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20:05 20.01.2017
Augen zu und durch: Marc Terenzi (l.), Sarah Joelle Jahnel und Markus Majowski in der Dschungelprüfung. Quelle: RTL
Köln

Schreie des Entzückens hallen durch den Regenwald. Das ist nicht Tarzan, der sich jodelnd durch die Wipfel schwingt. Das sind Restpromis, deren seelische und körperliche Spannkraft nach einer Woche Reis und Bohnen schlaffer ist als das Bindegewebe von Mallorca-Jens. Schokolade, endlich Schokolade! Bilder des Glücks schwirren aus der Schwüle Westaustraliens in die Januarkälte der deutschen Heimat: Menschen am Limit beim Verzehr von Schokoriegeln aus einer Schatzkiste, für deren Platzierung Bahlsen einen hohen fünfstelligen Betrag an RTL überweist. „Silvester im Mund!“, schwärmt dafür ein Thorsten Legat in der letzten Staffel des „Dschungelcamps“. „Ein Geschmacksorgasmus!“, schnurrt Sophia von Wollersheim. So mag das die Werbekundschaft.

„Es gibt nichts Besseres, als wenn die Stars im Dschungel in unser Produkt beißen und dabei sehr euphorisch sind“, sagt nüchtern Bahlsen-Brand-Managerin Sonja van Daelen. In der aktuellen elften Runde der RTL-Dschungelsause steht die obligatorische „Pick Up“-Szene noch aus. Vielleicht auch, weil das Verwaltungsgericht Hannover 2016 entschied, dass die Schoki-Begeisterung vor drei Jahren am „Dschungeltelefon“ „eine übertriebene verbale Lobpreisung“ war. Die Schatzkistenszene dagegen: in Ordnung. Dem Sender kann’s egal sein: Für RTL ist der Dschungel eine einzige Goldgrube.

Für Werber ist die Sendung ein „Premiumumfeld“

Nirgends sind Verbraucher empfänglicher für industrielle Einflüsterungen als willenlos im dämmrigen Halbkoma vor der Glotze, eingelullt von ungeschminkter Trash-Prominenz aus dem intellektuellen Nichtschwimmerbereich. Nach Jahren des Ekels – Kekse und Kamelpenis? – hat die Werbeindustrie sich auf die Show gestürzt wie eine Springspinne auf Kader Loth. Was Kulturpessimisten verwirrt: Für Werber ist die Sendung trotz pürierter Kakerlaken ein „Premiumumfeld“ – auch dank der Feuilletons, die die Show als cartoonhafte Sozialstudie mit eingebauter Medienkritik ironisierten und so auch dem Bildungsbürgertum schmackhaft machten. Ein Viertel aller Dschungelgucker hat Abitur.

Ein 30-Sekunden-Spot kostet inzwischen bis zu 85.000 Euro, Sonderflächen bis zu 135.000 Euro. Bei rund 24 Minuten Werbung pro Sendung setzt RTL laut „Bild“ jeden Abend rein rechnerisch 4,7 Millionen Euro allein mit TV-Werbegeldern um. Die Produktion einer Folge kostet nach nie dementierten Angaben 1,9 Millionen Euro. Macht unterm Strich ein sattes Plus von 2,8 Millionen Euro pro Tag.

Bombengeschäft für RTL

RTL hat immerhin 400 Mitarbeiter ins voll ausgestattete TV-Camp an der Dungay Creek Road nahe dem Städtchen Murwillumbah in Australien ausgeflogen. 2011 war die fünfte Staffel trotz Traumquoten noch ein Verlustgeschäft. 2016 dagegen setzte RTL mit dem Emo-Camp 36,1 Millionen Euro brutto um. Das hat das Fachmagazin „Werben & Verkaufen“ errechnen lassen. Ein Bombengeschäft.

Die Honorare der Camping-Insassen – hübsch gestaffelt nach Bekanntheit und Marktwert – fallen da kaum ins Gewicht: Bestverdienerin 2017 ist Gina-Lisa Lohfink (180.000 Euro), gefolgt von Thomas „Icke“ Häßler (100.000 Euro). Ganz hinten liegen Fräulein Menke und Boulevard-Haubitze Kader Loth mit je 40.000 Euro. Heißt für RTL: Schon beim ersten Werbeblock war die komplette Gage wieder drin. Und falls eines der Dschungelhascherl freiwillig ausscheidet? Dann gibt’s nur die halbe Gage.

Nastassja Kinski sollte mit 250.000 Euro bestverdienende Dschungelteilnehmerin aller Zeiten werden – kniff aber 48 Stunden vor Abflug, wozu ihr zu gratulieren ist. Ewige Rekordhalterin bleibt damit Brigitte Nielsen (200.000 Euro). Mit den Zuschaueranrufen ist es dagegen wie mit Thomas „Icke“ Häßler in der Sendung – sie spielen kaum eine Rolle. Für die meisten Kandidaten rufen höchstens ein paar Hundert Zuschauer an, meldete „Bild“. Macht bei 50 Cent pro Anruf mickrige 5000 Euro Einnahmen.

RTL kassiert – die „Prominenz“ eher nicht. Falls zum Beispiel Fleißbienchen Kader Loth Dschungelkönigin würde, ergäbe sich für sie ein Stundenlohn von knapp 50 Euro – für TV-Verhältnisse eher ein Scherz. Trotzdem hat RTL keine Mühe, das Camp mit Personal zu füllen – Würde gegen Geld. Das ist die verwirrende Botschaft dieser Show: dass das Menschenrecht auf Selbstbestimmung eben auch beinhaltet, auf die eigene Würde bis im Kern zu verzichten. Und sei es für 50 Euro die Stunde.

Von RND/Imre Grimm

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