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Medien Griechen verklagen „Focus“ wegen Aphrodite mit Stinkefinger
Mehr Welt Medien Griechen verklagen „Focus“ wegen Aphrodite mit Stinkefinger
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13:44 20.04.2011
Quelle: Burda

Der Titel, mit dem das Nachrichtenmagazin „Focus“ am 22. Februar 2010 an die Kioske kam, schlug in Griechenland hohe Wellen: „Betrüger in der Euro-Familie“ lautete die Überschrift – gemeint waren die Griechen. Auf dem Titelbild eine Fotomontage: die Statue der Aphrodite von Milos, die ihren rechten Mittelfinger zu dem ausstreckt, was man umgangssprachlich den „Stinkefinger“ nennt – eine Geste, die zu sagen scheint: Europa kann mich mal...

Wer wen was kann, wird sich am 29. Juni vor dem Athener Landgericht zeigen. Dann müssen im Saal 10 ebenso viele Deutsche, die an der umstrittenen Titelgeschichte des Magazins beteiligt gewesen sein sollen, der Staatsanwältin Ourania Stathea Rede und Antwort stehen. Hauptbeschuldigter ist Helmut Markwort („Fakten, Fakten, Fakten“), der Herausgeber des „Focus“. Gegen Markwort sowie neun Redakteure und Mitarbeiter des Magazins ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Verleumdung, übler Nachrede und Verunglimpfung der Symbole des griechischen Staates. Darauf stehen Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren.

Der „Focus“-Artikel erschien zu einer Zeit, da sich gerade die griechische Schuldenkrise in ihren wahren Ausmaßen abzuzeichnen begann – einschließlich der seit Jahren frisierten Athener Bilanzen. Die Story hatte es in sich: „2000 Jahre Niedergang“, „von der Wiege zum Hinterhof Europas“ hieß es da, „Griechenlands Abstieg ist beispiellos“. Griechische Ingenieure, die von zwei Seiten einen Tunnel graben, um sich in der Mitte um 35 Meter zu verfehlen, hellenische Fährschiffkapitäne, die laut „Focus“ wie Odysseus ziellos auf dem Meer umherirren, griechische Küchenchefs, um deren Gerichte „Feinschmecker einen weiten Bogen machen“ – der Verfall sei „allgegenwärtig“.

Das wollten sechs Griechen nicht auf sich sitzen lassen. Sie erstatteten Strafanzeige gegen Herausgeber Markwort und die Verfasser des Artikels. Die Story enthalte unwahre und beleidigende Behauptungen, die sie als Teil des griechischen Volkes in ihren Rechten verletzten. In ihrem Übereifer nahmen die Ankläger dann gleich auch noch einen ausgewiesenen Freund der Griechen ins Fadenkreuz, den Autor Klaus Bötig, der seit 35 Jahren durchaus wohlwollend über Land und Leute schreibt, weshalb er auch Ehrenbürger der Inselgemeinde Kos ist. Bötig hatte zufällig zeitnah zu dem Magazintitel bei „Focus Online“ eine Tourismusgeschichte zu Griechenland verfasst. Dass er darin die Griechen liebevoll als „sympathisches Völkchen“ bezeichnete, könnte ihm nun zum Verhängnis werden: die Kläger fühlen sich durch die Verkleinerungsform in ihrer Ehre verletzt.

Ob sich die Beschuldigten am 29. Juni bei Staatsanwältin Stathea einfinden werden, ist ungewiss. Bisher haben nicht mal alle eine Vorladung bekommen. Auch Klaus Bötig, dem die Ladung im Rechtshilfeverfahren vom Leitenden Oberstaatsanwalt der Hansestadt Bremen zugestellt wurde, ist sich noch unschlüssig, ob er nach Athen fahren wird. Der Philhellene versucht jetzt erst einmal herauszufinden, ob in Griechenland womöglich bereits ein Haftbefehl gegen ihn vorliegt.

Gerd Höhler

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