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15:36 04.12.2016
Grundkurs in Vernunft: Klara Blum (Eva Mattes, l.) in der Gärtnerei mit Isolde (Irm Hermann), die sich nicht aus der Ruhe bringen lässt. Quelle: ARD
Konstanz

Die Kommissarin Klara Blum hört auf, 14 Jahre lang hat sie am Bodensee ermittelt. An seinen Ufern muss man einen Mord auch mal beschweigen können – besser, man wirft keine Wellen, weil Ruhe hier zur Hausordnung gehört. Eva Mattes hat die Kommissarin Blum gespielt wie eine vorsichtige Bademeisterin, die weiß, dass nicht nur Handwerk zählt, sondern vor allem Menschenkenntnis. Davon hatte die Mattes einiges gelernt bei Rainer Werner Fassbinder, bei dem sie groß geworden ist, damals, als sie die Rollen noch mit mächtig Pfeffer würzte. Vielleicht braucht man dann in den späten Jahren diesen Bodensee wie ein Entspannungsbad, um sich vom rabiaten Anfang der Karriere zu erholen.

Ihr letzter Fall beginnt wie hinter einem Schleier. Der See liegt unter Nebel, ein Totenschiff treibt an. Ein Kahn, so hübsch geschmückt, als wolle man den Toten, der ermordet wurde, feiern. Er war ein rechtsextremer Vordenker, verachtet und geliebt. Die Frage bleibt, wie seine Frau (Julia Jäger) zu ihm gestanden hat. Seinen Tod erträgt sie sehr gefasst. Fast kühl. Auch seine Tochter (Paula Knüpling), stets mit hochgeschlossenem Kleid im Stile einer traurigen Prinzessin, zeigt keine Regung. Dass sie einen dunkelhäutigen Freund hat – ein Aufstand gegen ihren Vater? Ist sie deshalb verdächtig, genau wie ihre Mutter?

Entschleunigung am Bodensee

Wie sich der Mensch dem Menschen nähert, das ist die grundlegende Frage der Konstanzer „Tatort“-Folgen, die immer gerne auf die Bremse drückten – oder hat man hier je eine Autojagd gesehen? Der See verlangt nach einem anderen Tempo als die Autobahn.

Klara Blum verließ sich, wenn sie wieder einen Obstbauern, Großbankier oder plastischen Chirurgen verhören musste, auf die Kommissar-Columbo-Masche: Sie warf sich einen weiten Mantel über, formte die Augen zu Schlitzen, als schaue sie ins Gegenlicht und sei im Grunde geistig in ganz anderen Welten. Doch plötzlich legte sie die Puzzleteile ineinander. Peng, Sie sind verhaftet!

Wiedersehen mit dem Ex

Auch mit dem Assistenten Perlmann (Sebastian Bezzel) steht sie in unklarem Verhältnis. Mal ist er Konkurrent, mal Sohn, mal Sehnsuchtsmann. Ihr Liebhaber indes war mal ein anderer: Auch der Schweizer Kommissar Lüthi (Roland Koch) greift ein in diesen Film, sie landete vor Jahren mal in seinen Armen. Das ist vorüber.

Quelle: ARD

Lüthi ist ein Lebemann, ein Frauenflüsterer. Die stolze, runde Klara Blum hat diesen Fehltritt schnell bereut.

Denn so was lassen sie am Bodensee nicht gelten: Sich übermannen lassen vom Moment, den Augenblick mit beiden Händen greifen. Der „Tatort“ aus Konstanz war immer ein Grundkurs in Vernunft. Klara Blum hat über die Moral gewacht wie eine strenge, doch verständnisvolle Mutter.

Ensemble rettet mäßiges Drehbuch

Die Drehbücher waren nicht immer gut. Auch in dem letzten, übergroß benannten Fall „Wofür es sich zu leben lohnt“ ist die Geschichte mäßig ausgearbeitet (Buch: Sathyan Ramesh und Aelrun Goette, die auch Regie führt). Doch das Ensemble ist hervorragend. Dafür sorgt Matthias Habich, der einen skrupellosen Billigkleiderhändler spielt, dessen Näherinnen in Bangladesch sterben, weil er nicht in den Brandschutz investierte.

Quelle: ARD

Vor allem sticht ein Frauenclan heraus: Hanna Schygulla, Margit Carstensen und Irm Hermann spielen ein reifes Damentrio, es lebt in einer Villa am See und bildet eine Art Gegenregierung. Ein großartiger Auftritt dieser Frauen, die mit Eva Mattes 1972 zusammen im Fassbinder-Film „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ auftraten. So greift der letzte „Tatort“ der Mattes zurück auf ihren Karrierebeginn. Die von ihr gespielte Kommissarin Blum verblasst in diesem Film ganz einfach, als löse sie sich auf in Nebel überm Bodensee. Ein surreales Ende. Ziel erreicht: Eva Mattes vermisst man schon jetzt.

Von RND/Lars Grote

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