Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Welt AKK wird neue CDU-Chefin – mit nur 35 Stimmen Vorsprung
Mehr Welt AKK wird neue CDU-Chefin – mit nur 35 Stimmen Vorsprung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:42 07.12.2018
Die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer wischt sich nach ihrer Wahl auf dem CDU-Bundesparteitag die Tränen aus den Augen. Quelle: dpa
Berlin/Hamburg

Für die CDU beginnt eine neue Zeit: In einer Stichwahl um den Parteivorsitz setzte sich die bisherige Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer mit nur 35 Stimmen Vorsprung gegen den einstigen Unionsfraktionschef Friedrich Merz durch. Mit 51,75 Prozent wählten sie die 999 Delegierten auf dem Hamburger CDU-Bundesparteitag zur Nachfolgerin von Angela Merkel, die nach 18 Jahren die Spitze der Union verlässt. Merz hatte mit 48,25 Prozent der Stimmen nur hauchdünn hinter der Merkel-Vertrauten gelegen.

Nach ihrer Wahl beschwor Kramp-Karrenbauer vor allem die Einheit und Geschlossenheit der Union. Dabei sollten auch ihre Konkurrenten eine Rolle spielen: „Ich würde mich sehr freuen, wenn sowohl Jens Spahn als auch Friedrich Merz an dieser Aufgabe mitarbeiten“, sagte die neue Parteichefin. In ihrer Bewerbungsrede hatte die ehemalige Ministerpräsidentin des Saarlands die CDU zudem zu mehr Mut und Selbstbewusstsein aufgerufen. Die Partei dürfe nicht Schwarzmalern hinterherlaufen, sondern müsse mutig auch gegen den Zeitgeist Kurs halten, so Kramp-Karrenbauer.

Merz: „Die braucht einen Strategiewechsel“

Friedrich Merz hatte in seiner Rede vorab betont, dass er der CDU wieder Wahlergebnisse um die 40 Prozent zutraue. Dafür sei jedoch ein schärferes Profil nötig. „Ohne klare Positionen bekommen wir keine besseren Wahlergebnisse“, hatte er betont. Die CDU brauche einen Strategiewechsel in Umgang mit Bürgern und Wählern sowie mit dem politischen Gegner, den er aber in SPD, Grünen und FDP sehe. Die AfD-Wähler müsse die CDU derweil zurückzuholen, was ihr bisher zu wenig gelinge.

Bereits im ersten Wahlgang hatten die meisten Delegierten für Kramp-Karrenbauer gestimmt: Sie hatte mit 45 Prozent vorn gelegen, gefolgt vom einstigen Unionsfraktionschef Friedrich Merz mit 39,2 Prozent und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, dem mit 15,7 Prozent der Stimmen ein Achtungserfolg gelang. Für einen Sieg im ersten Wahlgang wäre eine absolute Mehrheit von 500 Stimmen nötig gewesen.

Für die CDU war es ein historischer Tag: Es war das erste Mal in der CDU-Geschichte, dass es zu einer Stichwahl um den Parteivorsitz kommt und immerhin das erste Mal seit 1971, dass die Delegierten zwischen mehreren Kandidaten entscheiden konnten. Zudem war am Vormittag Noch-Bundeskanzlerin Merkel, die nicht erneut für den Vorsitz angetreten war, verabschiedet worden. Nach ihrer Abschiedsrede wurde sie vom Parteitag mit einem knapp zehnminütigen, stehenden Applaus bedacht und in etlichen Reden mit Dank bedacht.

Merkel warnt vor „nicht enden wollendem Streit“

Zuvor hatte sich Merkel, die nach wachsender Kritik und den Wahlschlappen Ende Oktober ihren Rückzug erklärt hatte, mit einer selbstbewussten, humorvollen Rede nach 18 Jahren an der Spitze von der CDU verabschiedet. Sie hoffe, dass die CDU trotz des Wettbewerbs um die Parteispitze mit Geschlossenheit und Kompromissfähigkeit in die nächsten Wahlkämpfe gehen wird. „Wohin uns nicht enden wollender Streit führt, das haben CDU und CSU in den letzten Jahren bitter erfahren“, sagte Merkel in Anspielung auf den Asylstreit von diesem Sommer und die Abstürze der Union bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen.

Merkel betonte ihre Erfolge und wies den Eindruck zurück, sie und ihre Partei hätten sich über die Jahre entfremdet. Zwar habe man habe einander viel zugemutet, aber auch viele richtige Weichenstellungen getroffen. Für die Zukunft wünsche sie sich eine CDU, die sich für den Zusammenhalt in der Gesellschaft einsetzt, sagte Merkel. „Wir Christdemokraten grenzen uns ab, aber niemals aus.“ Die Zukunft gestalte man nicht mit Missgunst und Zwietracht, sondern nur mit Zuversicht und Freude. Der CDU werde sie verbunden bleiben. „Ich bin von einem einzigen Gefühl erfüllt – von dem Gefühl der Dankbarkeit“, sagte Merkel. „Für meine Verbundenheit mit der Partei brauche ich keinen Parteivorsitz – und Bundeskanzlerin bin ich ja auch noch.“

Am Samstag Debatte zum UN-Migrationspakt

Neben dem Chefposten, fünf Stellvertretern, dem Schatzmeister und fünf weiteren Präsidiumsmitgliedern sollten am Freitag und Samstag in Hamburg auch 26 Mitglieder des Bundesvorstands sowie 19 Beisitzer gewählt werden.

Am Samstag soll sich der Parteitag dann auch mit inhaltlichen Anträgen befassen. So soll nach dem Willen des Bundesvorstands ein Beschluss zum umstrittenen UN-Migrationspakt gefasst werden. Die Wähler reagierten bislang positiv auf die Wechselstimmung bei den Christdemokraten: Im neuen ARD-Deutschlandtrend gewannen CDU und CSU vier Prozentpunkte hinzu und kamen somit auf 30 Prozent.

Lesen Sie auch: Dafür steht die neue CDU-Vorsitzende

Von Steven Geyer

Das Versinken der A 20 im Moor bei Tribsees in Mecklenburg-Vorpommern ist die Folge falschen Bauens im Moor. Zu diesem Schluss kommen drei Ingenieure. Das angewandte Verfahren war demnach von vornherein ungeeignet.

07.12.2018

Wie herzlos: Unbekannte haben in Wittenberg in Sachsen-Anhalt vier Hundewelpen in einem Pappkarton neben einem Supermarkt ausgesetzt.

07.12.2018

Angela Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer mussten beide mit den Tränen kämpfen. Die eine tritt nach 18 Jahren mit Worten der „Ehre“ vom Parteivorsitz zurück. Die andere setzt sich in einem Wahlkrimi durch. Ein Überblick über die wichtigsten Momente.

07.12.2018