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Medien „Großstadtrevier“ als Blaupause für ARD-„Schmunzelkrimis“
Mehr Welt Medien „Großstadtrevier“ als Blaupause für ARD-„Schmunzelkrimis“
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19:49 11.04.2011
Vorbild für neue, regionale „Schmunzelkrimis“ im ARD-Vorabend: Dirk Matthies (Jan Fedder) und „Frau Küppers“ (Saskia Fischer). Quelle: ARD

Man stelle sich nur mal vor, ganz unverbindlich: es gäbe kein „Großstadtrevier“. Bestünde da nicht Anlass zur Sorge, dass die ARD mangels Beachtung bis zur „Tagesschau“ das Vorabendprogramm einfach gleich ganz streicht und bis 20 Uhr das alte Testbild zeigt? Denn abseits der betulichen Hamburger Polizeiwache, in der montags Jan Fedder brummelnd seinen Dienst tut, fehlt dem Sendeplatz zwischen 18 und 20 Uhr jedes Profil, jede Relevanz.

Frank Beckmann möchte das ändern. Und das große Vorbild des ARD-Vorabendkoordinators, ehemaligen KI.KA-Chefs und NDR-Fernsehchefs für die zweistündige, sogenannte „Access-Primetime“ vor der wahren „Primetime“ ist – natürlich – das „Großstadtrevier“. Spannend, humorvoll, regional – nach diesen drei Kriterien will Beckmann auch die anderen Wochentage füllen. Der Zaubertrank heißt „Schmunzelkrimis“. Vier Reihen vom Nordseestrand bis zum Alpenrand sind für den Herbst in der Planung. Und vier Folgen, sagt Beckmann vom NDR stolz, „befinden sich bereits in der Realisierungsphase“.

Viel konkreter wird er nicht, dafür meldet das Branchenmagazin „W&V“ schon mal, was die ARD-Zuschauer erwarten dürfte: Der Bayerische Rundfunk wird im Herbst mit einer Neuauflage der Polizeiserie „München 7“ an den Start gehen. Zwischen 2004 und 2013 liefen bereits 13 Folgen. Produzent ist diesmal die Firma Akzent Film, eine Tochter der Produktionsgesellschaft ndf, die auch ARD-Dauerbrenner wie „Forsthaus Falkenau“ und „Um Himmels Willen“ liefert.

Der NDR beteiligt sich mit „Friesisch herb“, einer Krimiserie, für die in Husum und Umgebung gedreht wird. Hersteller ist Phoenix Film („Flemming“, „Danni Lowinski“).

Für 2012 dann ist laut „W&V“ unter anderem die MDR/BR-Serie „Hubert & Staller“ geplant, in der Christian Tramitz („Bullyparade“, „Der Schuh des Manitu“) und Schauspielerkollege Helmfried von Lüttichau zwei Dorfpolizisten in Bayern geben, die der Herrgott mit nicht allzu viel Grips gesegnet hat. Außerdem geht die WDR-Serie „Henker & Richter“ an den Start, die im Kölner Umfeld spielt.

Ein Testballon für das heitere Allerlei mit Ermittlungshintergrund stieg schon vor Jahresfrist empor. Doch dass Cordula Stratmanns Hobbydetektivin mit „Carla Fingerhut“ einen Namen trug, der eher zu niedlichen Kinderhörspielen als seriösen Fernsehprogrammen passt, macht deutlich: Es besteht Handlungsbedarf. Bisher ist der 18.50-Uhr-Slot, die lukrativste Anstoßzeit am Vorabend, ein Grab: für Quoten, Ideen, das Niveau, den guten Ruf. Was hat die ARD nicht alles versucht, um dort, wo sie immerhin noch ein bisschen werben darf (aber nur drei Prozent ihres Gesamtertrags erwirtschaftet), konkurrenzfähig zu sein? Gegen das ZDF als Gesamtmarktführer und RTL als Zielgruppenprimus, die Kleinen von VOX bis PRO7 im Nacken, ging alles, was das Erste unternahm, regelmäßig in die Hose. Erst recht, als der scheidende Programmdirektor Günter Struve seinem künftigen Exarbeitgeber vor vier Jahren ein Programmschema hinterließ, das nicht bloß Ästheten zur Fremdscham trieb.

Nach der viel gelobten, aber weithin ignorierten Daily „Zwei Engel für Amor“ gingen mit Struve und seinem damaligen Vorabendchef Gerhard Fuchs förmlich die Pferde durch: Konzeptlos kompilierten sie Uraltspots von „Verstehen Sie Spaß?“ oder reaktivierten die ähnlich abgestandene Raterei „Psst ...“ des zurückgekehrten Harald Schmidt. Mit dem kommerziellen „Lifestyle-Coach“ Bruce Darnell, der Kuppelsause „Ich weiß, was gut für dich ist“ oder der Doris-Day-Gedächtnis-Soap „Eine für alle“ verspielte die ARD schließlich den letzten Rest vorabendlichen Anstands.

Und als dann auch noch der beliebte Jörg Pilawa seinen Quizmasterstuhl für den konturlosen Florian Weber räumte, lag der Vorabend vollends in Scherben. Daran konnte auch Joan Collins’ Gastrolle in „Verbotene Liebe“ oder Ranga Yogeshwars nettes „Wissen vor acht“ wenig ändern. Kein gutes Umfeld für die 20 Minuten Reklame, die öffentlich-rechtlich pro Tag geschaltet werden dürfen. Und ein Grund mehr für den Koordinator, „die Weichen neu zu stellen“, wie Beckmann das nennt. Denn seine neuen Schmunzelkrimis sollen nicht nur die Kernkompetenz des „Großstadtreviers“ auf vier Wochentage ausweiten, sondern zudem ein junges Publikum anlocken, das dem Sender zu dieser Zeit doch schon jetzt überwiegend fernbleibt.

Synergieeffekte bei der Suche nach jüngerem Publikum erhofft man sich ausgerechnet von den Dritten. Als koproduzierende Zweitverwerter finanzieren die Landeshäuser der ARD jede Staffel mit dem Gegenwert eines Fernsehfilms, immerhin rund einer Million Euro. Ob’s hilft? Beckmann wäre nicht der Erste, der mit Elan an den Start geht und am Ende rätselnd von den Scherben seines Konzeptes steht. Es ist fast, als läge ein Fluch auf dem ARD-Vorabendprogramm.

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