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00:19 05.02.2015
Trolle heißen die Netz-Pöbler. Quelle: dpa
Hannover

Einige Kommentarschreiber haben es ja schon immer gewusst: Die Medien sind ferngesteuert. Jetzt gibt es „Die Welt“ bei Facebook einfach unumwunden zu: „An ungeraden Tagen dürfen uns die Linken steuern und an geraden die Rechten. An rein katholischen Feiertagen darf die FDP ran (aus Prinzip) und an den restlichen Feiertagen die Grünen (samt den ganzen ,links-grün-versifften Gutmenschen’).“ Nicht zu vergessen sei das Rote Telefon im Newsroom, auf dem der US-Präsident stets direkt anklingele, um die Artikel zu diktieren. Ironie ist die neue Gegenwehr der Journalisten gegen ewige Nörgler – sogenannte Trolle – bei Facebook oder in den Kommentarbereichen der Nachrichtenseiten im Internet. Es ist der ungewöhnliche Versuch, wieder eine konstruktive Debattenkultur zu ermöglichen.

Die vergangenen Jahre hatte man stets auf die Verhaltensregeln („Netiquette“) verwiesen oder die wirren Kommentatoren einfach ignoriert, nach dem Grundsatz: „Don’t feed the trolls“. Füttere die Trolle nicht, dann werden sie schon von selbst wieder verschwinden. Doch das sind sie nicht.

Der Ton im Netz wird seit Längerem immer rauer – und längst geht es nicht mehr um die durchaus berechtigte Kritik der Leser an der Berichterstattung, sondern um das Dagegensein aus Prinzip. „Hetzpresse“, „Lügner“ oder „Zensur!“ ist vielfach zu lesen. Die Reizthemen sind Asylpolitik, die Politik im Allgemeinen, Radfahrer oder die Müllabfuhr – aber auch Verschwörungstheorien stehen hoch im Kurs. Da wünschen die Kommentatoren den Journalisten schon mal einen „richtig beschissenen Tag und dass sie noch jemand mit einem Baseballschläger heimsucht.“ Oder beschimpfen andersdenkende Leser als „dumme Arschlöcher“. Bei Facebook sind die Kommentare schneller gepostet, als die Redaktionen moderieren können. Und am Ende der Debatte stellt meist jemand einen Nazi-Vergleich an – in der Netzsprache hat dieses Phänomen den Namen „Godwin’s Law“.

Die Nörgler vergiften das Diskussionsklima und vergrämen so die Nutzer, die an einem wirklichen Meinungsaustausch interessiert sind und ehrliche Kritik vorzubringen haben. Der neueste Kurs der „Welt“, „Spiegel Online“ oder auch „Tagesschau“ lautet: behutsames Zurücktrollen – mit Humor und ohne Beleidigungen. „Hier spricht der Zionisten-Bilderberger-CIA-Illuminaten-Presseoffizier von SPIEGEL ONLINE“, heißt es da.
Die ironische Gegenwehr wirkt. „Der Kommentierende hat durch die Präsenz der Journalisten ein Gegenüber und erreicht die gewünschte Wahrnehmung. Damit kann das Niveau der Diskussion gesteuert werden – und den Trollen wird nicht das Feld überlassen“, sagt Medien- und Kommunikationspsychologe Johannes Breuer von der Universität Köln. Die kreativen Troll-Antworten aus den Social-Media-Redaktionen haben inzwischen schon eigene Fanseiten bei Facebook.

Unter Online-Journalisten ist der Umgang mit den Leserkommentaren die Gretchenfrage. Denn die Anonymität im Netz zieht Verschwörungstheoretiker, Pöbler und Rassisten an – die wiederum verschrecken die Leser, die an einer ernsthaften Diskussion interessiert sind. Süddeutsche.de ist im vergangenen Jahr einen drastischen Schritt gegangen und hat Kommentare unter den Artikeln abgeschafft. Andere Nachrichtenportale denken darüber nach. Kritiker sehen darin eine Beschneidung des öffentlichen Diskurses.

Doch wer sind die Menschen, die ihre Energie dafür aufwenden, das Internet vollzuschimpfen? „Man kann zwei Troll-Typen unterscheiden“, sagt Medienpsychologe Breuer. Der eine sucht die Provokation und den emotionalen Kick („Sensation Seeking“). Der andere Typ will wirklich mit seiner Meinung überzeugen, sich selbst als kompetent erleben – und das vor großem Publikum. „Provozieren, das ist wie ein Orgasmus“, gab ein Berufskommentierer in der FAZ zu. Eine kanadische Studie unterstellt Trollen gar Wesenszüge von Sadisten. Einige Menschen können ihre Impulse nur schwer kontrollieren, wenn die soziale Kontrollinstanz fehlt. Das Abtauchen in der Masse enthemmt. „In einer Gruppe handelt der Einzelne weniger stark nach gesellschaftlich üblichen Verhaltensregeln, insbesondere wenn er anonym bleiben kann“, sagt Medienpsychologe Breuer. Erhält er jedoch eine direkte Antwort, wird die Enthemmung geschwächt.

Die ironische Gegenwehr findet auch offline statt: Einige Journalisten mit Migrationshintergrund treten mit der Satireshow „Hate Poetry“ auf – und verlesen hasserfüllte und rassistische Leserbriefe auf der Bühne. „Wir schicken den Scheiß zurück in die Umlaufbahn“, sagt Yassin Musharbash von der „Zeit“.     

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