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Welt Neuer Ditib-Chef: „Wir wollen kein Spielball der Politik werden“
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12:09 28.11.2018
Ali Ünlü, der neue Vorsitzende der niedersächsischen Ditib. Quelle: Doeleke Karl
Hannover

Der neue Vorsitzende Ali Ünlü widerspricht im Interview der Sorge, die Organisation werde von der Türkei gesteuert.

Herr Ünlü, Ihr Vorgänger Yilmaz Kilic hat sein Amt als Vorsitzender des Moscheeverbandes Ditib niedergelegt, weil er sich von türkischen Behörden gegängelt fühlte. Viele befürchten, mit dem neuen Vorstand werde Ditib jetzt auf Linie gebracht. Was sagen Sie dazu?

Diejenigen, die so etwas sagen, kennen mich nicht. Ich habe selbst als Gründungsvorsitzender die Ditib in Niedersachsen aufgebaut. Herr Kilic war mein Nachfolger. Jetzt folge ich wieder auf Herrn Kilic. Der Weg, den Herr Kilic und seine Mannschaft gingen, war auch der Weg den wir eingeschlagen haben. Es gibt keinen Machtwechsel, auch keinen neuen Kurs beim Landesverband Niedersachsen der Ditib.

Nun ist ihr Vorgänger aber definitiv ausgeschieden, weil er um eine größere Unabhängigkeit des Landesverbandes von türkischen Stellen kämpfen wollte…

Herrn Kilics Rücktritt und der seiner Mannschaft hat nichts mit der Türkei-Politik oder der Religionsbehörde zu tun, sondern mit inneren Auseinandersetzungen, in denen einige ihre Kompetenzen überschritten haben. Wir werden das aufarbeiten. Auch Behörden werden von Menschen vertreten, die manchmal ihre Kompetenzen schlicht überschreiten. In unserem Fall kam es letztlich zu einem Konflikt, der uns geschadet hat. Der Konflikt fand eher in Hannover als in Köln statt.

Wie sehen Ihre Kompetenzen aus? Sind Sie als niedersächsischer Ditib-Landesverband völlig frei von Entscheidungen der Kölner Ditib-Zentrale?

Wir sind Landesverband von einem Ganzen mit gleichen Zielen. Wir agieren nach unserer Satzung vor Ort – ähnlich wie alle bundesweit organisierten Vereine und Verbände.

Nun bekommen Sie Ihre Prediger, die Imame, aus der Türkei. Dort werden sie bezahlt und ausgebildet. Viele von ihnen sprechen noch nicht einmal Deutsch. Ist das ein guter Zustand?

Nein, es wäre natürlich besser, wenn wir auch Deutsch sprechende Imame hätten. Wir wollen schon lange, dass unsere Imame hier, das heißt in Deutschland, ausgebildet werden. Aber lange Jahre hat die Politik unsere Forderung überhört. Nun ist die Imam-Ausbildung eine sehr anspruchsvolle Angelegenheit, die ein vier bis fünf Jahre langes Theologiestudium und spätere, praktische Berufsausbildung voraussetzt. Zudem ist es schon eine teure Angelegenheit, einen studierten, gut ausgebildeten Imam zu beschäftigen. Deshalb sind wir froh, dass wir sie haben. Wenn man ehrlich und sachlich ist, muss man auch zugeben, dass diese Imame, auch wenn sie wenig Deutsch sprechen, besonders im Jugendbereich in Deutschland eine gute Prävention gegen Neigung zum Extremismus leisten.

Aber Sie wollen auch deutschsprachige Imame? Wie kommen Sie dahin?

Wenn wir eine anerkannte Körperschaft des öffentlichen Rechtes wären wie die Kirchen oder andere Verbände, könnte man über neue Lösungen nachdenken. Doch dieser Weg wird uns verwehrt .

Wie wollen Sie die Wogen glätten, die nach dem überraschenden Abgang von Yilmaz Kilic entstanden sind?

Wir werden unseren Kurs, den wir eingeschlagen haben, nicht ändern. Es ist in diesen Zeiten aber manchmal schwer zu vermitteln, weil man von beiden Seiten, der türkischen wie auch der deutschen, missverstanden und sofort in eine Ecke gestellt wird. Aber wir sind Muslime in Niedersachsen und werden uns weiterhin für die Belange vor Ort einsetzen. Die politische Beziehung zwischen der Türkei und Deutschland ist nicht unsere Angelegenheit. Aber wenn wir könnten, würden wir gerne zur Besinnung beider Länder beitragen. Wir wollen auf keinen Fall Spielball der Politik sein.

Von Michael B. Berger

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