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Medien „Tagesthemen“ berichten über Freiburg-Mord
Mehr Welt Medien „Tagesthemen“ berichten über Freiburg-Mord
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08:15 06.12.2016
„Tagesthemen“-Moderator Ingo Zamperoni  Quelle: dpa
Hamburg/Freiburg

 „Es liegt ein Schatten über Deutschlands Sonneneck.“ So beginnt ein knapp zweieinhalb Minuten langer Beitrag, der am Montagabend in den ARD-“Tagesthemen“ zu sehen war. Thematisiert wird darin der Sexualmord in Freiburg – eine Tat, die die ARD in ihren Nachrichtensendungen bislang nicht aufgegriffen hatte und dafür seit Samstag scharf kritisiert wurde. Konkret geht es um die Festnahme eines 17 Jahre alten Mannes aus Afghanistan, der am Freitag verhaftet wurde. Der 2015 als unbegleiteter Flüchtling eingereister Mann wird verdächtigt, im Oktober eine 19 Jahre alte Studentin in Freiburg vergewaltigt und ermordet zu haben.

Sachliche 150 Sekunden

Am Samstag hatte die „Tagesschau“ in ihrer Sendung um 20 Uhr darauf verzichtet, über die Festnahme des Tattatverdächtigen zu berichten. Am Montag erfolgte der Umschwung: In den ARD-Tagesthemen wurde der Fall dann zweimal aufgegriffen. In einem Interview sprach „Tagesthemen“-Moderator Ingo Zamperoni Kanzlerin Angela Merkel auf den Mordfall in Freiburg an. "Es bleibt ein tragisches Ereignis, das aufgeklärt werden muss und über das man auch ganz offen sprechen muss", so die Kanzlerin.

Im Anschluss folgte ein knapp zweieinhalbminütiger, sachlicher Beitrag über den Mordfall, die Empörung - und die politische Dimension des Falles. AfD-Politiker Jörg Meuthen kritisiert die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin. „Wenn Sie unkontrolliert hunderttausende junger Männer unbegleitet einreisen lassen, ist es naheliegend, das so etwas passiert“, so der Fraktionsvorsitzende der AfD Baden-Württemberg. SPD-Chef Sigmar Gabriel hält dagegen. „Auch Ausländer begehen solche Straftaten aber auch leider Deutsche. Aber das jetzt zu instrumentalisieren – auf dem Rücken des Opfers – finde ich unerhört“, sagt Gabriel.

Zamperoni: Fall hat eine „politische Dimension

Die Kritik an der ausbleibende Berichterstattung in den Tagesthemen griff Zamperoni in seiner Anmoderation auf. „Weder als der Mord begangen wurde, noch als der Täter gefasst wurde, haben wir berichtet. Das wird uns seitdem von manchen Zuschauern vorgeworfen“, sagte Zamperoni. Die Kehrtwende sei nun erfolgt, weil der Fall nun „politische Dimension“ habe, weil Opfer und Täter zugleich mittlerweile „instrumentalisiert“ würden.

Zamperoni folgte damit der Erklärung, die ARD-Aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke zuvor abgegeben hatte. „Das hat jetzt eine Schwelle überschritten, so dass wir eine gesellschaftliche Diskussion haben“, sagte Gniffke.

Am Wochenende hatte die ARD die ausbleibende Berichterstattung unter anderem damit begründet, dass der eine eher „regionale Bedeutung“ habe, zudem gelte bei dem noch minderjährigen Verdächtigen „der besondere Schutz von Jugendlichen“. In den sozialen Netzwerken und in anderen Medien wurde die ARD dafür heftig kritisiert.

CDU-Politiker nennt ARD-Entscheidung „fatal“

Die Debatte in der Politik über die ARD-Entscheidung geht derweil – ungeachtet der nun erfolgten „Tagesthemen“-Berichterstattung weiter. Kritik kommt vom Vorsitzenden des Bundestags-Innenausschusses, Ansgar Heveling (CDU). Der Fall der vergewaltigten und getöteten Studentin sei schon vor der Festnahme eines 17-jährigen Flüchtlings in ganz Deutschland präsent gewesen, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag). „Ich halte die Entscheidung der Tagesschau deshalb für falsch, weil sie natürlich den Eindruck erweckt, man wolle nicht berichten, weil der Tatverdächtige ein unbegleiteter minderjähriger Asylbewerber ist. Ein solcher Eindruck ist fatal“, meinte Heveling, der auch Unions-Obmann im Kultur- und Medienausschuss ist.

Der medienpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Martin Dörmann, sprach von einem „Grenzfall“. „Die Kritik an der Entscheidung der Tagesschau ist zwar verständlich. Es wäre aber genauso ein schiefes Bild entstanden, wenn über diesen Mord berichtet worden wäre, aber über andere Mordfälle nicht“, sagte Dörmann der Funke Mediengruppe.

Von zys/RND/dpa