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Welt Musik liegt in der Luft (IV)
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09:36 28.07.2018
Das deutsche Musikfernsehen findet künftig nur noch bei Casting-Shows, im Werbeblock und als Akustikbett für Räkel- und Duschsport statt. Ein Jammer! Quelle: Fotolia
Hannover

So findet das deutsche Musikfernsehen künftig wohl nur noch bei Casting-Shows, im Werbeblock und als Akustikbett für Räkel- und Duschsport zu nacktschlafender Zeit bei Sport 1 statt.

Eigentlich schade, denn so bricht nach Abendprogrammansage und Sendeschluss eine weitere Kunstform weg, ohne die es das Fernsehen in seiner gestrigen Form nie gegeben hätte: Vollplayback oder So-tun-als-ob-Singen, kurz: Staos.

Kein Chaos dank Staos, sagten die Fernsehmacher, drückten Sängern mit Gesangsdefiziten tote Mikrofone in die Hand, knoteten das andere Kabelende ans nächste Studiogeländer und ließen sie tonlos singen – lipsync. Oder Cantomime, wie der italienische Vollplaybacker sagt.

Musik und Humor

Wir feierten pathetische Lippensynchroniker in weißen Dinnerjackets und Hemden aus 100 Prozent atmungspassivem Perlon mit Kragen wie Kampfjetflügel. Wir bestaunten schulterbepolsterte Frauen, die mit fischartiger Mundraumgymnastik versuchten, dem Gesang aus den Lautsprechern hinterherzuhecheln.

Das konnte gelingen, musste aber nicht. Legendär der Auftritt von Prinzessin Stephanie von Monaco 1986 in der Sendung “Känguru“, bei dem sie ihren Hit “Irresistible“ so unwiderstehlich fand, dass sie bei der Gesangsdarstellung die Zähne nicht auseinanderbekam oder an den falschen Stellen und das Sendungsmotto “Musik und Humor“ perfekt umsetzte.

Vollplayback ist natürlich viel einfacher als es aussieht. Wer zu tief synct, atmet zu viel Luft ein, verschluckt sich und beginnt zu husten, was außer bei Joe Cocker zweckfremd und entlarvend ist.

Die Kenntnis des Textes ist von Vorteil

Wichtig für ein gelungenes Vollplayback waren darüberhinaus auf Sängerseite a) die Kenntnis des Textes, b) die Kenntnis des Liedes c) die Kenntnis desjenigen, der das Vollplayback tatsächlich eingesungen hat, d) speichelfreies Atmen und e) Spaß an Musik.

Auf Technikerseite kamen hinzu a) die Kenntnis des geplanten Interpreten mit besonderer Berücksichtigung des Kriteriums männlich/weiblich und b) eine störungsfreie Abspielmöglichkeit des Vollplaybacks.

Nur talentierte Künstler können Hänger im eingespielten Lied als gewollt interpretieren. Minutenlang. Stundenlang. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann syncen sie noch heute.

Von Uwe Janssen

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