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Welt Gorillaz – Neues Album der fleißigen Affen
Mehr Welt Gorillaz – Neues Album der fleißigen Affen
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13:46 28.06.2018
Im Hier und Jetzt: Die britische Band Gorillaz veröffentlicht schon wieder ein neues Album. „The Now Now“ ist eine verhältnismäßig ruhige Songsammlung. Das Bild stammt von einem Auftritt in der Berliner Max-Schmeling-Halle aus dem Vorjahr. Quelle: Foto: dpa
London

Es war einmal vor langer Zeit im Popkönigreich Großbritannien. Damals in den Neunzigerjahren waren Damon Albarns Band Blur und Oasis, die Band der Brüder Noel und Liam Gallagher, die von den Medien ausgerufenen Duellanten des Britpop. Während Oasis sich ganz offensiv dem Erbe der mythischen Beatles verpflichtet fühlten und dann doch nicht deren Evergreen-Potential aufwiesen, waren Blur eigenwilliger, bunter, und bald schon nicht mehr interessiert an Charts und Hits.

Albarn mag Musik nur, wenn sie Spaß macht

Frontmann Albarn löste die Band deshalb auf, lieferte fortan Soundtracks und Opern, spielte ein Album mit malaiischen Musikern ein, produzierte den Soulmann Bobby Womack und brachte 2015 – als keiner mehr damit rechnete, ein beachtliches Comebackalbum von Blur zustande. Nur so – außer Konkurrenz. Für Platz 1 reichte es trotzdem.

Albarn mag Musik nur, wenn sie Spaß macht. Was bei ihm bis heute vor allem mit seiner Zweitband, den Gorillaz, der Fall ist. Diese nun auch schon wieder 20 Jahre alte Formation brachte „Tank-Girl“-Schöpfer Jamie Hewlett 1998 mithilfe seines Mitbewohners Albarn zu Papier.

Die Gorillaz waren Zeichentrickmusiker, eine virtuelle Combo, die als kritischer Kommentar zur Farblosigkeit der Musik beim Musiksender MTV, gegen die Austauschbarkeit der Künstler, galt. Hinter den Filmchen machte Albarn mit wechselnden Helfern die Musik.

Nach Jahresfrist schon wieder ein Album

Der erste Hit von 2001 hieß „Clint Eastwood“ und bis heute singt die Welt dessen sonnige, schläfrig gesungene Eröffnungszeilen: „I ain’t happy, I’m feeling glad / I got sunshine in a bag.“ Die Gorillaz haben jetzt eine neue Platte. Die hat ebenfalls einigen Sonnenschein im Gepäck.

Schon wieder? Fleißige Affen. War nicht eben erst „Humanz“ erschienen mit dem geviertelten „Let It Be“-artigen Cover, diese vor Gästen geradezu überbordende Apokalypse-Scheibe? Legenden wie Grace Jones und Mavis Staples hatten den Gorillaz die Ehre gegeben, außerdem Rapper wie Danny Brown und Anthony Hamilton. Sogar Noel Gallagher war im Club der Tanzmusiker. Die Britpopkriege sind lange her.

Das neue Werk „The Now Now“ nicht mehr so dunkel zu nennen, wäre untertrieben. Die funkige Single „Hollywood“ mit Snoop Dogg ist zwar nicht der einzige Dancetrack – wieder hübsch traumartig zum Reinhängen - aber die Zahl der Kollaborateure ist diesmal schmal.

Snoop Dogg und George Benson – sonst macht Albarn alles selbst

Außer Rapper Snoop ist praktisch nur noch George Benson an Bord. Und der 75-jährige Jazzgitarrist lässt sein Instrument im Eröffnungssong „Humility“ so soulig schimmern, perlen und rollen, dass dieses Lied über einen Menschen, der seiner Isolierung entkommen will, zu einer der sonnigsten Nummern im Repertoire der Band gerät.

Immer noch wirken die gezeichneten Gorillaz optisch wie eine Desperadotruppe auf dem Pfad von Aufstand und Umsturz: Stuart „2D“ Pot, der Sänger mit dem blauen Haar und dem Revolutionärsbarrett, Noodle die japanische Gitarristin im schwarzen Mini und Russel Hobbs der grimmige untersetzte Drummer. Der Bassmann Murdoc Niccals sitzt derzeit wegen krimineller Machenschaften ein – so will es die Legende - und wurde fürs neue Album durch einen ebenfalls nicht ganz unproblematischen Charakter ersetzt: Ace mit grünem Teint und spitzen Vampirzähnen - eine schurkische Figur aus der Zeichentrickserie „Powerpuff Girls“. Die Popguardians of the Galaxy sehen echt gefährlich aus.

Melacholisch näselnde Stimme singt von Märchen-Glühwürmchen

Und sind hier doch ganz unaufgeregte, ruhige Leutchen, die auf ihrem sechsten Werk – angelehnt an den Synthesizersound der Achtzigerjahre - ein Elektropopalbum mit deutlich prägnanteren Songs als denen des Vorgängers liefern, darunter prächtigen Balladen wie „Kansas“ oder „Fire Flies“.

Bei vielen der elf von James Ford in London produzierten Tracks hört man Albarns melancholisch näselnde Stimme singen. „Fire Flies“ etwa ist ein Lied über die Liebe in Zeiten der Angst samt Rückzug ins Märchenland: „Manchmal folge ich einem Glühwürmchen, das mich mitnimmt in die Nacht.“

„The Now Now“ ist ein Album für Träume und Zukunft, für den Zusammenhalt in auseinanderstrebenden Zeiten. Ein positives Album gegen Nationalisten und Wirrköpfe, die die Wahrheit verbiegen. Im Hier und Jetzt von „The Now Now“ proklamiert der Brexit-Kritiker Albarn mit seinen vier Cartoon-Rebellen das bessere Morgen einer neuen Welt. Die Gorillaz bleiben ihrem selbstgesetzten Auftrag aus ihren Anfängen treu: Sie sind die Weltmeister der Überraschung.

Gorillaz: „The Now Now“ (Parlophone)

Von Matthias Halbig / RND

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