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Medien Münchener Fall „Jagdzeit“ führt tief ins Hartz-IV-Milieu
Mehr Welt Medien Münchener Fall „Jagdzeit“ führt tief ins Hartz-IV-Milieu
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18:34 08.04.2011
Die Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec, links) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) verhören die 13-jährige Nessi (Laura Baade). Quelle: ARD

Der „Tatort“ ist nicht nur Krimi. Der „Tatort“ ist immer auch ein bisschen Spiegel des schlechten deutschen Gewissens. Wenn irgendwo etwas grundsätzlich schiefläuft, wird sich dies – mit etwas Verzögerung – in einem der nächsten Sonntagabendkrimis in der ARD niederschlagen. Mal mehr, mal weniger müssen sich die Kommissare dann neben der Mördersuche in gesellschaftliche Abgründe begeben. So viel Milieustudie wie in diesem Münchener Tatort bekommen aber selbst regelmäßige Zuschauer der Krimireihe selten zu sehen. Zumindest die Milieustudie ist in diesem Fall gelungen, der Krimianteil nicht.

Die Münchener „Tatort“-Dauerbrenner Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) ermitteln in ihrem neuen Fall „Jagdzeit“ in einem Milieu, in dem die Flasche Magenbitter den ganzen Tag über auf dem Tisch zwischen dem laufenden Fernsehgerät und dem kettenrauchenden Menschen auf dem Sofa steht – und sich nach und nach leert. Dort, wo der heimische Kühlschrank mithilfe von Essensspenden gefüllt wird, wo jeder versucht, mit mehr oder weniger legalen Mitteln das schmale Budget aufzubessern, wo Hartz IV den Tagesablauf reguliert. Ihr 58. Fall führt die Kommissare dorthin, wo die Äußerung, dass ein besseres Leben in Reichweite sei, nur noch leeres Lippenbekenntnis ist.

Mit dem eigentlichen Mord hat dies alles jedoch so gut wie gar nichts zu tun: Ein ehemals hoher Angestellter einer Konservenfirma, der zuletzt ehrenamtlich eine Essensausgabe für Bedürftige geleitet hat, wird frühmorgens auf dem Weg zur Jagd an einer Tankstelle mit seinem eigenen Gewehr erschossen. Selbstmord kann schnell ausgeschlossen werden. Und so stoßen die Münchener Kommissare auf die einzige Zeugin des Mordes, die 13-jährige Nessi. Sie will nicht sagen, wer es war. Deswegen begeben sich die Ermittler auf ihre Spur – und landen schnurstracks in den ärmsten Ecken der bayerischen Landeshauptstadt, wo Schickeria und Bussi-Bussi weit weg sind. Fährten werden ausgelegt zur untreuen Ehefrau des Opfers sowie einigen Beziehern von Hartz IV, die ihre Ersparnisse beim Mordopfer vor dem Amt versteckt hatten.

Auf den Spuren Nessis, hervorragend gespielt von Jungschauspielerin Laura Baade, entwickelt der Film dann seine stärksten Momente. Stoisch erträgt die Jugendliche die Beleidigungen und Demütigungen („Du fettes Opfer!“) der Gleichaltrigen aus ihrem Viertel. Wenn sie das Gefühl hat, es könnte ihr etwas bringen, flippt sie aus oder beginnt zu weinen. Dann kümmert sie sich wieder rührend und voller Angst um ihre alkoholkranke Mutter und pflegt für fünf Euro am Tag liebevoll eine alte, für sie völlig fremde Frau. Nessi kennt das Leben nicht anders und hofft nur, dass es nicht noch schlimmer wird.

Und Batic und Leitmayr? Das Duo ist in dieser trostlosen Umgebung für den humoristischen Aspekt zuständig und tapst eher unbeholfen durch eine Welt, die die beiden nicht kennen. Bei Ermittlungen im selben Milieu hätten Lena Odenthal und Mario Kopper aus Ludwigshafen eine ihrer betroffenheitsschwangeren, abendlichen Rotweinrunden eingeläutet. Max Ballauf hätte seinem bärigen Kölner Kollegen Schenk ein empörtes „Mensch, Freddy!“ entgegengeschleudert. Das Münchener Tandem verlegt sich stattdessen fast ausschließlich aufs Frotzeln – so, als ob die beiden das Elend nicht anders ertragen könnten. Die Suche nach dem Mörder wird dabei fast ebenso nebensächlich wie die alberne Auflösung, wer der Mörder ist.

Sebastian Harfst

Hubertus Meyer-Burckhardt ist Fernsehproduzent, Journalist und Medienmanager. Im Interview spricht er über das Filmemachen, die Medienbranche und seinen ersten Roman.

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