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Welt Land verspricht: Kita-Gruppen werden nicht vergrößert
Mehr Welt Land verspricht: Kita-Gruppen werden nicht vergrößert
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00:18 29.07.2018
Baran (l) und Hira spielen während der Eröffnung des christlich-muslimischen Kindergartens "Abrahams Kinder" an einem Tisch, der diese Woche eröffnet wurde. Die beiden Kinder können froh sein, denn nach Meinung des Städtetages droht Niedersachsen eine Unterversorgung mit Kitaplätzen.
Hannover

In den Kindertagesstätten in Niedersachsen wird es keine Absenkung der Mindeststandards geben. Das hat das Kultusministerium am Donnerstag erklärt –nachdem der Städtetag auf überraschende Versorgungsengpässe in der Krippen- und Kita-Landschaft Niedersachsens hingewiesen hat. Das Ministerium reagiert ungewöhnlich schroff auf die Sorgen der Städtevertretung und wirft den Kommunen Fehlplanung vor. „Hinzuweisen ist, dass Bedarfsplanung kommunale Angelegenheit ist. Auf diese Zuständigkeit legen die Kommunen in der Regel zu Recht großen Wert“, heißt es spitz in einer Pressemitteilung, die das Ministerium am frühen Donnerstagabend verschickte.

Knapp 2300 Kitaplätze fehlen

Nach der Befragung des Städtetages fehlen in den Kindertagesstätten, die sich um Kinder kümmern, die mehr als drei Jahre alt, sind, knapp 2300 Betreungsplätze. Das entspricht etwa 92 Kindergartengruppen. Im Bereich der Kinderkrippen, in denen unter Dreijährige betreut werden, fehlen laut Städtetag 3658 Krippenplätze, was etwa 244 Krippengruppen entspricht. Während der Städtetag bei den Kinderkrippen keine qualitativen Einschränkungen in Kauf nehmen würde (hier ist eine Gruppengröße von 15 Kindern die Maximalzahl), kann er sich bei den Kitagruppen auch eine Erhöhung von derzeit 25 auf 26 Kinder vorstellen, wie Nicole Teuber vom Städtetag erläutert: „Wir haben das immer wieder mal vorgeschlagen.“ Doch davon will das Land nichts wissen, es fürchtet eher eine Kettenreaktion. Eine Erhöhung der maximalen Gruppengröße führe nicht nur zu höheren Anforderungen an die Fachkräfte, sondern verschlechtere den Personalschlüssel zwischen den erforderlichen Fachkräften und den Kindern. Ferner habe sie Auswirkungen auf den Raumbedarf und wirke sich in allen Ansprüchen negativ aus, die man in Bezug auf die Eingliederung von Kindern mit Handicaps habe oder die Arbeit mit Migranten.

Land zweifelt Datenmaterial an

Unverhohlene Zweifel äußert das Land aber am Datenmaterial, das der Städtetag bei den Rückmeldungen aus seinen Kommunen hat. Man bitte doch um Bereitstellung der Daten, wenn diese belastbar sei. „Je konkreter, desto besser.“ Nur so ließen sich die Ursachen für die Versorgungsprobleme transparent nachvollziehen. Städtetags-Geschäftsführer Dirk-Ulrich Mende erklärt, dass man selber höchst erstaunt über die kritischen Rückmeldungen aus 60 niedersächsischen Kommunen sei. „Sicher haben sich hier und da ein paar Eltern doppelt bei Kitas angemeldet –darauf weisen uns auch einige, wenige Kommunen hon. Dennoch ist der Fehlbedarf alarmierend.“

Während sich etwa die Hälfte aller im Städtetag vertretenen Kommunen (123) an der Befragung beteiligten, nahmen Städte wie Göttingen nicht teil. „Bei unseren städtischen Einrichtungen ist die Situation in Sachen Kita-Plätze relativ entspannt, wir haben vereinzelt noch freie Kita- und auch Hortplätze“, berichtet Domink Kimyon, Sprecher der Stadt Göttingen. Auch eine Sprecherin der Landeshauptstadt Hannover betont, bisher sei es immer gelungen, den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz zu erfüllen. Auch wenn nicht jeder in seinem Stadtteil einen Platz bekomme, liege der Versorgungsgrad bei 100,7 Prozent.

Opposition fordert Kita-Gipfel

Grüne und FDP sehen sich in ihren Befürchtungen bestätigt, dass die schnelle Einführung der Beitragsfreiheit zu Lasten der Betreuungssituation gehen werde. Die Grünen-Abgeordnete Julia Willie Hamburg forderte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) auf, einen Kita-Gipfel einzurichten. Der FDP-Abgeordnete Björn Försterling befürchtet, dass auf die Kommunen eine Klagewelle zurollen wird, wenn Eltern ohne Kitaplatz für ihre Zöglinge bleiben würden.

Von Michael B. Berger

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