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Welt Knoten, was das Zeug hält
Mehr Welt Knoten, was das Zeug hält
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16:26 24.06.2018
Mehr als nur ein lässiges Detail: T-Shirts werden diesen Sommer wieder geknotet. Quelle: unsplash/Daniel Garcia
Hannover

Im negativen Sinne ist er freiheitsraubend und symbolisiert ein nur mühsam zu bewältigendes Hindernis. Wir möchten ihn dann entwirren, lösen, durchschneiden oder auch zum Platzen bringen. In vielerlei Hinsicht jedoch ist der Knoten, von dem es geschätzt rund 4000 Grundformen gibt, geradezu lebenswichtig: Segler machen ihr Boot mit einem Palstek fest, Kletterer sichern sich mit Prusikknoten, Chirurgen vernähen Wunden mit dem Ligaturknoten.

Ein Knoten gewährt Sicherheit, verbindet Dinge. Was wäre unser Alltag ohne ihn? Ein haltloses Chaos. Und so stellen Anthropologen den etwa vor 100 000 Jahren lebenden unbekannten Erfinder des Knotens auf eine Stufe mit den ersten Menschen, die lernten, das Feuer zu beherrschen, und das Rad entwickelten.

In diesem Sommer kommt dem Knoten auch modisch viel Bedeutung zu. Verwicklung von Kopf (Dutt) bis Fuß (Sandalen mit Schnüren) ist angesagt. Und auch dazwischen wird geknotet, was das Zeug hält.

Einfach im Kleiderschrank von Freund oder Vater bedienen

Was in Paris und Mailand schon im vergangenen Jahr zum Streetstyle-Look von Frauen gehörte, hat 2018 nun auch Deutschlands Fußgängerzonen erreicht: Knapp über oder unter dem Bauchnabel geknotete T-Shirts. Geht natürlich nicht in Size Zero. Da braucht es schon richtig viel Stoff.

Und so raten einschlägige Modemagazine und -blogs dazu, sich einfach im Kleiderschrank von Freund oder Vater zu bedienen. Beschränkt sich die Ausbeute dabei nur auf peinliche Motto-Shirts, lassen sich auch Hemden umfunktionieren.

Was unkompliziert klingt, scheint in der Praxis eine Wissenschaft für sich zu sein. Die Zahl der Tutorials, Fotos und Ratschläge im Internet zum Zusammenbinden von Hemd- oder Shirt-Zipfeln kann es durchaus mit der Masse an Anleitungen für einen Krawattenknoten aufnehmen.

Nicht nur T-Shirts, auch Blusen machen verknotet eine gute Figur. Quelle: unsplash/Kristina Bratko

Doch während es für diesen immerhin 85 Methoden gibt, schafft es der T-Shirt-Knoten kaum auf ein Dutzend Varianten. Es gibt unterschiedliche Nuancen beim Straffziehen und geteilte Auffassungen darüber, ob man den überhängenden Zipfel baumeln lässt oder einfach mitverknotet. Seitliche Knoten oder ein Knäuel auf dem Rücken gelten als besonders raffiniert. Ebenso Knoten im Ärmel.

Wem das zu kompliziert ist, kann sich auch im Laden einfach ein vorgefertigtes “Knotted Top“ oder auch Hemdblusenkleider und Röcke mit ineinander verschlungenen Stoffbahnen kaufen. Da ist der Knoten quasi im Preis inbegriffen. Und obendrauf gibt es noch eine Haltbarkeitsgarantie, weil er nicht nur stramm gezogen, sondern festgenäht ist.

Die letzte Knoten-Manie wurde ausgelöst von “Dirty Dancing“

Aber wozu das alles? “Um deine Alltagskleidung aufzupeppen“, heißt es unter anderem auf der Seite von Mode-Influencerin Chiara Ferragni. Man wirke dadurch “feminin, interessant, aber nicht overdressed“. Ein Hingucker ist er allemal, der Knubbel am Bauch oder am Rocksaum, der stark an Urgroßmutters berühmte Gedächtnisstütze (Knoten ins Taschentuch!) oder an die Enden eines Nuckeltuchs für Babys erinnert.

Apropos Baby: Die letzte Knoten-Manie herrschte Ende der achtziger Jahre, nicht zuletzt ausgelöst vom Kinostreifen “Dirty Dancing“. Doch in Sachen Style blieben die hochgeknoteten Blusen und T-Shirts der schwitzenden Tänzer im Film, einschließlich Jennifer Grey als “Baby“, schon damals unerreicht.

Das ist bis heute so. Vielleicht funktioniert der Look tatsächlich nur perfekt, wenn man sich tanzend oder hula-hoop-schwingend durch die Gegend bewegt.

Von Kerstin Hergt

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