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Medien Satiriker Sonneborn beleidigt Erdogan
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18:21 28.04.2016
"Der Irre vom Bosporus": Martin Sonneborn (r.) beleidigt den türkischen Präsidenten Erdogan. Quelle: EPA/LEGNAN KOULA/EPA/PATRICK SEEGER
Brüssel

Sonneborn begann seine Rede direkt mit einer Beleidung: "Der Irre vom Bosporus, wie wir den Irren vom Bosporus Erdogan liebevoll im EU-Parlament nennen, hat wieder zugeschlagen", sagte der EU-Parlamentarier. Dieses Mal habe Erdogan durch seine Botschafter die EU-Kommission angewiesen, die Förderung für ein Konzertprojekt der Dresdner Sinfoniker einzustellen. Dieses Konzertprojekt beschäftigt sich mit dem Genozid an den Armeniern zwischen 1915 und 1917.

Die Dresdner hatten massiven Druck der Türkei beklagt. Aber Sonneborn wäre nicht Sonneborn, wenn er keine Lösung für den Streit wüsste: "Als Mitglied des Kulturausschusses möchte ich einen Vorschlag zur Güte machen", sagte der Satiriker. "Ich empfehle den Dresdner Sinfonikern dringend, das Wort Genozid zu streichen und durch den Begriff Völkermord zu ersetzen." Und Sonneborn fügte hinzu: "Ich bin Deutscher und mit Völkermord kennen wir uns aus.

Sonneborn: "Derzeit keine Türkei-Urlaube geplant"

Aber der Politiker ist etwas beunruhigt: "Ich konstatiere mit einer gewissen Verblüffung, dass uns die Türkei hier allmählich den Rang langsam abläuft." Deshalb wolle er die türkische Regierung warnen, "den 100-jährigen Rhythmus, in dem sie offensichtlich Genozide zu begehen gedenkt, derzeit genügt ein Blick auf die Lage der Kurden, nicht zu beschleunigen. Sonst müssen wir darüber nachdenken, die Drecksarbeit mit unseren Flüchtlingen jemand anderem zu übertragen."

Und Sonneborn fügte hinzu: "Nichts für ungut. Derzeit keine Türkei-Urlaube geplant." Damit spielte er auf die Warnung des niederländischen Außenministers und auch des Auswärtigen Amtes an. Sie raten Türkei-Urlaubern zur Vorsicht. Wörtlich schreibt das Auswärtige Amt in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen für die Türkei: "Es wird dringend davon abgeraten, in der Öffentlichkeit politische Äußerungen gegen den türkischen Staat zu machen bzw. Sympathie mit terroristischen Organisationen zu bekunden."

Sonneborn veröffentlichte seine Rede auf Youtube und gab ihr den Titel "Schmutziges Türken-Bashing". Anlass war die Debatte um die Meinungsfreiheit in der Türkei und das Flüchtlingsabkommen der EU mit dem Land. Mit der Reaktion auf seine Rede ist Sonneborn offenbar zufrieden. "Meine Rede gestern Abend war die einzige, die von links UND rechts Beifall erhielt: je ein Klatscher. Smiley!", schrieb er unter das Youtube-Video.

Der frühere Chefredakteur der Satire-Zeitschrift "Titanic" hatte Erdogan schon vor einigen Wochen den "Irren vom Bosporus" genannt. Anlass war der Fall Böhmermann und die Reaktion des türkischen Präsidenten auf die Schmähkritik des ZDF-Moderators gewesen (alles dazu finden Sie auf unserer Themenseite). "Ein absolut blödsinniges Verhalten", sagte Sonneborn der "Welt" über Erdogans Reaktion, "das nur übertroffen wird, wie devot sich die Kollegin Merkel im Moment verhält."

Weiter sagte Sonneborn: "Satire muss nicht argumentieren. Diese Schmähungen, die Jan Böhmermann ausgebracht hat, stehen in einem Kontext." Er sprach sich davor aus, dass die Justiz über den Fall entscheide. "Diese ist in der Lage, damit umzugehen. Vielleicht ist es auch interessant, wenn man vor Gericht einfach mal Erdogans Umgang mit Ziegen klären kann."

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