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Mehr Welt Medien So wird der Terror-„Tatort“ aus Dortmund
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18:49 17.04.2017
Im „Sturm“: Die Schauspieler Jörg Hartmann (v.l.n.r. Peter Faber), Anna Schudt (Martina Bönisch), Aylin Tezel (Nora Dalay) und Stefan Konarske (Daniel Kossik). Quelle: dpa
Dortmund

Wer jedes Mal einen Kurzen kippt, wenn einer „Arschloch“ oder „Scheiße“ sagt im Oster-„Tatort: Sturm“, muss schon so trinkfest sein wie Peter Faber (Jörg Hartmann). Der Kommissar und seine drei Kollegen sind diesmal aber alle nüchtern. Zwischen ihnen brennt wie sonst die Luft. Sie reden derbe, fluchen viel und brüllen. In dieser explosiven Stimmungslage werden nachts kurz vor der Dämmerung zwei Polizisten im Dienstfahrzeug erschossen. Von da an läuft der explosive Sonntagskrimi nahezu in Echtzeit.

Geplant war er ursprünglich als Katerkrimi für den 1. Januar. Doch aus Rücksicht auf die Opfer des Anschlags in Berlin verschob die ARD die „Tatort“-Reihenfolge. So läuft „Sturm“ nun zwar mit drei Monaten Abstand zum Lkw-Anschlag auf dem Breitscheidplatz am kommenden Sonntag, nur wenige Tage nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund. Eskalation als Dauerzustand. Diesmal aber, so versicherte es die ARD, bleibt es beim Ausstrahlungstermin.

Eine tickende menschliche Bombe

Im Krimi funktioniert das so: Am Tatort in einer urbanen Siedlung Dortmunds hat Faber gleich ein richtiges Gespür, sieht Licht in einer Bankfiliale, ein Mann überweist hastig Geld. Faber schreit, schlägt Scheiben ein, steigt durch, Alarm, Alarm, dann knöpft der Mann die Jacke auf – und entblößt einen Sprengstoffgürtel. Den Zünder hält er drohend in der Hand. Das ist das Grundmotiv des Films: die tickende menschliche Bombe. Jederzeit kann einer alles eskalieren lassen.

Faber, schlechthin Experte für impulsive Explosionen und Alleingänge, lässt sich ohne Waffe in die Bank einschließen und bequatscht Muhammad Hövermann (Felix Vörtler). Per Handy hält er Kontakt mit den Kollegen draußen (wie immer zynisch: „Bombenstimmung“ mit „gutem Draht“ zur Zielperson), wo SEK und LKA anrücken. Die Gefahrenlage ist akut, der Sprengstoffgürtel deutet auf einen terroristischen Anschlag hin. Vermummte Polizisten evakuieren das Gebiet. Überall blinken Blaulichtkegel, im Raum der Bankfiliale schrillt noch immer die Sirene. Hauptkommissar Peter Faber kombiniert, dass Hövermann selbst Opfer ist und fremdgesteuert wird. Radikale Jugendliche bedrohen seine Frau, für die Hövermann zum Moslem wurde. Dazu sagt der Konvertit: „Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben überhaupt an etwas geglaubt. Was diese Jungs wollen, hat mit Allah und dem wahren Glauben nichts zu tun. Das sind keine Gotteskrieger, das sind Teufelskrieger.“ Das Heil der Religion und deren Missbrauch sind also zusätzlicher Zündstoff in diesem aufgeladenen „Tatort“ (Regie: Richard Huber), der listig entlang solcher Linien taumelt.

„Das ist doch das Böse: Macht zu haben“

Und Parkaträger Faber darf sich weiter göttlich fühlen: „Dass jeden Moment alles vorbei sein könnte, ist doch ein geiles Gefühl. Noch geiler ist: Ich habe Macht in meinen Händen. Die da draußen haben gar nichts, aber ich. Das ist doch das Böse: Macht zu haben. Über andere, über Leben und Tod. Und die Angst zu genießen.“

Für Fabers liebsten Feind Daniel Kossik haben sich die Autoren Martin Eigler und Sönke Lars Neuwöhner einen mitreißenden Abgang ausgedacht. Dass er mit diesem zehnten Fall aus Dortmund die als Serie angelegte Reihe verlässt, kündigte Schauspieler Stefan Konarske im Sommer an. Er will sich mehr auf Projekte in Paris konzentrieren, wo er seit Jahren wohnt. Sein Daniel Kossik ist ohnehin mit sich selbst am Ende, das ganze Elend abzulesen in seinem leeren Blick. Doch bei all der Zerrüttung im Team: Der Verstand ist scharf und die Zusammenarbeit funktioniert noch einmal. Kossik und Faber verstehen sich über versteckte Zeichen, Martina Bönisch (Anna Schudt) und Nora Dalay (Aylin Tezel) bringen den Fall an jeweils anderen Fronten voran. Jeder ist für sich alleine unterwegs. Die Einheiten sind lange vorher schon zerrissen.

Am Ende trifft das Nora Dalay hart. Das Nichtgesagte wird plötzlich laut für sie und dessen Nachhall findet ziemlich sicher im elften Fall sein Echo. Ein „Tatort“ für Zuschauer, die sich gerne fesseln lassen.

Von Michaela Grimm

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