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Medien „Denkweisen bleiben, Pegida nicht“
Mehr Welt Medien „Denkweisen bleiben, Pegida nicht“
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20:04 01.02.2015
MDR-Chefredakteur Stefan Raue. Quelle: MDR
Leipzig

Sachsen ist in vielerlei Hinsicht eigen. Hier entstand Pegida, hier hat die im Westen weitgehend unbekannte Illustrierte „Super Illu“ mehr Leser als „Spiegel“, „Stern“ und „Focus“ zusammen - und kein ARD-Drittes hat in seinem Verbreitungsgebiet höhere Quoten als der MDR. Sehen Sie da einen Zusammenhang?

Nein. Ich wäre auch vorsichtig, Pegida und Sachsen so eng zusammenzubringen. Dass diese Bewegung hier so stark war, hing an einzelnen Personen, an den Anführern mit ihren Netzwerken. Einen Zusammenhang sehe ich dagegen zur letzten Landtagswahl. Nur jeder Zweite hat überhaupt gewählt, davon fast 15 Prozent NPD oder AfD. Es scheint so zu sein, dass das Potenzial rechts von der Union stärker ist als in anderen Ländern.

Und das hat nichts damit zu tun, was ihnen an Information geboten wird? Beim MDR hatten in der Führungsspitze und in den Gremien von Anfang an die CDU und die katholische Kirche das Sagen.

Ich bin seit November 2011 beim MDR, war vorher unter anderem 16 Jahre beim ZDF. Zu dem, was in der Vergangenheit beim MDR war, muss ich daher passen.

Das MDR-Programm setzte lange auf Heimatgefühl und seichte Unterhaltung. Nur langsam beginnt sich das zu ändern.

Heimatverbundenheit und populäre Unterhaltung sind ja etwas Positives. Aber unter Intendantin Karola Wille und Fernsehdirektor Wolf-Dieter Jacobi bauen wir das Infoangebot aus. Uns hat seither keiner vorgeworfen, dass wir parteiisch berichten.

Hadern Sie mit Ihrem Publikum, zu dem auch jene gehören, die bei ihren Demonstrationen „Lügenpresse“ rufen und Öffentlich-Rechtliche als „Staatsfunk“ beschimpfen?

20 000 auf den Straßen Sachsens sind weder ganz Dresden noch ganz Sachsen noch ganz Mitteldeutschland. Es ist ja nicht so, dass uns das Publikum davonläuft. Ein Gradmesser ist die Quote, ein anderer die Zuschriften und Anrufe. Wie jedes Medium erhalten auch wir zurzeit Mails, in denen wir bis weit unter die Gürtellinie und im typischen Pegida-Vokabular beschimpft und sogar bedroht werden.

Wie gehen Sie damit um?

Unsere Regel ist: Wer in anständigem Ton schreibt, bekommt eine Antwort, alle anderen nicht.

Wie wirkt sich die aufgeheizte Atmosphäre auf Ihre Berichterstattung aus?

Wir haben intensiv diskutiert, wie wir uns zu Pegida als Reporter und Redakteure verhalten. Unsere Linie ist, sich nicht provozieren zu lassen, weder durch Beleidigungen noch durch tätliche Angriffe, und uns weder zum Bestandteil der einen noch der anderen Bewegung zu machen.

Wenn aber Medien zum Hauptgegner erklärt werden, werden Journalisten zum Akteur, ob sie wollen oder nicht.

Es ist tatsächlich ein neues Phänomen, dass Medien pauschal Bezugspunkt einer Bewegung sind. Umso mehr erfordert es von den Journalisten persönliche Stärke, die Beschimpfungen, die sie andauernd auf Demos zu hören bekommen, an sich abprallen zu lassen. Aber selbst wenn Grönemeyer in Dresden vor 20 000 Menschen singt, darf der Reporter nicht zum Teil der Kundgebung werden.

Spätestens beim Kommentieren ist Schluss mit der Neutralität.

Das ist etwas anderes, da bin ich für klare Worte. Aber auch da geht es zuvorderst um Einordnung und erst in zweiter Linie um die persönliche Meinung.

Spalten sich Ihre Redaktionen in Befürworter und Gegner von Pegida?

Das nicht. Aber wir diskutieren ja auch in Wahlkämpfen nicht über die einzelne politische Überzeugung eines Mitarbeiters.

Ein Arbeitsplatz ist ein soziales Umfeld wie jedes andere. Auch beim MDR werden beim Kaffee persönliche Ansichten ausgetauscht.

Natürlich diskutieren wir, wie das Thema Ausländer, obwohl hier kaum präsent, Menschen so sehr bewegen kann. Wir rätseln auch, woran es liegt, dass - anders als bei früheren Demonstrationen gegen Atomkraft, G 8 oder Stuttgart 21 - bei Pegida kein konkreter Sachverhalt zu fassen ist. Neu ist das Phänomen, dass eine aus der Anonymität des Internets entstandene Bewegung auf die Straße geht, dort aber weiter Anonymität für sich beansprucht. Wie im Netz wird gegen alles und jeden verbal gegiftet, aber ohne konkreten Ansatzpunkt, ohne argumentieren und überzeugen zu wollen. So reden wir auch darüber, inwiefern Pegida nur die Fassade ist für eine negative Kraft, die sich im rechtsextremen Milieu aufgestaut hat und auf den Straßen entleert. Dort läuft sie jetzt ins Leere.

Sie glauben, der Spuk ist vorbei?

Die Denkweisen bleiben, Pegida nicht. Damit hat auch die Berichterstattung darüber den Zenit erreicht. Jetzt gilt, Kurs zu halten und weiterhin seriös zu berichten.

Hat sich der MDR Fehler vorzuwerfen?

Ich tue mich schwer damit, in dieser Absolutheit zu sagen, dass wir uns nichts vorzuwerfen haben. Aber ich kann wirklich nicht feststellen, dass wir grundsätzlich etwas falsch gemacht, Themen gar verschwiegen hätten. Wir haben vielleicht nicht so berichtet, wie es manche gern hätten, aber das ist eine andere Frage.

Interview: Ulrike Simon

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