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Medien "The Last of Us" im Test
Mehr Welt Medien "The Last of Us" im Test
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00:15 24.06.2013
Emotionales Abenteuer: Schwarzhändler Joel soll die 14-jährige Ellie in "The Last of Us" sicher nach Pittsburgh bringen. Quelle: Sony Computer Entertainment
Hannover

"Hamlet" oder "„Faust"“? "Citizen Kane" oder "Der Pate"? "Sgt. Pepper" oder "Dark Side of the Moon"? Ob Literatur, Film oder Musik: Die Frage nach dem Primus ist in jedem Medium umstritten. Im Videospielbereich soll sie – mal wieder – beantwortet worden sein. Das gerade erschienene Action-Adventure „The Last of Us“ für die Playstation 3 gilt laut Fachpresse als der beste Titel dieser Konsolengeneration. Im Durchschnitt bekam das neue Spiel des „Uncharted“-Entwicklers Naughty Dog 95 von 100 Wertungspunkten. Es sei eines der Spiele, die diese Generation definieren, befindet etwa die Spieleseite „Gametrailers“.

„The Last of Us“ ist in der Tat so etwas wie der Schwanengesang für die aktuellen Konsolen – denn es ist einer der letzten großen Titel, bevor Ende des Jahres die Playstation 4 und die Xbox One die nächste Generation einläuten. Das Besondere an „The Last of Us“ ist, dass in dem Titel viele Elemente kulminieren, die diese Spiele-Ära geprägt haben: Neben dem Gameplay und der technischen Präsentation ist das vor allem die Inszenierung der Handlung.

Vor dieser Generation dominierten in Spielen simple und klischeehafte Geschichten – oft von auserwählten Helden, die die Welt retten mussten. Ähnlich wie beim Fernsehen, wo im Jahr 1999 die US-Serie „Die Sopranos“ komplexe Handlungen und vielschichtige Charaktere etablierte, vollzog sich auch bei Videospielen ein Paradigmenwechsel. Spiele wie „Half Life 2“, „Bioshock“ und „The Walking Dead“ zeigten, dass das Medium enorm davon profitiert, wenn dem Storytelling mehr Bedeutung beigemessen wird und namhafte Autoren Geschichten schreiben, die tiefgründig und emotional sind.

In dieser Disziplin glänzt „The Last of Us“ besonders. Der Titel spielt in einem postapokalyptischen Szenario der nahen Zukunft. Nachdem sich ein infektiöser Pilz unter den Menschen ausbreitet und sie grausam mutieren lässt, flüchten die Überlebenden in Quarantäne-Zonen. Der Schwarzhändler Joel bekommt den Auftrag, die 14-jährige Ellie von Boston nach Pittsburgh zu eskortieren. Das mag nach Videospiel-Stereotypen klingen, entfaltet sich aber statt Zombie-Action als Endzeitdrama, das Parallelen zu Cormac McCarthys Pulitzer-Preis-gekröntem Roman „Die Straße“ aufweist. Dank des ausgefeilten Charakterdesigns, bei dem besonders das Verhältnis von Joel und Ellie im Fokus steht, entwickelt sich ein intensives und emotionales Abenteuer.

Auch beim Gameplay stellt „The Last of Us“ einen Querschnitt beliebter Elemente der Konsolengeneration dar. Schießereien wechseln sich mit Schleich-Sequenzen ab, in denen sich der Protagonist vor Feinden versteckt, ihnen auflauert und sie hinterrücks angreift. Per Knopfdruck kann Joel dabei in einen Lauschmodus wechseln, um Gegner in der Umgebung zu orten. Da Munition knapp bemessen ist, verwickelt der Protagonist die Gegner oft in Nahkämpfe. Bei der Inszenierung geizt das Spiel nicht mit Gewalt: Joel erwürgt seine menschlichen oder durch die Infektion entstellten Widersacher oder schlägt deren Kopf auf Boden oder Mobiliar, bis das Blut spritzt. 

Die besten Spiele dieser Konsolengeneration

"Grand Theft Auto IV" (2008, Xbox 360, Playstation 3, PC): Das Open-World-Action-Adventure von Rockstar Games ist ein spielerischer Kommentar auf den "American Way of Life". Der Nachfolger, der im September auf den Markt kommen wird, gilt schon vor dem Erscheinen als Anwärter auf den Titel des besten Spiels des Jahres.

"Call of Duty 4: Modern Warfare" (2007, Xbox 360, Playstation 3, PC): Die Shooter-Reihe polarisiert - Bombast-Action für die einen, simpler Hurra-Patriotismus für die anderen. Die Marke von Activision hat sich zur lukrativsten Spieleserie entwickelt.

"Super Mario Galaxy" (2007, Wii): Keine Bestenliste ohne Nintendos Maskottchen: Das 3D-Jump-'n'-Run von Altmeister Shigeru Miyamoto strotzt vor genialen Spielideen.

"Skyrim" (2011, Xbox 360, Playstation 3, PC): Das lang erwartete Rollenspiel von Bethesda ist wahrhaft episch: Wer die riesige Spielwelt von Himmelsrand erkunden will, kann mehrere hundert Stunden investieren.

"Minecraft" (2011, PC, Xbox 360): Das Indie-Spiel war die Überraschung des Jahres 2011. Der virtuelle Klötzchenbaukasten vom schwedischen Spieleentwickler Markus Persson hat ebenso Millionen Fans wie die Let's-Play-Serie des Spiels von Erik "Gronkh" Range auf Youtube.

Doch in „The Last of Us“ wird nicht nur gekämpft. Joel muss zusammen mit Ellie auch einige Schalter- oder Verschiebe-Rätsel lösen und Kletterpassagen meistern. Dass Joel im Verlauf des Spiels seine Fähigkeiten verbessern kann, zählt ebenso zu den Genre-Standards wie das Herstellen von Waffen oder Heilmitteln und ein implementierter Mehrspielermodus.

Fast schon selbstverständlich ist bei Videospielen mittlerweile die hervorragende Präsentation. Die Spielgrafik wirkt bei „The Last of Us“ sehr realistisch, und besonders die Zwischensequenzen lassen sich dank der geschmeidigen Animationen der Figuren kaum von einem Film unterscheiden. Dazu kommen die hervorragenden Synchronsprecher, die die zahlreichen Dialoge passend vertonen.

Maßstäbe setzt „The Last of Us“ zwar nur beim Entwickeln der Geschichte, doch auch die anderen prägenden Elemente der Generation – die Mischung aus Kämpfen und Schleichen, die Charakterentwicklung und die Präsentation – setzt das Spiel so gut um, dass die hohen Wertungen der Kritiker gerechtfertigt sind. „The Last of Us“ wird damit wohl auch künftige Spiele prägen.

Das birgt jedoch eine Gefahr: Kritische Stimmen bemängeln bereits, dass das Spiel zu wenig Neues bietet. Wenn die Titel der nächsten Generation die leistungsstärkere Technik nur für bessere Grafik nutzen und die beliebten Elemente lediglich wiederkäuen, droht das Medium auf der Stelle zu treten. Aber ein bisschen Raum für Verbesserungen muss es für die kommende Generation ja auch noch geben.

„The Last of Us“ gibt es für die Playstation 3. Es ist ab 18 Jahren freigegeben und kostet etwa 60 Euro.

Die nächste Konsolengeneration

Die Xbox 360 von Microsoft kam im Jahr 2005 auf den Markt und verkaufte sich ebenso wie die Playstation 3 von Sony, die ein Jahr später erschien, weltweit etwa 77 Millionen Mal. Nun haben Sony und Microsoft die Nachfolger angekündigt. Die Playstation 4 soll Ende des Jahres für 400 Euro in die Läden kommen, die Xbox One im November für 500 Euro. Am deutlichsten werden sich die künftigen Spiele von aktuellen Titeln durch die bessere Grafik unterscheiden, denn beide Konsolen werden technisch wesentlich stärker als die Vorgänger. Beeindruckend war in ersten Präsentationsvideos die Darstellung von menschlichen Gesichtern: Dank Details wie einzelnen Haaren oder Hautporen und flüssigen Animationen wirken sie besonders realistisch.

Während die Playstation 4 den Schwerpunkt auf Spiele legt, soll die Xbox One auch als Media-Center dienen, die nebenbei noch mit dem Fernsehen verknüpft und als Musikanlage dienen kann. Beide Konsolen bieten neben einem Blu-ray-Laufwerk eine Kombination aus Kamera und Mikrofon, mit der Spiele oder Funktionen via Gesten und Sprache gesteuert werden können. Im angekündigten Spiele-Portfolio sind bei beiden Konsolen sämtliche Genres vertreten: Von Rennspielen („Forza Motorsport 5“, „Driveclub“) über Shooter („Call of Duty: Ghosts“), Rollenspiele („Final Fantasy XV“) und Sportspiele „Fifa 14“) bis hin zu Action-Adventures („Assassin’s Creed 4“) wird das Repertoire reichen.