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Panorama 92 Hausbewohner verklagen Nachbarin auf Auszug
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00:15 28.12.2015
Ein Polizeibeamter hatte in der Verhandlung im Oktober berichtet, es gebe seit Monaten Einsätze in dem Haus. Quelle: Symbolfoto
Hildesheim

„Das kommt sehr selten vor“, stellte Amtsrichter Werner Kemper zu Beginn der Güteverhandlung fest. Und gibt zu bedenken: „Entziehung von Wohnungseigentum ist ein ganz scharfes Schwert.“
Die Hausbewohner hatten unter anderem nächtliche laute Musik und Klingeln an den Türen angeführt. Es gebe „massive Unstimmigkeiten“, so der Richter, die möglicherweise damit zusammenhingen, dass die 61-Jährige nach eigener Aussage „psychisch angegriffen“ sei. Besonders mit einer der Nachbarinnen scheint die Frau häufig aneinanderzugeraten. So hatte es nach einer Auseinandersetzung im Wäschekeller schon eine Anklage wegen Beleidigung gegeben; das Verfahren wurde eingestellt.

Ein Polizeibeamter hatte in der Verhandlung im Oktober berichtet, es gebe seit Monaten Einsätze in dem Haus. Die beklagte Eigentümerin sei immer verwickelt, ein Gespräch mit ihr aber nicht möglich: „Das läuft ins Leere.“ Die Frau scheine in einer anderen Welt zu leben.

Zudem hat die gleiche Nachbarin die 61-Jährige im Namen ihres minderjährigen Sohnes auf 1500 Euro Schmerzensgeld verklagt. Der habe durch die dauernden Anfeindungen gegen seine Mutter und die damit verbundenen Ängste psychischen Schaden erlitten. So soll die angeschuldigte Frau ihn immer wieder absichtlich im Treppenhaus mit ihrem Hund konfrontiert haben, wohl wissend, dass er sich vor dem Tier fürchte. In diesem Streit wird im Januar eine Entscheidung verkündet.

Die Wohnungseigentümergemeinschaft hatte die Frau im März abgemahnt und im Mai ohne Gegenstimmen beschlossen, dass sie zum Verkauf bewegt werden solle. Mindestens 70 Prozent der Eigentümer seien bei der Abstimmung anwesend gewesen, hieß es vonseiten der beauftragten Turnier Hausverwaltung. Rechtsanwalt Rüdiger Schrader erklärte für die Eigentümer, diesen komme es weniger auf den Verkauf der Wohnung an als vielmehr darauf, dass die Frau selbst das Haus verlasse.

Dazu sei sie ohnehin bereit, versicherte deren Anwalt Stanley König. Seine Klientin wolle auf eigenen Wunsch sowohl umziehen als auch verkaufen. Die Beklagte bestätigte das: „Die seelische Belastung ist für mich nicht erträglich.“ Sie habe sich bereits um den Verkauf bemüht, Inserate geschaltet und einen Makler beauftragt. Bisher aber ohne Erfolg. Auch selbst habe sie noch keine passende Wohnung für einen Umzug gefunden. Sie versicherte jedoch, bis Ende April ausziehen zu wollen.

Richter Werner Kemper machte den Vorschlag, den Rechtsstreit bis Ende April zum Ruhen zu bringen. Bis dahin hätte die Wohnungseigentümerin Gelegenheit, freiwillig die Hausgemeinschaft zu verlassen und möglichst auch die Wohnung zu verkaufen. Beide Seiten waren damit einverstanden. Der Richter mahnte alle Beteiligten bis dahin zur gegenseitigen Rücksichtnahme.

von Wiebke Barth

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