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11:22 19.06.2017
Wie soll Medienkompetenz in der Schule vermittelt werden? Die Länder sind sich uneins. Quelle: Foto: dpa
Berlin

Schüler sind schon einmal qua Alter „digital natives“. Sie wachsen seit frühester Jugend mit digitalen Medien auf, kennen sich schon in der Grundschule mit Smartphones aus und bekommen mit spätestens zehn Jahren ihr eigenes – erst Omas altes Tastenhandy, dann bald das vollwertige Gerät zur Vernetzung mit der ganzen Welt. Doch wie, wann und von wem lernen sie, sich verantwortungsvoll im digitalen Orbit zu bewegen, Informationen und ihre Quellen zu bewerten und die Gefahren richtig einzuschätzen?

Deutsche Schüler haben Defizite im Umgang mit Computern

Seit Jahren fordern Experten, ein eigenes Schulfach „Medienkunde“ oder „Medienkompetenz“ einzurichten. Zuletzt war das die niedersächsische Landesbeauftragte für den Datenschutz Barbara Thiel. „Jugendliche gehen zu leichtfertig mit ihren persönlichen Daten um und unterschätzen die Gefahren mobiler Medien“, sagte sie. Zudem belegten Studien, dass deutsche Schüler im internationalen Vergleich beim Umgang mit Computern Defizite hätten. Der Ansatz im Land, das Thema in alle Unterrichtsfächer zu integrieren, reiche nicht aus.

Genau das ist aber der Ansatz, den die überwiegende Mehrzahl der Bundesländer verfolgt. Eine Umfrage bei allen 16 deutschen Bildungsministerien und Bildungsbehörden ergibt: Allein Mecklenburg-Vorpommern setzt auf ein eigenes Unterrichtsfach „Informatik und Medienkunde“, das zurzeit in einem dreijährigen Modellversuch an elf Schulen im Land erprobt wird. Ziel ist, in Zukunft ab der siebten Klasse in allen Schule eine Wochenstunde für Programmieren und Medienkompetenz aufzuwenden. „Das Fach „soll sich mit der technischen Seite der Neuen Medien und mit den Fragen des Umgangs mit den neuen Medien befassen“, erläutert Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD). „Beides ist miteinander verbunden und nicht voneinander zu trennen.“

Schulfach „Informatik“ reicht nicht aus

Alle anderen Bundesländer halten sich stärker an die Empfehlung der Kultusministerkonferenz (KMK). Diese hat im Dezember 2016 die Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ beschlossen und die Debatte damit weiter angekurbelt: Die Vermittlung digitaler Kompetenzen gehe „über Medienbildung hinaus“, lautet die mehrheitliche Meinung der für Bildung zuständigen Minister und Senatoren. Aber auch ein Schulfach „Informatik“ reiche nicht aus: „Die Entwicklung und das Erwerben der notwendigen Kompetenzen für ein Leben in einer digitalen Welt gehen über notwendige informatische Grundkenntnisse weit hinaus und betreffen alle Unterrichtsfächer“, argumentiert die KMK. „Sie können daher keinem isolierten Lernbereich zugeordnet werden.“

Am wenigsten spezifisch haben Brandenburg und Hessen das Thema in die Lehrpläne eingebaut. Das Potsdamer Bildungsministerium verweist auf das „Basiscurriculum Medienbildung“, das in den Klassen 1 bis 10 Kenntnisse über alle Medien – vom Buch bis zum Smartphone – vermitteln will. Das hessische Kultusministerium verweist darauf, dass der Umgang mit digitalen Medien fächerübergreifend direkt beim Einsatz der jeweiligen Medien im Unterricht“ erfolge. Nordrhein-Westfalen unterrichtet an einigen Schulen das Fach Informatik und stellt damit die technische Seite in den Vordergrund. Die Sprecherin von Berlins Schulsenatorin, Sandra Scheeres (SPD), verweist darauf, dass „nur gemeinsam mit den Eltern auf einen verantwortungsbewussten Medienumgang hingewirkt werden“ könne – und warnt: „Wer seinem Kind den Zugang zum Internet ungeschützt überlässt, kann nicht von der Schule erwarten, dass von dort allein der verantwortungsbewusste Umgang vermittelt wird.“ Die neuen Rahmenlehrpläne sollten diesen Punkt berücksichtigen.

Thüringen will Medienkunde zur Pflicht machen

Thüringen sieht einen verpflichtenden „Kurs Medienkunde“ vor, der von der 5. bis zur 10. Klassen fächerübergreifend absolviert werden muss. Ab dem nächsten Schuljahr soll das Thema auch in den Grundschulen vermittelt werden. Auch in Schleswig-Holstein ist einiges im Umbruch: Statt Lehrplänen gibt es im Norden nun „Fachanforderungen“, eine davon wird in der Sekundarstufe „Medienkompetenz“ heißen. Beim südlichen Nachbarn in Hamburg heißt das „fächerübergreifendes Aufgabengebiet“, das in allen Schulformen in immerhin drei Wochenstunden unterrichtet werden soll. Am grundsätzlichsten aber geht Bremen an das Thema heran. Die Sprecherin von Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) sagt: „Der Umgang mit der digitalen Welt ist eine neue, vierte Kulturtechnik, neben Lesen, Schreiben und Rechnen“, Medienbildung müsse daher „im ganzheitlichen Ansatz gesehen werden“.

Was das unter anderem bedeutet, hat Bogedan 2016 gezeigt: Da war sie die erste Bildungspolitikerin, die den Einsatz von Smartphones im Unterricht forderte.

Von Jan Sternberg/RND

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