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Medien „Kehrtwende“: Häusliche Gewalt im bildungsbürgerlichen Milieu
Mehr Welt Medien „Kehrtwende“: Häusliche Gewalt im bildungsbürgerlichen Milieu
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19:31 12.04.2011
Von Stefan Stosch
Ein Familienvater außer Kontrolle: Thomas Schäfer (Dietmar Bär) schlägt seine Frau Viola (Inka Friedrich). Quelle: ARD

Sven liegt auf dem Boden, den Körper gekrümmt, die Arme schützend über dem Kopf verschränkt. Aber das hier ist keine Schulhofprügelei mit einem Stärkeren. Der eigene Vater steht vor Sven, wütend, weil der Sohn versehentlich den Laptop ramponiert hat. Vater Thomas Schäfer (Dietmar Bär) schlägt dann aber gar nicht zu, sondern hilft dem gestolperten Sven (Justus Kammerer) mit herablassender Großmütigkeit auf die Beine.

Die Angst des Sohnes hat der Fernsehzuschauer trotzdem in diesem Moment registriert, und zwar mit leichtem Erstaunen: Zu diesem frühen Zeitpunkt im ARD-Film „Kehrtwende“ von Regisseur Dror Zahavi („Die Luftbrücke – Nur der Himmel war frei“, „Mein Leben – Marcel Reich-Ranicki“) lässt sich noch nicht recht erschließen, wieso sich der Sohn in diese unterwürfige Verteidigungshaltung flüchtet.

Der Vater sieht wie das genaue Gegenteil eines unkontrollierten Schlägers aus. Schäfer ist Gymnasiallehrer, stellvertretender Schulleiter, engagierter Chorleiter, jemand, der sein Leben im Griff zu haben scheint. Aber die Momente der Überforderung in Schäfers Leben häufen sich, und dann prügelt er in cholerischer Wut los, bis Blut fließt. Dietmar Bär, sonst im Fernsehen als Kölner Kommissar unterwegs, schlägt härter zu, als er es vermutlich je in „Tatort“-Diensten tun musste, um mit einem noch so gemeinen Verbrecher fertig zu werden.

Häusliche Gewalt im bildungsbürgerlichen Milieu: Die ARD holt sich ein kompliziertes und auch komplexes Thema ins Programm. Drehbuchautor Johannes Rotter hat gründlich recherchiert, vielleicht sogar ein bisschen zu gründlich. Die Figuren müssen sich erst aus ihrem Schablonendasein befreien – sogar eine dominante Mutter des prügelnden Familienvaters ist mit von der Partie und spuckt zwischendurch Gift und Galle. Um so genauer dröselt der Autor die verzwickten Bindungen innerhalb der Familie auf. Da ist Ehefrau Viola (Inka Friedrich), die die Schuld für die Gewaltausbrüche ihres Mannes lange Zeit bei sich selbst sucht („Ich bin ein Chaos auf zwei Beinen“). Da ist Sven, dessen Aggressivität beständig wächst und sich immer deutlicher gegen den Vater kehrt.

Die ältere Tochter Sofia (Natalia Rudziewicz), eine Jiu-Jitsu-Kämpferin, ist die Einzige, die der Vater nicht anzurühren wagt. Wohl auch deshalb ist Sofia bereit, ihm zumindest zwischenzeitlich weiter Gefolgschaft zu leisten als der Rest der Familie.

Aus diesem Beziehungsgefängnis gibt es erst mit Hilfe von außen Rettung, auch hier folgt das Dreh- dem Lehrbuch. Das Leid der Familie ist damit jedoch noch nicht gebannt, gerade weil Schäfer intellektuell mit allen Wassern gewaschen ist. Das macht den Reiz der Figur aus. Dietmar Bär – ohne den gewohnten Bart, dafür mit Brille – nutzt die Chance, sich von seinem Kölner Polizistendauerjob freizuspielen. In den stärksten Momenten dieses Familiendramas geht eine latente, lauernde Gefahr von ihm aus. Der Mann versteht es immer wieder, die Gefühle seiner labilen Frau subtil zu manipulieren.

In solchen Augenblicken würde man sich wünschen, dass „Kehrtwende“ noch mehr an Leichtigkeit gewinnt und vielleicht sogar einen kleinen Ausflug Richtung Psychothriller macht – zumal der Regisseur immer wieder auf das Mittel der Parallelmontage setzt, wie es im Thriller beliebt ist. Doch arbeiten Zahavi und Rotter ihr Thema weiterhin genauso sorgfältig wie respektvoll ab. Jeder Winkel dieser Familienhölle soll gebührend ausgeleuchtet werden. Das Ende bietet dann aber noch einmal eine kleine, feine Pointe: Da lässt auch der sonst so gewiefte Familienvater den Arm sinken und weiß für einen Moment nicht weiter.

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