Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Medien Schuld und Sühne
Mehr Welt Medien Schuld und Sühne
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:12 10.09.2014
... und die Fernsehversion: Robert Dühring (Oliver Mommsen, links) soll dafür sorgen, dass sein Bruder verschwindet. Quelle: ARD

Es ist eine große Last. So wie die Matratze, die Emma Sulkowicz in den USA täglich und überall mit sich herumschleppt. Tag und Nacht. Auf der Straße. Zu Hause. Mit dem Sinnbild der Matratze macht die 21-jährige Studentin der Columbia University in New York in diesen Tagen darauf aufmerksam, dass sie vergewaltigt wurde. In ihrem eigenen Bett. Und dass die Universität den Täter noch immer nicht exmatrikuliert hat, sie ihm also weiter begegnen muss. Dabei will kaum jemand einen solchen Menschen in seiner Nähe wissen, schon gar nicht sein Opfer.

Eine zweite Chance für einen Vergewaltiger? „Nein danke“, sagt der überwiegende Teil der Gesellschaft, fast immer. Allerdings beinhaltet das deutsche Rechtssystem auch das Recht auf Resozialisierung. Doch im Falle einer Vergewaltigung stößt es - oft ungeachtet der einzelnen Umstände - an die Grenzen der Akzeptanz.

Das ARD-Drama „Ein offener Käfig“ wirft heute Abend die Frage auf, wie es gelingen kann, einen Sexualstraftäter wieder in Familie und Gesellschaft zu integrieren. Eine Geschichte, die sich sich vor wenigen Jahren in der Realität ganz ähnlich abgespielt hat. Die im Anschluss gesendete Doku „Wieder draußen“ greift den schwierigen Fall im Ort Randerath auf. Hier demonstrierten die Bewohner mehr als zwei Jahre lang gegen den Zuzug eines entlassenen Sexualstraftäters, der bei seinem Bruder untergekommen war. Der Fall versetzte den Ort in einen Ausnahmezustand, die Volksseele kochte.

So ähnlich geht die Geschichte auch im Film: Robert Dühring (Oliver Mommsen) führt im Grunde ein angenehmes Leben. Er leitet ein florierendes Autohaus, lebt mit seiner schwangeren Freundin Lisa (Anna Schudt) und deren Tochter in seinem Haus. Bis eines Tages sein Halbbruder Georg (Martin Feifel) vor der Tür steht. Georg hat vor vielen Jahren drei junge Frauen brutal vergewaltigt. Nach der Sicherungsverwahrung ist er wieder auf freiem Fuß und hat einen Platz in einem Therapiezentrum erhalten. Allerdings wird der erst in ein paar Wochen frei. Solange soll Georg bei Robert wohnen, so hat es das Gericht festgelegt. Das lange gehütete Geheimnis um Georg kommt schnell ans Licht. Kurz darauf formieren sich die ersten Proteste in der bis dahin idyllischen Kleinstadt. Im Ort macht sich eine pogromartige Stimmung breit.

Leichte Unterhaltung ist dieser Film nicht. Angesichts des hochbrisanten Themas ist die Art und Weise der Erzählung angenehm unspektakulär und parteilos. Sowohl die Seite des Täters als auch der Opfer wird offen dargestellt. Das Drama fesselt auch durch die grandiose Leistung der Schauspieler. Das bereits prämierte Drehbuch von Holger Joos lässt Raum für eigenes Nachdenken. Etwa durch den Auftritt von Katja, der Frau von Roberts bestem Freund Micha. Quasi still schreiend schildert Katja (Catherine Flemming) sehr plastisch die Leiden von Vergewaltigungsopfern. Auch sie trägt diese Qualen offensichtlich mit sich herum.

Auch die Seite von Georg wird gezeigt. Dass er als Kind jahrelang vom eigenen Vater gepeinigt wurde. Dass er die Therapie erfolgreich absolviert hat. Dass er selbst so etwas nicht wieder tun will. Dass die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall recht gering ist. Nur will in solch einem Fall eben niemand mit einem Restrisiko leben. Eine zweite Chance? Ja, aber bitte nicht bei mir. Doch wo dann? Und wie? Vor allem, da eine zweite Chance bei dieser Art des Verbrechens sehr schwierig zu gewähren ist. Während der Täter nach verbüßter Strafe wieder in Freiheit schlafen können soll, liegt das Opfer in gewisser Weise innerlich noch immer unter der Matratze.

Medien TV-Serie „Mord mit Aussicht“ - Der Antiheld aus der Eifel

13 neue Folgen der Serie „Mord mit Aussicht“ zeigt das Erste von heute an. Es drohen ermordete Callboys, alte Moorleichen und erschlagene Frittenbudenbesitzer – aber auch das Ende der Serie?

09.09.2014
Medien Der RTL-Fußballabend - Der gewisse Schuss Ballaballa

Der fünfstündige Mammutblock zerfiel in drei Teile: das hibbelige und zugleich zähe Vorspiel, den ordentlichen Liveübertragungsblock und ein skandalisiertes Finale. Eine TV-Kritik zur RTL-Fußballberichterstattung.

09.09.2014
Medien Änderung beim Online-Dienst - Twitter-Nutzer bekommen gezielt Werbung

Twitter will zögerliche Nutzer in Deutschland stärker für seinen Dienst gewinnen. Dabei umgarnt das Unternehmen auch Werbetreibende. Sie können ihre Botschaften gezielt an bestimmte Nutzer bringen.

08.09.2014