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Medien Lidl zu Unrecht im Shitstorm
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00:18 29.08.2015
Angeblich hat eine Lidl-Mitarbeitern fremdenfeindliche Kommentare veröffentlicht. Nachdem über das Unternehmen längst ein Shitstorm hereingebrochen war, stellte sich heraus, dass sie nicht für den Discounter arbeitet. Quelle: Jens Kalaene/dpa
Hannover

Die Geschichte beginnt mit einer Frage. Mitte der Woche schaut sich eine Bloggerin an, was auf Twitter und Facebook über Heidenau geschrieben wird. Sie stößt auf Kommentare von "Melanie Illmann" und ist erschrocken über die fremdenfeindlichen Äußerungen. Da im Profil der Frau steht, dass sie als Filialleiterin für Lidl arbeitet, schreibt die Bloggerin den Discounter über Twitter an und fragt: "Wie steht man eigentlich bei Lidl dazu, dass offenbar Fremdenhasser wie Melanie Illmann zum Unternehmen gehören?"

Lidl antwortet am nächsten Tag. "Wir als Unternehmen distanzieren uns von Fremdenhassern! Was unsere Mitarbeiter in ihrer Freizeit machen, können wir nicht beeinflussen." Damit sind viele Twitter-Nutzer nicht einverstanden. Bald rufen die ersten zum Boykott von Lidl auf. Ihre Kommentare kennzeichnen sie mit #lidlboykott. Der Hashtag schafft es am Donnerstag unter die Top-Trends auf Twitter. Unzählige beschimpfen den Discounter. Sie fordern, dass die Firma die Mitarbeitern entlässt. Genauso wie es Porsche und die AWO gemacht haben. Ein Shitstorm fegt über das Unternehmen hinweg. Und was macht Lidl?

Am Donnerstag teilt die Pressestelle auf Anfrage mit: "Lidl distanziert sich in aller Deutlichkeit von Fremdenfeindlichkeit in jedweder Form." Der Sachverhalt werde geprüft. Sollte der Discounter feststellen, dass gegen seine Grundsätze verstoßen wurde, "werden wir entsprechende Maßnahmen eingreifen". Das muss er nicht, wie sich am Freitag herausstellt: "Wir können Ihnen mitteilen, dass wir nach Prüfung auf Basis aller uns zur Verfügung stehender Mittel aktuell ausschließen können, dass die betreffende Person eine Mitarbeiterin unseres Unternehmens ist", schreibt die Pressestelle auf eine zweite Anfrage.

Nun wird die Bloggerin dafür kritisiert, dass sie zu Unrecht einen Shitstorm gegen Lidl losgetreten hat. Das sei aber gar nicht ihre Absicht gewesen, schreibt sie auf ihrer Homepage. Sie habe nur wissen wollen, wie sich ein Unternehmen zu Fremdenhass positioniert. "Sind wir schon so weit, dass das nicht mehr geht?", fragt sie. Der Fall zeigt, wie schnell im Netz ein Shitstorm losbrechen kann – und dass er dann kaum noch zu kontrollieren ist.

Wie der Südwestrundfunk berichtet, hat auch der Twitter-Nutzer namens "Melanie Illmann" mittlerweile öffentlich zugegeben, nicht für Lidl zu arbeiten. Offenbar ist es nicht das Einzige, was an dem Profil nicht stimmt: Nach Ansicht des SWR habe von Anfang an vieles dafür gesprochen, dass es sich um einen Fake-Account handelt. "Das Facebook-Konto wurde erst Ende Juli erstellt. Die Freundesliste ist leer. Und es werden sehr viele private Infos öffentlich angegeben."

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