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Mehr Welt Medien Ein schwarzes Mädchen zieht bei Nazis ein
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21:54 11.02.2016
Lara (Nomie Lane Tucker) und Thomas (Edin Hasanovic) können nicht fassen, dass sie Vater und Tochter sind. Quelle: C.Pausch-Fotografie/dpa
Hannover

Vor zwei Jahren saßen Fernsehproduzent Uwe Urbas und Drehbuchautor Manuel Meimberg zusammen, die beiden sprachen über mögliche Stoffe. Meimberg schlug etwas vor, zwei Männer und ein Kind. Urbas sagte: "Das interessiert doch keinen. Es sei denn, die Männer sind Nazis, und das Kind ist schwarz." Irgendwer muss dann noch gesagt haben: Genau! Das ist es!

Fernsehserie auf Youtube

Und das ist es wirklich. Das ist die Minifernsehyoutubeserie "Familie Braun". Achtmal sechs Minuten, seit Freitag im Netz und vom kommenden Freitag an in Doppelfolgen im ZDF zu sehen.
Zwei Nazis und ein schwarzes Kind – verrückt? Nein. Witzig. Rasant. Und: gut.

Dass da Leute am Werk sind, die ihre Filme nicht nach Schema F basteln, merkt man gleich in den ersten Minuten. Da ist die kleine schwarze Lara gerade in der WG der jungen Neonazis Thomas und Kai angekommen und schaut auf ein riesenhaftes Hitler-Plakat. "Warum guckt er so traurig?", fragt sie. Konventionelle Autoren hätten dem Mädchen ein Wort wie "böse" oder "unfreundlich" in den Mund gelegt. Doch dies ist eine gute Serie.

Sie lässt es ein Kind knapp und sachlich auf den Punkt bringen: Hitler war der größte Verbrecher der Menschheit, wahrscheinlich außerdem extrem unsicher, geltungssüchtig, ein Kretin – und traurig. Erbarmungswürdig traurig. Er wäre ein Fall für Mitleid, wenn er nicht so ein Massenmörder gewesen wäre.

Die etwas andere Familiengeschichte

Die Story, die in den gut 40 Minuten erzählt wird: Vor Jahren hat Neonazi Thomas Braun (Edin Hasanovic) sturzbetrunken mit einer jungen Dame aus Eritrea rumgemacht. Jetzt steht diese Dame vor seiner Tür. Sie wird abgeschoben – "Ausländer raus, das kennste doch" – und lässt ihm die gemeinsame sechsjährige Tochter Lara (Nomie Laine Tucker) da. Plötzlich ist Thomas also Vater.

Und was vorher so einfach war und so schön provokativ und stark wirkte, in der Bahn den Arm hochzureißen und mit Molotowcocktails rumzuwerfen und Parolen zu brüllen und zu saufen, das erweist sich nach und nach als banal und aufgesetzt.

Thomas beginnt es zu ahnen, während er Lara zum Einschlafen Geschichten vorliest, nachdem die Versuche, das Kind loszuwerden, gescheitert sind. Und Kai (Vincent Krüger), der das auch ahnt und obendrein spürt, dass er seinen Nazifreund Thomas verlieren wird, wird wütend. Nein: Er wird traurig. Wie Hitler. Aber er verhüllt die Traurigkeit mit Wut.

Als Hitler zum Schulkarneval?

Und all das ist sehr lustig. Das Team um Regisseur Maurice Hübner hatte eine Menge hübscher Einfälle. Kai: "Du hast eine Negerin geknallt!?" Thomas: "Die war damals heller!" Oder: Kai zeigt stolz sein Tattoo, eine Wolfsangel, ein SS- und Hitlerjugendsymbol. Lara: "Bei mir würde man das gar nicht sehen." Oder: Lara will als Hitler zum Schulkarneval gehen, das ist natürlich nicht möglich, also bekommt sie ein Marienkäferkostüm, hergestellt aus einer Hakenkreuzfahne.

Nach und nach verändert sich durch das kleine Mädchen die Naziwelt immer mehr. Der Junge, der sie ärgert, wird das nie wieder tun, und der Lehrer, der plötzlich komische Ansichten äußert, hält sich damit künftig vermutlich auch zurück.

Am Schluss ziehen Thomas und Lara aus der WG aus. Das war zu erwarten. Und Kai hofft auf einen neuen Lebensabschnitt. Den bekommt er auch, aber nicht so, wie er es erwartet. Das ist dann ein bisschen überdreht, aber nun, eine Spur verrückt sollte alles ja ohnehin sein. Bleibt die Frage: Darf man über Nazis lachen? Nein. Darf man nicht. Man muss.

Von Bert Strebe

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