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12:14 21.04.2016
Nach dem Vorbild von Jan Böhmermann sucht die englische Zeitschrift "The Spectator" das beste Erdogan Schmähgedicht. Quelle: dpa
London

Die Ermittlungen gegen den ZDF-Moderator Jan Böhmermann wegen Majestätsbeleidigung sorgen nicht nur in Deutschland für heftige Diskussionen. Auch im Ausland ist die Causa Böhmermann in den Medien Thema. Mit britischem Humor hat jetzt das Londoner Wochenblatt "The Spectator" den Fall wegen Majestätsbeleidigung in einem westlichen, demokratischen Land aufgenommen: Die Zeitschrift hat einen Lyrikwettbewerb ausgerufen. Allerdings geht es dabei um ganz spezielle Lyrik: Gesucht wird möglichst beleidigende Poesie, diffamiert werden soll dabei der türkische Präsidente Recip Tayyip Erdogan.

"So schmutzig und beleidigend wie möglich"

"Spectator"-Autor Douglas Murray schreibt in dem Aufruf: "Nun, ich bin ein frei geborener britischer Mann und wir leben nicht unter den Blasphemie-Gesetzen solcher Despoten. Um diese Tatsache zu ehren, habe ich das Wochenende damit verbracht, unanständige Limericks über Herrn Erdogan zu schreiben. Und ich möchte hier alle Leser einladen, es mir gleich zu tun in einem großen Erdogan-Limerick-Wettbewerb."

Ziel sei es, "so schmutzig und beleidigend wie möglich" zu sein, heißt es weiter. Die Ausschreibung gibt keine formalen Grenzen vor, es müsse sich nicht an den Limerick gehalten werden. Allerdings habe diese Form den Vorteil, dass "fast alles Beleidigende, das es wert ist, gesagt zu werden, üblicherweise in die fünf Zeilen dieser schönen und zierlichen Form passt".

"Reime mit einer politischen Pointe könnten berücksichtigt werden, werden aber unweigerlich ins Hintertreffen geraten gegenüber Werken, die sich einzig mit President Erdogans angeblicher Zuneigung zu Ziegen oder seiner berüchtigten Unzuverlässigkeit in Reichweite irgendeines öffentlichen Zoos befassen."

Ein Preisgeld war für den Sieger zunächst nicht vorgesehen, doch ein Leser hat sich bei Murray gemeldet und 1000 Pfund für das beleidigendste Limerick geboten. Am 23. Juni soll das Siegergedicht veröffentlicht werden.

Paragraf wegen Majestätsbeleidigung soll sofort abgeschafft werden

Unterdessen soll auch die deutsche Politik gehandelt haben. Wie die "Rheinische Post" erfahren haben will, soll Justizminister Heiko Maas (SPD) noch in dieser Woche einen Gesetzentwurf vorlegen, der die sofortige Abschaffung des Paragrafen wegen Majestätsbeleidigung vorsieht.

Ursprünglich hatte sich die Koalition darauf geeinigt, den Paragrafen 103 des Strafgesetzbuches zum 1. Januar 2018 abzuschaffen. Jan Böhmermann könnte dennoch nach dem dann als überholt geltenden Majestäts-Beleidigungsparagrafen verurteilt werde.

mat

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