpengemeinden in die Bewerbung mit ein: Die Eiswettbewerbe sollten in der Stadt stattfinden, Skiveranstaltungen in Garmisch-Partenkirchen, Rodeln in Schönau am Königssee und Langlauf in Oberammergau. Diese Konstruktion hat zur Folge, dass viele, vielleicht zu viele Beteiligte bei Olympia mitmischen. Oberammergau ist zum Monatsbeginn ausgestiegen – ein schwerer Schlag. Olympia-Gegner hatten dort erfolgreich Stimmen für ein Bürgerbegehren gesammelt. Das Risiko, dass die Bürger in einer Abstimmung gegen das Projekt votierten, war den Organisatoren und auch dem Gemeinderat zu groß. Die Gegner hatten mit der drohenden Verkehrsbelastung durch Olympia und der ungeklärten Finanzierung argumentiert. Denn wenn sich das Sportspektakel nicht rechnen sollte, bleiben letztlich die einzelnen Kommunen auf den Schulden sitzen.

Die Gegner – etwa vom Bündnis „Nolympia“ – befürchten, dass nach dem Spektakel eine von Straßen, riesigen Sportstätten und vielen Neubauten zugepflasterte Landschaft bleibt. Befürworter hingegen sehen große Chancen: Die Infrastruktur würde modernisiert, manche Olympiastätte von 1972 könne man auf den jüngsten Stand bringen. Der Streit entzweit selbst die Grünen: Während die Münchener Stadtratsfraktion, die mit der SPD die Mehrheit stellt, für das Projekt ist, bleiben Landes-Grüne skeptisch. Vor Ort indes bekämpfen manche Grünen-Lokalpolitiker die Spiele.

Eine Provinzposse der besonderen Art ist in Garmisch-Partenkirchen zu bestaunen. Dort macht sich Bürgermeister Thomas Schmid vehement für Olympia stark. Im Gemeinderat allerdings sitzen viele Feinde. Denn Schmid war als CSU-Mann ins Amt gekommen, verkrachte sich dann aber mit der Partei. Arroganz und Starrsinn wurden ihm vorgeworfen; er selbst beschreibt sich als „gestalterischen Menschen“. Bei der nächsten Bürgermeister-Wahl entschieden sich die Christsozialen, einen anderen Kandidaten aufzustellen. Schmid verließ die Partei, trat dem Abtrünnigenbündnis „Christlich-soziale Bürger“ bei und gewann haushoch. Seitdem herrscht Eiszeit zwischen dem Rathauschef und der örtlichen CSU. Diese ist zwar auch grundsätzlich für Olympia, bezweifelt aber, wo sie nur kann, des Bürgermeisters Fähigkeiten, das Projekt auch durchzusetzen.

Der größte Stolperstein auf dem Weg zu den Spielen sind nun aber die Bauern von Garmisch-Partenkirchen. Einige von ihnen wollen ihre Felder nicht hergeben, die für Straßen, Parkplätze und Sportstätten eingeplant sind. Von Aufstand und „Bauernkrieg“ ist mittlerweile die Rede. Die Landwirte fühlen sich vor allem schlecht informiert und nicht ernstgenommen. Eine Bäuerin etwa klagt, dass sie erst bei einer Info-Veranstaltung in München gesehen habe, dass auf ihrem Land eine Straße gebaut werden soll. Über Monate hinweg hätten weder der Bürgermeister noch die Planer überhaupt mit den Bauern gesprochen.

Auch der einstige Skifahrer und Olympia-Werber Christian Neureuter zeigt Verständnis. Es sei doch einleuchtend, sagt er, dass nicht nur Landwirte „sensibel“ reagierten, wenn es um den eigenen Grund und Boden geht.

Die olympische Idee soll zu Frieden und Völkerverständigung beitragen. Im Alpenland löst sie derzeit nur Streit aus. Und den, so ist immer wieder zu hören, mag das IOC überhaupt nicht.

Patrick Guyton

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