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Welt Milchmelken im Wettstreit: Technik statt Schemel und Eimer
Mehr Welt Milchmelken im Wettstreit: Technik statt Schemel und Eimer
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17:31 24.04.2018
Modernes Melken ist eine Angelegenheit, bei der Maschinen oder Roboter eingesetzt werden. Quelle: dpa
Drage/Echem

 Der Bauer mit Melkschemelchen und Eimer im staubig-dunklen Holzstall ist Geschichte. Modernes Melken ist eine High-Tech-Angelegenheit, bei der Maschinen oder sogar Roboter eingesetzt werden. Über vier Millionen Milchkühe gibt es in Deutschland. Spitzentiere liefern im Jahr mehr als 14 000 Liter, die Durchschnittsleistung liegt hierzulande bei etwa 8000 Litern. Einen gewichtigen Anteil haben die Melker, alle zwei Jahre suchen sie ihre Besten. Der 35. Bundeswettbewerb im Melken wird seit Sonntag in Niedersachsen ausgetragen, in Drage und in Echem.

 „Es gibt zwei verschiedene Typen von Melkständen im Wettkampf“, sagt Agrar-Ingenieurin Nicola Vohralik von der Deutschen Landwirtschafts- Gesellschaft (DLG), die den Wettbewerb veranstaltet. „Das hier ist ein Fischgräten/Side by Side-Kombimelkstand speziell für die Ausbildung“, sagt sie in der lichtdurchfluteten Halle. Die Tiere stehen dabei schräg in Fischgrätenanordnung oder mit dem Hinterteil zur Melkergrube in der Mitte, sechs Holsteiner auf jeder Seite. „Auch drehbare Karussell-Melkstände gibt es, aber nicht hier im Wettkampf.“

Vormelken mit der Hand

 Die drei niedersächsischen Teilnehmer zeigen gerade ihre Fertigkeiten, sie vertreten Bremen mit. Ida Krüwel ist 19 Jahre alt und kommt aus Hasbergen bei Osnabrück. „Als erstes melken wir vor, dann wird die Milch untersucht“, erklärt die fröhliche junge Frau den Journalisten beim Schaumelken, der eigentliche Wettbewerb soll nicht gestört werden. Das Vormelken geschieht mit der Hand, wie früher. Nach dem Reinigen der Zitzen setzt Krüwel kundig die sogenannten Melkbecher des Geschirrs an. Die Pumpen laufen, auch bei den anderen beiden Kandidaten beginnt die Milch durch die Schläuche zu strömen.

„Wahre Kuhflüsterer“

 „Das ist perfekt, wir haben es hier mit wahren Kuhflüsterern zu tun“, sagt Richter Klaus-Dieter Quade. „Sie haben die Kühe gut vorbereitet, so dass sie die Milch gern hergeben.“ Der Melker müsse Gefühl für die Tiere haben, betont Quade. „Er muss ruhig sein, damit er keinen Stress verbreitet, das ist das wichtigste.“ Es geht um Abschnitt 2b „Kontaktaufnahme und Umgang mit der Kuh“ auf dem Bewertungsbogen.

 Das Ausbildungszentrum kann sich über mangelnden Nachwuchs nicht beklagen, im Gegenteil. Bereits etwa 20 Prozent sind Frauen. „Der Umgang mit Tieren und Maschinen lockt mich, auch die Abwechslung“, sagt Krüwel, sie möchte Landwirtschaft studieren.

Drei Disziplinen im Wettbewerb

 Insgesamt 36 Teilnehmer haben sich bei den Landesentscheiden für das Finale qualifiziert. Der Gewinner muss nicht nur melken können, sondern auch umfassende Fachkenntnisse in der Milchproduktion samt Hygiene-Vorschriften vorweisen. Der eigentliche Wettbewerb umfasst drei Disziplinen. Praktische Melkarbeit, der Test auf Eutergesundheit und eine schriftliche Prüfung gehören dazu. „Der Test war sehr knifflig“, sagt Krüwel.

 Mit einem Griff an das Euter prüft sie, ob das Tier ausgemolken ist. Dann tunkt sie die Zitzen einzeln in einen kleinen gelben Becher mit jodhaltiger Flüssigkeit. „Das heißt Dippen, es dient der Pflege und der Desinfektion“, erklärt Quade. Kurz zuckt das Tier mit dem rechten Hinterlauf. „Im Winter stellen wir das vorher auf die Heizung“, verrät Krüwel.

Gewinner steht Mittwochabend fest

 Dann stapfen die Kühe gemächlich zurück in ihren Stall. Die Kuhfladen werden beseitigt, das Melkgeschirr gesäubert. „Das Melken hat bei mir gut geklappt“, zeigt sich Ida Krüwel zufrieden. „Am Ende wird es um Sekunden und Bruchteile von Punkten gehen.“ Erst am Mittwochabend steht fest, wer am besten abgeschnitten hat. Der Gewinner wird eine kleine Statue bekommen - eine Kuh, na klar.

 

Von dpa

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