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Welt Der Höhepunkt der DFB-Krise
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20:46 23.07.2018
Mesut Özil Quelle: dpa
Hannover

Was ist los mit dem deutschen Fußball? Konkreter: Was treibt eigentlich die Spitze des DFB? Der Fall Özil ist nur der vorläufig letzte Höhepunkt einer Serie von Fehlleistungen und Selbstüberschätzungen. Wenn in einem Wirtschaftsunternehmen das wichtigste Produkt bei der wichtigsten Veranstaltung versagt, steht das Management zur Disposition. Im Fall des erfolgsverwöhnten DFB ist das Äquivalent: sang- und klangloses Vorrunden-Aus der Nationalelf bei der Weltmeisterschaft.

In einer Kontroverse liegen mitunter auch beide Seiten falsch. Das gilt auch in diesem Fall. Die Selbstinszenierung von Mesut Özil erst mit dem türkischen Staatspräsidenten, dann die Social-Media-Show am Wochenende zeigt, wie schlecht beraten er war.

Jogi wird es richten

Aber wie gut beraten sind eigentlich Grindel und Co.? Die einzige laut zu vernehmende Reaktion von Manager Bierhoff und dem Verbandsboss war, die Schuld Özil zuzuschieben. Keine Selbstkritik, ein paar Rücktritte in der dritten Reihe, nur ein Weiter-so. Der Jogi wird es schon richten. Gibt es eigentlich irgendwelche Selbstreinigungskräfte innerhalb des weltweit größten Sportverbands, die wirken, um ein WM-Desaster wie dieses Mal zu verhindern? Die sich und ihr Tun infrage stellen?

Dabei war schon vor der WM klar: Der deutsche Fußball wirkt immer seelenloser. Irrsinnige Transfersummen, ständig wechselnde Anstoßzeiten mit einer einhergehenden Aufsplittung der Spieltage, öffentliches Geschacher um die Erhaltung oder Abschaffung der 50+1-Regel, also der Regel, die es Investoren untersagt, die Mehrheit an einem Verein zu übernehmen, Preiserhöhungen bei Eintrittskarten und Trikots. Der DFB kommt in dieser neuen Fußball-Welt, die die Topligen in England, Frankreich und Spanien vorgeben, nicht mehr mit. Einzig Bayern München kann in der Preisklasse noch mitspielen.

EM 2024 – alles auf dem Prüfstand

Als die Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland vergeben wurde, lief der deutsche Fußball zu großer Form auf. Vieles wurde umgekrempelt: die Nachwuchsarbeit, die Exzellenzförderung, die Trainingsmethoden – bis 2014, als Deutschland Weltmeister wurde. In diesem Triumph haben sich die DFB-Verantwortlichen, aber auch die Spieler gesonnt. Neuanfang, Innovation, das System zukunftsfähig machen – brauchen wir nicht.

Womöglich gibt es bald wieder diesen Moment wie 2006. Mit der Bewerbung für die EM 2024 – ausgerechnet mit der Türkei als Konkurrenten – muss der DFB alles auf den Prüfstand stellen. Sportlich, organisatorisch, personell. Wenn der Verband diese Gelegenheit verpasst, wird es in naher Zukunft schwer werden, mit den großen Nationen wieder mitzuhalten.

Von Manuel Becker

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