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Medien Monster gibt es nicht
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19:12 19.02.2015
Von Wiebke Ramm
Warten auf das Urteil: Anwalt Friedrich Kronenberg (Moritz Bleibtreu, l.) und der Angeklagte Thorsten Paulsberg (Devid Striesow). Quelle: ZDF

Neulich im Zug. Ein junger Mann um die 20 hält „Schuld“ in den Händen, die Kurzgeschichtensammlung des Berliner Strafverteidigers und Schriftstellers Ferdinand von Schirach. Er ist versunken in seine Lektüre, blättert weiter, beginnt die nächste Geschichte. Plötzlich hält er inne und sagt: „So krasse Geschichten. Eigentlich müsste man jede einzelne erst mal sacken lassen. Aber das geht nicht, weil man immer weiterlesen muss.“

Das ist das Gute an der „Schuld“-Miniserie, die das ZDF ab Freitagabend zeigt: Jede Woche eine Geschichte, danach sieben Tage Gelegenheit zum Nachsinnen. Wenn man denn der Verlockung widersteht, sich nicht sofort alle Folgen in der ZDF-Mediathek anzusehen, die dort bereits abrufbar sind. Denn der Sog der Serie ist vergleichbar mit dem Sog des schirachschen Originals.

Bleibtreu macht Kronenberg lebendig

Das ZDF hat schon Schirachs Vorgängerband „Verbrechen“ zur Miniserie gemacht. „Schuld“ kommt nun deutlich zurückgenommener daher: weniger popartige Elemente, reduziertere Bildsprache, mehr Langsamkeit. Das Irritierende ist zunächst der großartige Moritz Bleibtreu. Schirach und Bleibtreu könnten kaum unterschiedlichere Typen sein: der eine ein reservierter Beobachter, der andere ein kontaktfreudiger Macher. Nun aber spielt Bleibtreu Schirachs Alter Ego, den Strafverteidiger Friedrich Kronenberg.

In Schirachs Erzählungen gibt der Anwalt fast nichts von sich preis. Nicht einmal einen Namen hat er, weil es nicht um ihn geht, sondern um etwas Größeres: um Wahrheit und Gerechtigkeit, um Schuld und Sühne. Serienanwalt Kronberg hat nicht nur einen Namen, sondern auch einen guten, früh verstorbenen Freund, sogar ein Bett, in dem wir ihn schlafen sehen.

Bilder im Kopf

Das Risiko einer Literaturverfilmung sind die Bilder in den Köpfen der Leser. Kein Film, keine Fernsehserie wird sie jemals wiedergeben können. Gelungen aber ist eine Verfilmung, wenn sie das Gefühl trifft, das beim Lesen entsteht. Und das ist bei den meisten Folgen wirklich gelungen. Bei „Volksfest“ zum Beispiel, der Geschichte, die das ZDF ganz zuletzt, am 27.  März, ausstrahlt.

Acht Männer vergewaltigen eine junge Frau. Ein Mann, geschminkt wie die anderen, ruft die Polizei. Auf Rat ihrer Anwälte schweigen sie alle. Weil niemand weiß, wer der eine Unschuldige ist, werden alle neun laufen gelassen. Die Verbrecher werden nicht bestraft. Es ist schwer erträglich und trotzdem richtig. Der Zuschauer wird Abscheu, Mitleid, Hass empfinden und zugleich begreifen: Nur so kann der Rechtsstaat funktionieren.

Zwischen Blaskapelle und Bierseligkeit

Wer Strafprozesse verfolgt, lernt schnell: Es gibt keine Monster. Taten sind abscheulich, grauenhaft, furchterregend. Der Mensch aber bleibt Mensch. Je genauer wir hinschauen, umso klarer wird: Viel trennt uns nicht von den Tätern. Das Strafrecht begegnet menschlichem Irrsinn, sexuellen Abgründen, explodierenden Emotionen mit kühler Vernunft und eigener Sprache. Der Richter urteilt stellvertretend für die Gesellschaft, entwirrt das Knäuel aus Verzweiflung, Scham und Wut, bis nur noch die Schuld eines Menschen übrig bleibt, die er zu wiegen hat.

Wie schwierig das ist, zeigt jede der sechs 45-minütigen „Schuld“-Folgen eindringlich. Ein Paar liebt sich, quält sich trotzdem und bringt einen Dritten dadurch fast um („Der Andere“). Ein Mann verstrickt sich in Drogengeschäfte und greift zum Messer, um zu überleben („Schnee“). Ein Internatsschüler sehnt sich nach Anerkennung und stirbt fast daran („Die Illuminaten“). Eine Frau überwindet die Opferrolle und wird Täterin („Ausgleich“). Ein obdachloses Pärchen findet sein Glück über eine Leiche. Zunächst („DNA“). Und schließlich: „Volksfest“ – das Grauen zwischen Blaskapelle und Bierseligkeit.     

„Schuld“ | ZDF | Miniserie mit Moritz Bleibtreu | 
Ab Freitag, 21.15 Uhr     

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