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Medien Trash! Boom! Bang!
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18:07 21.06.2013
Von Imre Grimm
Sandnixen in Namibia: Moderator Andreas Jancke (Mi.) und die Kandidatinnen (v.l.) Fiona Erdmann, Conchita Wurst, Jordan Carver, Kader Loth, Sophia Wollersheim, Sarah Knappik, Barbara Engel, Miriam Balzcerek, Senna Gammour, Jinjin Harder, Sara Kulka und Ingrid Pavic. Quelle: RTL

Das menschliche Gehirn erbringt seine besten Leistungen bei Temperaturen zwischen 18 und 22 Grad. Darüber und darunter ist mit Einschränkungen zu rechnen. Bei Hitze erwärmt sich der Kopfinhalt und kann gefährlich anschwellen. Das Denkvermögen nimmt rapide ab, der Organismus wechselt in den „Notfallmodus“ und schaltet wie bei „Apollo 13“ alle Systeme ab, die nicht zum Überleben gebraucht werden.Die Folge: Der Geist kippt in den anaeroben Bereich wie ein stehendes Gewässer im August, nur ohne Frösche.

Möglicherweise ist das der Grund, warum private TV-Macher ihr Publikum im Sommer nicht gerade, sagen wir: überfordern. Ferienzeit – Zeit für anaerobes Fernsehen. Esprit und Genius sind im Urlaub, der Verstand hat hitzefrei. Stattdessen gibt’s bei RTL und Pro7 C-Prominente in Tigerbikinis, die in diversen Trash-Shows zeigen, wie man mit einem aktiven Wortschatz von 250 Wörtern und höchstens anderthalb redaktionellen Ideen leere Sendeplätze notdürftig so zuspachtelt, dass das Ganze gerade eben noch als Werberahmenprogramm taugt.
Sie sind selbst TV-Produzent? Sie wollen auch endlich Ihre eigene Sommer-Trash-Show? Dann beachten Sie folgende Tipps, und man wird sie in den Chefetagen von RTL bis SAT.1 als begnadeten Boulevardhandwerker feiern:

1.

Ganz wichtig: der Schauplatz! Die Menschen wollen keine Soap­sternchen in Schneeanzügen sehen, sondern Soap­sternchen im Bikini. Das bedeutet: Lofoten: nein, Mittelmeer: ja. Berge: nein, Strand: ja. RTL zum Beispiel schickt ab heute Abend allerhand plapperndes Personal ins Schwimmbad (Bikinis!), darunter den „Bachelor“ Jan Kralitschka, Moderator Carsten Spengemann, die „Bachelor“-Kandidatinnen Melanie Müller und Jinjin Irgendwas, Vox-Auswanderer und Grillsoßenfabrikant Konny Reimann und Bumsmusikfabrikantin Antonia aus Tirol. „Pool Champions – Promis unter Wasser“ heißt die Show (20.15 Uhr). Der Titel macht Hoffnung, aber sie tauchen wieder auf. In der Jury sitzt Franziska van Almsick, warum auch immer.

Am 10. Juli startet RTL dann gleich noch „Wild Girls – Auf High Heels durch Afrika“. Mit dabei: Bordellbesitzergattin Sophia Wollersheim, Kader Loth und drei PRO7-Models: Fiona Sowieso, Sarah Dingsbums und noch eine. Die „luxusverwöhnten Promi-Ladies“ (RTL) treffen mitten in der namibischen Wüste (Bikinis!) auf wilde Tiere, giftige Schlangen und erbarmungslose RTL-Redakteure. PRO7 arbeitet angeblich an einem Konkurrenzformat: „Reality Queens am Kilimandscharo“. Verkehrstipp: Umfahren Sie Afrika weiträumig.

2.

Prominent? Seien Sie nicht wählerisch! In Zeiten der Not muss man Kompromisse machen. Wenn Matze Knop Komiker sein kann, dann kann jeder prominent sein. Prominent ist alles, was a) Udo Walz kennt, b) mehr als 30 Follower bei Twitter hat und c) schon mal auf einem Robbie-Williams-Konzert war. „Alle C-Promis ausgebucht“, meldet „Bild“. Der Cousin der Freundin von Micaela Schäfer soll noch Zeit haben. Aber beeilen Sie sich. SAT.1 plant da auch was.

3.

Keep it simple! Bedenken Sie, wer Ihre Show sieht: rot gebrannte Eierlikörfreunde, die mit glasigen Augen auf den Bildschirm starren wie auf den Tablettknopf im Airbus während eines 18-stündigen Interkontinentalfluges. Diesen Menschen können Sie alles verkaufen. Die wollen nicht aufstehen, denn aufstehen bedeutet: Arbeit. Bewegung. Schwitzen. Schreckliche Dinge. Also überfordern Sie sie nicht. Der unvergessene Handlungs-
„Höhepunkt“ der PRO7-Sommershow „Die Alm“ war einst, als Prinz Frederic von Anhalt Kader Loth heimlich ins Badewasser pinkelte. Sie schlich sich dann tags darauf mit einer Schüssel Marmelade von hinten an und beschmierte sein Gesicht. Man sah sich dann vor Gericht. Man möchte kein Richter sein.

4.

Es muss wackeln! Was nützt der knappste Bikini, wenn es nicht wackelt? Also steckt RTL zwei Handvoll Nachwuchskräfte – darunter irgendeine Ramona, Oliver-Kahn-Ex-Freundin Verena Kerth, Giulia Siegel und Pietro „The Brain“ Lombardi – für eine Italienrundreise in einen Bus. „VIP – Promis auf Pauschalurlaub“ heißt die Show, Reiseleiterin ist Dragqueen Olivia Jones. Es geht um den Titel (Achtung!) „Pauschal-Promi 2013“. Das schmückt doch jeden Lebenslauf. Noch mehr wackelt es in „Clash! Boom! Bang! – Die Stunde der Abrechnung“ (Sonnabend, 22.30 Uhr, PRO7): Dann rutschen die Silikonheldinnen Micaela Schäfer und Gina-Lisa Lohfink  beim „Spüli-Curling“ in Autoreifen über eine Seifenpiste. Was machen Showredakteure eigentlich beruflich?

5.

Nicht vergessen: Sie meinen das alles natürlich ironisch! Also erheben Sie sich mit pseudowitzigen Off-Kommentaren über Ihre Protagonisten. Dokumentieren Sie mit einem plumpen Blödelsoundtrack Ihre innere Distanz zu dem Pack. Und spielen Sie die ersten vier Takte von George Michaels „Careless Whisper“, sobald sich zwei Teilnehmer auf 20 Zentimeter nähern (Zeitlupe nicht vergessen). Erwähnen Sie unbedingt (wie RTL im Presseheft), dass „Wild Girls“-Kandidatin Conchita Wurst einst „Schweinebauchprinzessin 1999“ war. Hihi.

6.

Kalkulieren Sie scharf! Das Controlling tut sein Bestes, aber noch kostet sogar Trashfernsehen echtes Geld. Die „Wild Girls“-Teilnehmerinnen bekommen angeblich 10 000 Euro Antrittsgage, dazu 2000 Euro pro Drehtag plus 30 000 Euro für einen Sieg. Hauptwährung ist aber natürlich der gesteigerte Bekanntheitsgrad.

7.

Deshalb: Gewinnspiel nicht vergessen! Und nichts Kompliziertes. Die Leute sollen ja anrufen. Fragen Sie zum Beispiel: „Sind die Antworten auf Quizfragen in TV-Gewinnspielen zu leicht? A) Ja – B) China.
Sie sind noch immer unsicher? Sie brauchen für Ihre Sendung professionelle Hilfe? Dann fragen Sie beim ZDF nach. Die kennen sich aus mit Sommershows.

Informationen sind im Netz zumeist kostenlos zu haben. Das erschwert die Bemühungen der Verlage, erfolgreiche Bezahlmodelle für ihre Titel einzuführen. Die Branche ist auf der Suche nach dem Königsweg.

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