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00:15 01.07.2013
Von Imre Grimm
Michael „Bully“ Herbig (großes Bild) spielt in einer neuen PRO7-Sitcom sich selbst. Quelle: dpa

Man kann sich das ungefähr so vorstellen. Da klingelt also irgendwann im Frühjahr das Telefon bei Jürgen Hörner, dem Chef der ProSiebenSAT.1 Media AG.
„Grüß Gott, hier ist Herbig.“
„Wer bitte?“
„Michael Herbig.“
„Bully?“
„Ja, meinetwegen auch Bully.“

Michael „Bully“ Herbig – Schauspieler, Synchronsprecher, Komiker, Autor, Regisseur, Unternehmer und Produzent – hat an einem Dutzend Kinohits mitgewirkt (und an Helmut Dietls Flop „Zettl“). Er hat mindestens 59 Preise erhalten und im „Schuh des Manitu“ und anderswo legendäre Zeilen geschaffen („Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden“). Herbig war mit der Gesamtsituation zufrieden. Der Mann, der sich von 1997 bis 2002 mit der PRO7-„Bullyparade“ freischwamm, schien schon fürs Fernsehen verloren. Doch jetzt rief er Hörner an. Er wolle eine Sitcom machen. Ob PRO7 vielleicht interessiert sei. Es könne doch nicht sein, sagte „Bully“ laut Hörner, dass nur die Amerikaner tolle Sitcoms machen.

Und so spielt Bully fünf Jahre nach seiner letzten Fernsehshow in einer neuen Sitcom sich selbst – nach dem Vorbild großer Real-Name-Vorbilder wie „Seinfeld“ (mit Jerry Seinfeld), der „Cosby Show“ (mit Bill Cosby), „Curb your Enthusiasm/Lass es, Larry!“ (mit Larry David) oder „Roseanne“ (mit Roseanne Barr). Testdrehs sind bereits gelaufen, Sendestart ist im Winter. Anders als bei Bastian Pastewka in „Pastewka“ (SAT.1) soll Herbigs Serie nicht vorwiegend in der TV-Branche spielen.

„Bullys“ Sitcom ist die vielversprechendste Neuerung im Programm für die Saison 2013/14, das die PRO7/SAT.1-Senderfamilie im Hamburger Kreuzfahrtterminal vorgestellt hat. Mit dabei: „Wetten, dass ...?“-Aussteigerin Cindy aus Marzahn alias Ilka Bessin in rosa Flipflops und einem türkisfarbenen Paillettenkleid samt aufgestickten SAT.1-Bällen. Vom ZDF-Logo keine Spur. „Nee“, sagte Bessin. „Abgerissen“ – ein kleiner Hinweis auf die atmosphärischen Störungen, die Cindy aus Mainz in die Arme von SAT.1 trieb. Sie wird gemeinsam mit einem anderen SAT.1-Heimkehrer im Herbst die Promiausgabe von „Big Brother“ moderieren: Oliver Pocher.

„Unser Anspruch ist: unterhalten wie kein anderer“, sagte Hörner. Das klingt erst mal nach einer Drohung, aber zumindest für Pro7 gibt es keinerlei Grund zur Sorge: Marktanteil stabil, Image unverwechselbar, solides Staraufkommen mit Stefan Raab, Joko Winterscheidt, Klaas Heufer-Umlauf – und bald auch wieder mit „Bully“ Herbig.

Hartes Jahr für Sat.1

Ganz anders SAT.1. Der Sender hat ein weiteres hartes Jahr hinter sich. Serienversuche verpufften erfolglos, Magazine starben, und die Zahl großer TV-Events betrug exakt: null. Seit einem Jahr hat Nicolas Paalzow das Sagen, und er machte keinen Hehl aus seinem Missbehagen. „Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen“, sagte er. „Wir können nicht so weitermachen wie bisher.“ Zu oft habe sich der Sender gute internationale Formate wegschnappen lassen (nicht zuletzt von der hausinternen Konkurrenz PRO7).

SAT.1 befinde sich im Umbruch. Und wenn man für jedes Mal, wenn ein SAT.1-Chef diesen Satz gesagt hat, fünf Euro bekäme, könnte man bald seinen eigenen Sender aufmachen. Jetzt soll es aber mal wirklich bald losgehen, versprach Paalzow in einem DWDL.de-Interview.

Dass er nun Pocher zurückkauft, der erst 2011 eben bei SAT.1 mit seiner Late-Night-Show baden ging, muss man wohl als Akt der Verzweiflung werten. Und für frischen Wind soll ausgerechnet „die spektakulärste Unterhaltungskochshow aller Zeiten“ sorgen. In „The Taste“ entscheiden vier Köche anhand eines einzigen Probierlöffels über Wohl und Wehe der Kandidaten. „Tolle Idee: ’ne Kochshow“, nölte Tim Mälzer ironisch im Trailer. Gelächter im Saal. Immerhin: Über sich selbst lachen können sie. Und auch Paalzow will die deutsche Sitcom von den Toten aufwecken – mit gleich zwei Formaten. „Ich weiß, du hast Bully“, sagte er, leicht leidend, mit Blick auf PRO7-Geschäftsführer Wolfgang Link. „Möge der Bessere gewinnen.“ Es gab mal eine Zeit, da war SAT.1 der Musterknabe der Familie. Lange ist’s her.

Für jede Zielgruppe einen eigenen Kanal

Die Sendergruppe tritt – trotz der hartnäckigen SAT.1-Krise – inzwischen mit deutlich breiterer Brust auf. Der Grund ist schnell gefunden: RTL schwächelt. Die Dauerdominanz des einstigen privaten Marktführers ist gebrochen, in der Hauptsendezeit am Abend kann bei den Privaten inzwischen „jeder jeden schlagen“, wie Paalzow in Hamburg sagte. Und so lässt man sich nicht lumpen und bringt – kein Jahr nach dem Start des SAT.1-Ablegers SAT.1 Gold – einen neuen Sender an den Start: Er heißt PRO7 MAXX, startet im Herbst kostenlos über Satellit, IPTV sowie im digitalen Kabelnetz und richtet sich an Männer zwischen 30 und 60 Jahren. Also eine Art DMAX, nur mit zwei X.

Hörner ist freilich selbst noch nicht ganz sicher, ob der Neuling nun „Max“ oder „Mäx“ heißen soll. Zu sehen sind dort unter anderem US-Serien wie „Stargate“ oder „Episodes“ mit „Friends“-Star Matt LeBlanc, zum Teil im englischen Originalton mit deutschen Untertiteln, was von zahlreichen Serienfreunden begrüßt wird.

PRO7 MAXX ist der siebte Free-TV-Sender der Gruppe. Mit der „Line Extension“ will die Firma ihren Werbekunden mit minimalem Programmaufwand zielgenauere Werbung ermöglichen. Inzwischen gibt’s für praktisch jede Zielgruppe einen eigenen Kanal: PRO7 für Jüngere beiderlei Geschlechts, SAT.1 für Familien, Kabel 1 für die „Mittleren“, Sixx für jüngere Frauen, SAT.1 Gold für mittlere Frauen, SAT.1 Emotions für emotionale Frauen und PRO7 MAXX nachmittags für jüngere und abends für mittlere Männer. Fehlen nur noch: PRO7 Kids, SAT.1 Silver für Ältere beiderlei Geschlechts und Kabel 1 Senior XL für vollschlanke mittelalte Männer. Kann ja noch kommen.

Sender & Angebote

 PRO7: Neben der neuen Sitcom mit Michael „Bully“ Herbig gehen „The Voice of Germany“ (im Herbst), „The Voice Kids“ (im Frühjahr 2014), die Tanzshow „Got to Dance“ sowie Heidi Klums umstrittene Fleischbeschau „Germany’s Next Topmodel“ in die nächste Runde. Dazu gibt’s frische US-Serien wie die neue Sitcom „Mom“ von Chuck Lorre (Erfinder von „Two and a half Men“, „The Big Bang Theory“ und „Mike & Molly“), „The Millers“ oder Stephen Kings und Steven Spielbergs Mystery-Reihe „Under The Dome“. Claudia Schiffer sucht in der Mode-/Castingshow „Fashion Hero“ junge Designer, Joko und Klaas piesacken sich in weiteren Ausgaben ihres „Duells um die Welt“, und „Circus Halligalli“-Sidekick Olli Schulz bekommt eine eigene Show. In „Schulz in the Box“ muss er – in einer Frachtkiste ausgesetzt – seltsame Aufgaben erfüllen. Stolz ist man auf Stefan Raabs Teilnahme am „Kanzlerduell“ vor der Bundestagswahl. Dass Duschkopfunternehmer Raab eine Show namens „Das große tv total Quizduschen“ plant, ist nur ein Gerücht.
SAT.1: Im Winter gibt’s neue Folgen von „Danni Lowinski“ und „Der letzte Bullen“. Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher moderieren im Herbst täglich live eine 14-tägige Promiausgabe von „Big Brother“. Dazu wird Diana Amft („Doctor’s Diary“, RTL) in der neuen Serie „Josy – Allein unter Bullen“ zu sehen sein. In „The Taste“ mit Tim Mälzer und Frank Rosin geht’s mal wieder ums Kochen. Dafür gibt’s neue Staffeln von „Pastewka“ und Martina Hills „Knallerfrauen“ sowie eine Überraschungsshow mit dem Arbeitstitel „Cindyrella“ mit SAT.1-Neuzugang Cindy aus Marzahn.
Kabel 1: Der Retrosender hat sich nach diversen „super, super kreativen Meetings“ (Senderchefin Katja Hofem) einen neuen Werbeclaim ausgedacht. Künftig heißt es: „Kabel 1 – So sieht’s aus.“ Sie drohte: „Wir testen im Herbst alles durch in Deutschland – Marken, Möbel, Lebensmittel, einfach alles“. Neben umfangreichen Testsendungen muss in „Junior Chef – Jetzt sind wir dran“ der Senior in Familienbetrieben an den Nachwuchs abgeben. Dazu gibt’s weiterhin die UEFA Europa League, allerdings – aus den bekannten Gründen – vorerst wieder ohne Hannover 96.
Sixx: Der winzige Frauensender (Marktanteil 2012: 1,2 Prozent) freut sich nach zehn Jahren ohne Calista Flockhart als neurotische Anwältin auf die TV-Rückkehr von „Ally McBeal“ – allerdings nur aus der Konserve. Dazu gibts weitere US-Ware wie die „Desperate Housewives“ oder „Vampire Diaries“ mit dem neuen Ableger „The Originals“. Außerdem wird allerhand gebacken gekocht und geheiratet. gri

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