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20:25 17.02.2014
Von Karsten Röhrbein
Andere Länder, andere Betten: Olli Schulz fremdelt heute Abend in Tokio nicht nur mit seinem Schlafplatz. Quelle: Pro 7
Berlin

Am Anfang versteht Olli Schulz nur Bahnhof. Der Justizvollzugsangestellte, hinter dem der 40-jährige Entertainer hertrottet, führt ihn zu einem kleinen Raum. Dort soll „die weitere Verfahrensweise der Aufnahme durchgeführt werden“. Konkret heißt das: Sachen abgeben. Die ec-Karte, das Handy und das Kleingeld. Und es heißt: Ausziehen. „Komplett?“, fragt Olli Schulz ungläubig. „Komplett“, sagt sein Aufpasser. „Blank?“ „Ganz blank. So wie Gott Sie geschaffen hat.“ „Alter Schwede“, murmelt Schulz, als die peinliche Leibesvisitation endlich vorbei ist und er im roten Anstaltsjogginganzug zu seiner Zelle in der JVA Hannover zurück schlurfen darf. Der Haftraum wird die nächsten 48 Stunden sein Zuhause sein.
So sind die Spielregeln bei „Schulz in the Box“. Immer montags bekommt Schulz eine Dreiviertelstunde, um Einblicke in anderer Leute Leben zu geben. Sein Team verfrachtet ihn in einer Kiste  an ungewöhnliche Orte, an denen er ungewöhnliche Aufgaben erfüllen muss. Nach Moskau, nach Tokio, wo er in der ersten Folge Bekanntschaft mit einer japanischen Mietfamilie und einer winzigen Schlafbox macht - und eben auch nach Hannover.

Zum Lachen ist das eigentlich nicht, so eine teilnehmende Beobachtung aus dem Knast. Und doch ist der TV-Selbsterfahrungstrip von Olli Schulz traurig und witzig zugleich. Schulz, den die meisten nur als den chaotischen Sidekick von Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt kennen, der die Routine ihrer Pro7-Show „Circus Halligalli“ durcheinanderbringt, ist nämlich nicht nur ein hemmungsloser Entertainer. Er ist auch ein exzellenter Menschenkenner. Und er ist witzig. Er beherrscht die billigen Kalauer. Und diesen leisen, melancholischen Bill-Murray-Humor. Etwa, wenn er bei wenn er in der Knastepisode damit hadert, dass der einzige Luxus, den ihm die LVA in seiner Zelle erlaubt, eine schnöde Fischkonserve ist. „Also Naschzeug klingt bei mir immer anders“, grummelt Schulz. 

Der 40-Jährige, der als Tourbusfahrer und Türsteher gearbeitet hat und seit 20 Jahren mit überschaubarem Erfolg kleine schrammelige Indierocksongs schreibt, ist seltsamerweise wie gemacht fürs Fernsehen. Weil er gerne an Grenzen geht. Und dabei authentisch ist. Und weil er weiß, was er will: Er will unterhalten, ohne zynisch zu sein. Und deshalb scherzt er auch nicht über die Häftlinge, die er in der JVA an der Schulenburger Landstraße kennenlernt, sondern mit ihnen.

Mit Torsten, einem kleinen, stämmigen Hannoveraner, lacht er etwa über die kuriose Fischration, die jeder Neuankömmling bekommt. Ob man sich im Gefängnis Geld leihen könne, will Schulz dann wissen. Nein, antwortet Torsten. „Du kannst dir Tabak leihen, aber das heißt dann eins zu zwei oder eins zu drei zurück.“ Für eine geliehene Zigarette müsse mal also zwei oder drei zurückgeben, hakt Schulz nach, was ein bisschen so wie Markus Lanz klingt und ähnlich überflüssig ist. Aber es schafft Vertrauen, das Nachfragen. Und Schulz schafft es so, ungewöhnliche Einblicke in den Knastalltag zu geben, ohne sich mit den Sträflingen gemeinzumachen. So nett sie auch sein mögen, unschuldig sind sie schließlich nicht. Torsten etwa muss zweieinhalb Jahre absitzen, weil er in gleich drei Fällen zugeschlagen hat. „Immer unter Alkohol, und dann gab’s Boxereien.“ „Und was ist das Erste, was du machst, wenn du raus bist?“, fragt Schulz. „Nach Hause gehen, duschen.“ Da müssen beide lachen.

Olli Schulz, der ruhige Zuhörer, ist das richtige Leben im falschen. „Ich war nicht da, um zu urteilen“, sagt Schulz später. „Ich kann nicht einschätzen, ob er es bereut“, sagt er nach einem Gespräch mit einem Kurden, der wegen Totschlags zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde. Er schließt es aber auch nicht aus.

Mit seiner direkten Art ist Olli Schulz neben Kurt Krömer der wohl größte TV-Anarcho, den es in Deutschland gibt. Als Joko und Klaas sich mit „neoParadise“ einen Namen machten, bescherte Thekenkumpel Olli Schulz der ZDFneo-Show einige ihrer besten Momente. Etwa, als er sich am roten Teppich der Berlinale vorsätzlich mit Schnaps abschoss und die Prominenten so lange nervte, bis sie aus ihrer sorgfältig einstudierten Rolle fielen – oder mit ihm Brüderschaft tranken. Das war MTV-„Jackass“-Fremdscham-Fernsehen mit intellektuellem Anspruch. Als Pro7 Joko und Klaas abwarb, nahmen sie Schulz mit – und retteten so zumindest ein paar Minuten Subversion in den Privatfernseh-Mainstream.

Eine Rolle spielt er bei „Schulz in the Box“ nicht, nur sich selbst. In der Testfolge, die vor einem knappen halben Jahr lief, verschlug es Schulz in eine Berliner Hippiekommune, die mit dem Verkauf von selbst gedrehten Pornos den Regenwald retten will. Die größte Herausforderung war es für Schulz damals, die bekifften „Fuck for Forest“-Aktivisten und ihren kruden missionarischen Eifer zu ertragen. Im Knast macht ihm das Gegenteil zu schaffen: Stille. „Du bist komplett mit dir alleine eingesperrt“, sagt Schulz. „Das macht dich ganz schön fertig.“

Gut, dass es Leute wie Christian gibt, den Vorarbeiter aus der Gefängniswerkstatt. Von ihm lässt sich Schulz zeigen, wie man die in der JVA hergestellten Bügelbrettbezüge akkurat einpackt. Und mit ihm sinniert er in der unwirtlichen Knastkantine über die Soße der Senfeier. „Man macht das eigentlich mit Mehl, dann Senf, Essig, Zucker“, sagt Christian, „aber wie willst du das machen, für acht-, neunhundert Leute?“ Und dann bittet er Schulz, das Besteck nach dem Essen gut sichtbar auf das Tablett zu legen. Damit die in der Küche keine Panik kriegen. „Du weißt ja, wo du hier bist: bei verrückten Leuten.“

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